Schauinsland

Was hat Freiburgs Hausberg mit der Kontrolle von Atomwaffentests zu tun?

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Do, 12. April 2018 um 17:24 Uhr

Freiburg

Wichtiges Lagezentrum im Ernstfall: Auf dem Schauinsland hat das Bundesamt für Strahlenschutz eine neue Station für die Messung von Radioaktivität bekommen.

Seit mehr als 60 Jahren befindet sich auf dem Schauinsland eine Station zur Messung von Radioaktivität in der Luft, schon 1953 wurden dort die Folgen eines oberirdischen Atomwaffentests in der Wüste Nevadas gemessen. Seit mittlerweile 20 Jahren hilft die Messstation – die einzige ihrer Art in Mitteleuropa –, dass das Verbot von Kernwaffentests eingehalten wird. Nun wurde für eine halbe Million Euro ein modernes Holzgebäude für ein neues Radionuklid-Messgerät errichtet (Kommentar).

In der Folge des Atomreaktorunglücks in Tschernobyl im April 1986 entstand Ende der 80er Jahre das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mit deutschlandweit sechs Standorten, einer davon befindet sich in Freiburg. Dazu gehört die Messstation auf dem Schauinsland, die der Organisation zur Überwachung des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (Comprehensive Nuclear Test Ban Treaty Organization – CTBTO) in Wien Daten über Radioaktivität liefert. Dieser Vertrag verbietet den 44 CTBTO-Mitgliedern ober- wie unterirdische Kernwaffentests; einige Atommächte wie Nordkorea und Pakistan haben den Vertrag aber nicht unterzeichnet.

"Dort werden schon die geringsten Mengen Radioaktivität gemessen" Matthias Zähringer
Die Station auf dem Schauinsland ist eine von weltweit 80 Radionuklid-Messstationen und die einzige in Mitteleuropa: "Dort werden schon die geringsten Mengen Radioaktivität gemessen", selbst Tausende von Kilometern entfernt, erklärt der Physiker Matthias Zähringer, der am Freiburger BfS-Standort die Abteilung Notfallschutz leitet. In der Rosastraße arbeiten 35 Mitarbeiter.

BfS-Präsidentin Inge Paulini, die am Mittwoch zum Richtfest auf den Schauinsland gekommen ist, ergänzt: "Wir sind so etwas wie Detektive." Gemessen wird auf 1200 Metern alle Radioaktivität, die staubgebunden oder in Edelgasen enthalten ist. Sie wurde etwa bei der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011 rund zehn Tage später auch auf dem Schauinsland registriert. Man findet die neue Messstation, wenn man auf der Straße am Gipfelparkplatz Richtung Rappenecker Hütte geht und kurz nach der Messstation des Umweltbundesamtes links abbiegt. Nach etwa 150 Metern stößt man auf ein Holzhaus im Schwarzwaldstil.

Neubau fügt sich in die Berglandschaft ein

Das Radionuklid-Messgerät befand sich die vergangenen 18 Jahre unterhalb dieses Hauses in einem Container, der sowohl in die Jahre gekommen als auch zu klein ist. Exakt an diesem Standort ist nun vom Staatlichen Hochbauamt Freiburg im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Eigentümerin ein moderner, eingeschossiger Neubau errichtet worden, der sich harmonisch in die Berglandschaft einfügt. Er ist aus massivem Weißtannenholz, hat 80 Quadratmeter Nutzfläche und eine spezielle Klimatechnik, damit innen immer zwischen 16 und 20 Grad sind.

Diese besonderen Bedingungen braucht das mehrere hunderttausend Euro teure Messgerät, das im Juni in dem Neubau aufgestellt werden soll. Es handelt sich um eine Art Staubsauger, sein Filter wird täglich gewechselt und nach Wien gebracht. Mit Hilfe von Detektoren kann festgestellt werden, um was für Radioaktivität es sich handelt.



Die Schauinsland-Station berät auch das Auswärtige Amt – und teilt die Daten allen Behörden auf Bundes- und Landesebene mit, die im Katastrophenfall für Schutzmaßnahmen zuständig sind. "Wir erstellen ein Lagebild, auf das alle zurückgreifen", sagt Zähringer.

Wird auf dem Schauinsland ein bestimmter Schwellenwerte überschritten, klingelt in der Rosastraße das Telefon. Werktags werden die Daten online von dort abgerufen, am Wochenende ist ein Mitarbeiter vor Ort auf dem Schauinsland. Künftig muss er nicht mehr durch Regen und Schnee in den alten Container, sondern gelangt überdacht – der Neubau ist mit dem Haus verbunden – in einen für Paulini "sehr schönen, sehr gelungenen Neubau".

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