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18. Dezember 2013

Initiative Sozialistisches Forum

Henryk-Broder-Veranstaltung "Café Judenhass" sorgt für Irritationen

Im Jos Fritz Café veranstaltet die Initiative Sozialistisches Forum einen Abend mit Henryk Broder unter dem Titel "Café Judenhass".

Wenn am heutigen Mittwochabend der Publizist Henryk Broder im Jos Fritz Café auftritt, ist dies zugleich das Ende einer Tradition. Seit vielen Jahren stellt das Café unentgeltlich alle zwei Wochen der benachbarten Initiative Sozialistisches Forum – kurz: ISF – den Gastraum zur Verfügung für den "jour fixe" der Initiative. Damit ist es nun vorbei, erklärt Günther Glanz, Betreiber des Szenecafés, er habe keine Lust auf "Stellvertreterkriege".

Soll heißen: Es habe schon immer zum Selbstverständnis des kleinen Cafés gehört, so Glanz, dass man dort Veranstaltern Raum gebe, so weit das in die sonstige Café-Planung passe: "Eine wichtige Übereinkunft war – wir nehmen keinen Einfluss auf die Inhalte einer Veranstaltung. Alles bleibt fair." Dass jedoch für den heutigen Abend eine Veranstaltung beworben werde, die den Titel "Café Judenhass" trägt, ist für Glanz das Ende dieser Gastfreundschaft: "Da muss ich jetzt kein schlechtes Gewissen haben, dass ich die Zusammenarbeit beende." Auf wen der Titel der ISF-Veranstaltung gemünzt ist, wird nicht völlig klar. Ein zentrales Anliegen der ISF ist "die Kritik der deutschen Ideologie und ihrer Konsequenzen: Antisemitismus und Antizionismus." Beides vermuten ISF und Henryk Broder bei den Veranstaltungen einer anderen Initiative, die seit zwei Jahren ebenfalls im Jos Fritz Café gastiert: Café Palestine. Welchem von beiden wird das Etikett "Café Judenhass" verliehen? Für eine Stellungnahme war vor Redaktionsschluss keiner der ISF-Verantwortlichen zu erreichen. Eine der Initiatorinnen von Café Palestine, die Ärztin Gabi Weber, beschreibt die Lage im Café so: "Die Betreiber sind zeitweise dafür angefeindet worden, dass sie auch uns dort Raum gegeben haben." Café-Mann Glanz wurde auch schon mal als Nazi beschimpft, wie er selbst sagt. Dass nun die ISF mit der Jugend der Deutsch Israelischen Gesellschaft zunächst für eine Art Lesung aus Broders Buch "Vergesst Auschwitz" das Café gebucht hatten, auf der ISF-Webseite jedoch mit dem Titel "Café Judenhass" warben, findet er ärgerlich. Sowieso sei jedoch für 2014 geplant gewesen, das Konzept des Cafés zu ändern – mehr Cuisine, weniger Konflikt. Nun werden sich ISF und Café Palestine neue Räume suchen müssen.

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Autor: lit