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11. Januar 2010

Wie die Auswanderer einst nach Amerika kamen

DREI FRAGEN AN Liane von Droste, die einen Vortrag über die spannenden Lebenswege von Emigranten nach Übersee hält

  1. Liane von Droste Foto: privat

Die Auswanderer lassen sie nicht mehr los: Vor drei Jahren begann die freie Journalistin und Autorin Liane von Droste, die nahe Berlin lebt, Lebenswege von Menschen zu recherchieren, die in den vergangenen 200 Jahren aus dem Südwesten Deutschlands in die Welt gezogen sind. Zu einem Abend mit Lesung, Bildern und Auswandererliedern im Carl-Schurz-Haus, der Einblick in ihre Forschungen gibt, kommt sie nach Freiburg. Anja Bochtler hat mit Liane von Droste gesprochen.

BZ: Wie kamen sie aufs Thema Auswanderung, wollten Sie selbst mal auswandern?
Von Droste: Ich bin als Journalistin drauf gestoßen, im Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven. In der Recherche-Station, wo Besucher nach Vorfahren suchen können, entdeckte ich den Namen des 19-jährigen Gärtnergesellen Otto Dietter, der 1930 aus Ofterdingen bei Tübingen ausgewandert ist. Weil ich dort geboren wurde, wusste ich, dass es dort eine Gärtnerei mit diesem Namen gibt. Ich habe nachgefragt – und erfahren: Otto Dietter war der Großvater des jetzigen Inhabers. Aus solchen Porträts habe ich eine Zeitungsserie gemacht und fand immer mehr wunderbares Material.

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BZ: Und haben Sie auch eigene Vorfahren entdeckt?
Von Droste: Ja, aber erst als mein Buch "Lebenswege von Auswanderern" im Februar 2008 erschienen war. Drei Urgroßonkel von mir sind nach Amerika emigriert. Niemand in meiner Familie wusste mehr etwas von ihnen. Ich hatte noch keine Zeit, genauer nachzuforschen. Aber ich weiß inzwischen, dass einer der drei, der Schlosser war und 1890 mit seiner Frau und mehreren Kindern auswanderte, zu Wohlstand gekommen sein muss – jedenfalls schlug er sein Erbe daheim aus.
BZ: Sie bleiben auch nach Ihrem Buch an dem Thema dran – was fasziniert Sie so an den Auswanderern?
Von Droste: Das Nachforschen ist unglaublich interessant. In meinem Buch ist ein Recherche-Teil mit Tipps dazu. An der Universität Tübingen leite ich ein Rechercheseminar mit Studierenden, dabei ist eine Studentin auf eine Uroma in den USA gestoßen, von der sie nichts wusste. Die Geschichten aus dem Südwesten sind übertragbar, es gibt keine Region ohne Auswanderer. Zwischen 1800 und dem zweiten Weltkrieg sind rund elf Millionen Deutsche gegangen – eine Völkerwanderung, aber es ist total in Vergessenheit geraten, dass Deutschland ein Auswanderungsland war. Migration ist normal.

"Nach Amerika!" Auswandererlesung mit Liane von Droste, Bildern und Gesang im Carl-Schurz-Haus, Eisenbahnstraße 58-62: Mittwoch, 20. Januar, 20.15 Uhr, Eintritt frei.


Autor: anb