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16. Januar 2015 21:19 Uhr

BZ-Haus

Wie bewertet ein Experte die Stadionfinanzierung?

Zur Finanzierung des neuen Fußballstadions in Freiburg gibt es viele Fragen. Stadionexperte Luca Rebeggiani nahm das Konzept unter die Lupe und gab im BZ-Haus Antworten.

  1. Sportökonom Luca Rebeggiani sprach vor rund 80 Zuhörern über Stadionfinanzierungen. Foto: rita eggstein

Wann rentiert sich der Bau eines neuen Fußballstadions? Wer soll die Investition tragen? Und soll die öffentliche Hand so ein Projekt für den Profisport mitfinanzieren? Um diese Fragen mit dem Blick von außen zu beantworten, hatte die Badische Zeitung am Donnerstag den promovierten Volkswirt und Stadionexperten Luca Rebeggiani ins BZ-Haus eingeladen. Moderiert wurde der Abend von Stadtredaktionsleiter Uwe Mauch. Rebeggianis Meinung: "Die Risiken sind begrenzt." Die Finanzierung der SC-Arena sei solide, das Gesamtkonzept relativ unproblematisch.

Der 37-Jährige Rebeggiani arbeitet am Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik in St. Augustin bei Bonn und hat sich viel mit der Finanzierung von Fußballstadien und olympischen Sportstätten befasst. Bei den deutschen Fußballstadien, von denen viele im Zuge der WM 2006 neu gebaut oder umfassend modernisiert wurden, kennt Rebeggiani viele positive Beispiele, etwa die Arena von Hannover 96. Als "Subventionsfass ohne Boden" habe sich hingegen das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern entpuppt, das 100 Millionen Euro an öffentlichem Geld verschlungen habe: "Die Finanzierung war eine ziemliche Katastrophe." Und beim neuen Aachener Stadion mündete der sportliche Niedergang der Alemannia von der Ersten in die Dritte Liga in ein Desaster – der Club ging 2012 pleite, am Ende blieb die ganze finanzielle Last an der Stadt hängen.

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Was den SC Freiburg mit seiner "sehr guten Jugendarbeit" betrifft, hielt Rebeggiani einen Komplettabsturz für relativ unwahrscheinlich, auch wenn er darauf hinwies, dass ein sportlicher Abstieg das gesamte Konstrukt ins Wanken bringen könne. Zwar rät Rebeggiani, nicht mit viel mehr Zuschauern zu kalkulieren als jetzt, gleichwohl fand er, dass der SC ein neues Stadion brauche, um mehr Geld im VIP- und Business-Bereich zu erzielen: "Die Einnahmen, die man mit einem modernen Stadion generieren kann, sind deutlich höher. Freiburg kann da schon ein paar Millionen einnehmen." Standortdebatten seien die Regel. Die Lage am Flugplatz sei gut; die Erfahrung zeige, dass Stadien weit außerhalb problematisch seien. Die Bedeutung von Konzerten und Konferenzen als zusätzliche Einnahmequellen werde überschätzt: "Das ist Beiwerk."

Der Beitrag des SC ist relativ groß

Ein Neubau könne in jedem Fall Impulse für die Stadt setzen und einen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten. Dies dürfe allerdings nicht im Fokus stehen, denn "das ist nicht die Aufgabe des Sports", der Profisport müsse das Geld einbringen. Eine Mischfinanzierung (Öffentliche Hand, Verein, private Partner) wie in Freiburg sei seit zirka 15 Jahren üblich und senke für die Beteiligten das Risiko. "Das hat sich als ganz gut erwiesen." Die Zeiten, als die Stadien wie bei der WM 74 komplett von der Öffentlichen Hand bezahlt wurden ("das war damals keine große Frage"), seien vorbei, sagte Rebeggiani. Vereine, die das stemmen könnten, müssten über Jahre gut wirtschaften. Werder Bremen sei so ein Beispiel für einen Club, der sich beim Stadionausbau "ein bisschen übernommen" habe. Die 15 bis 20 Millionen, die der SC aus der eigenen Tasche einbringen wolle, seien "eine relativ große Summe": "Das könnten viele andere Vereine so nicht machen." Alles in allem findet Rebeggiani den Sportclub transparent: "Woanders waren Finanzierungsschemata viel unseriöser."

Die stille Einlage von Rothaus (12,78 Millionen Euro) könne sich für die Brauerei langfristig rentieren. Gestört habe ihn, dass die Partnerschaft so spät – erst nach dem Gemeinderatsentscheid – publik geworden sei. "Das war intransparent", kritisierte Rebeggiani. Fürs Stadion sei die stille Einlage wie seinerzeit für die Messe eine Ankerfinanzierung, erklärte Reinhard Zähringer von der Stadtkämmerei, der im Publikum saß. Aktuell bekomme Rothaus für die Messeeinlage, die die Brauerei beenden wird, nun "weit unter zwei Prozent" Zinsen, 1998, zu Beginn des Darlehens, waren es fünf Prozent.

Soll sich die öffentliche Hand beteiligen? "Eindeutig Ja zu sagen ist schwierig", fand Rebeggiani. Die Hauptverantwortung liege in jedem Fall beim SC. Ein Kredit über 25 Jahre mit 3,5 Zinsen sei angesichts der derzeit günstigen Zinsen "eher konservativ" gerechnet: " Das ist eine passable Rechnung. Man hätte auch mit zwei Prozent kalkulieren können."

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Autor: Frank Zimmermann