Bombennacht in Freiburg 1944

Wie Freiburger Kirchen nach der Zerstörung wieder aufgebaut wurden

Carola Schark

Von Carola Schark

Fr, 27. November 2015 um 11:23 Uhr

Freiburg

Beim Wiederaufbau nutzten die Freiburger die Trümmer der zerstörten Kirchen. Auch heute noch sind Teile der alten Ludwigskirche sichtbar.

Im Innersten getroffen war das geistliche Leben in Freiburg. Dies galt auch für St. Martin in der Altstadt, deren Umfassungsmauern noch standen und wo manchmal auch Gottesdienste inmitten der Ruine stattfanden. Von 1949 bis 1951 wurde die gotische Kirche am Rathausplatz wieder errichtet. Doch noch Mitte der 1990er Jahre mussten Kriegsschäden beseitigt werden, weil man beim Wiederaufbau irgendwie verwendbare, nicht immer geeignete Bauteile integriert hatte.

In St. Konrad konnte das Kirchenschiff zunächst nicht mehr genutzt werden. Wie sich Charlotte Rosner erinnert, fanden die Gottesdienste in der neben dem Haupteingang gelegenen Muttergottes-Kapelle statt. Erst 1957 war der Wiederaufbau der stark beschädigten Kirche abgeschlossen.

Drei Jahre zuvor war eine neue Ludwigskirche in neuen Formen und an neuem Ort entstanden. Hatte das 1829 bis 1839 vom ehemaligen Zisterzienserkloster Tennenbach transferierte Kirchengebäude noch an der heutigen Habsburgerstraße seinen Platz gehabt, so wuchs das neue Gotteshaus ab 1952 in der Starkenstraße in die Höhe. Die Verlegung, welche aus "Platz- und Lärmgründen" erfolgt war, stieß bei der Gemeinde indessen teilweise auf Unverständnis.

Verschiedene Provisorien – und dann ein Neubau

Zwischen der Vernichtung der Ludwigskirche in Herdern/Neuburg und der Einweihung des neuen Baus im März 1954 waren verschiedene Provisorien genutzt worden, unter anderem die Kapelle des Diakonissenhauses und der Saal einer Studentenverbindung an der Sautierstraße. Architekt Horst Linde hat der Gemeinde in zeittypischen Formen eine neue Heimat gegeben.

So ganz verschwunden ist die alte Ludwigskirche jedoch nicht: Die heute dort befindliche Finanzschule an der Ecke Albert- und Habsburgerstraße nutzt historische Fundamente und Reste des Vorgängerbaus zur Einfriedung. Ebenso sind beim jetzigen Kirchenbau Steine der ersten evangelischen Kirche Freiburgs zu sehen. Ursula Hellerich schreibt zur Ludwigskirche im Buch "In Gottes Wort gehalten": "Ein Stein – zusammen mit anderen wird er zum Bauwerk, zur schützenden Mauer, zum bergenden Haus, zusammen mit anderen gewinnt er Leben."

Fast genauso lange dauerte es, bis wieder Leben an der Trümmerstätte der Lutherkirche im nördlichen Stühlinger einzog.

Nach dem Ausweichen in die Klinikkapelle fand von 1946 bis 1953 der Gottesdienst in einer Baracken-Notkirche beim alten Eingang des Hauptfriedhofs statt. Im Juni 1952 begann der Wiederaufbau an der alten Stätte, wobei sich der Bagger an den Betonbrocken die Zähne ausbiss und die Arbeiten unterbrochen werden mussten. Sorgen bei den Grabungsarbeiten bereiteten auch Blindgänger – bis sich herausstellte, dass es die alten Glocken waren, von denen eine sogar ins neue Geläut integriert werden konnte. Max Schmechel schuf einen schlichten, traditionellen Kirchenbau, der nur mit tatkräftiger Mithilfe der Gemeinde und dank zahlreicher Spenden verwirklicht werden konnte.

Das Münster stand – aber war schwer beschädigt

80 000 Ziegel zerschlagen, Fenster und Maßwerke zerstört – das Münster blieb zwar stehen, wurde aber schwer beschädigt. Die Schäden stellten sich teilweise erst in der Nachkriegszeit heraus. Die Sicherungsmaßnahmen gingen in die Stadtgeschichte ein. Jugendliche der Münsterpfarrei, aus St. Urban und anderen Pfarreien deckten zusammen mit Geistlichen und französischen Kriegsgefangenen das Dach des Münsters wieder ein. Diese etwa 12 bis 15 Jahre alten Jugendlichen – 15 Mädchen und 25 Jungen – schafften es mit Unterstützung der Erwachsenen, trotz dauernder Tieffliegerangriffe die Gewölbe vor Schnee und Nässe zu schützen und so das Bauwerk vor weiterer Zerstörung zu bewahren. Über ihre Arbeit sagten sie: "Gefährlich war’s. Traurig. Und unheimlich schön."

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