Wo Firmen um die Ingenieure werben

Caroline Bingenheimer

Von Caroline Bingenheimer

Mo, 01. Oktober 2018

Freiburg

Bei der "VDI Regio Career" informieren sich 2000 Nachwuchskräfte.

FREIBURG. "Früher sind die Bewerber auf den Arbeitsmarkt zugegangen, heute muss der Arbeitsmarkt auf die Bewerber zugehen", erklärte Frank Gerlach, der designierte Bezirksvorsitzender des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Aus diesem Grund fand am Samstag bereits zum dritten Mal die "VDI Regio Career" in Freiburg statt. Knapp 30 Unternehmen präsentierten sich auf der Messe. Junge Besucher konnten mit den Firmen ins Gespräch kommen – und beim VDI ihre Bewerbungsmappen Korrektur lesen lassen.

"Es gibt immer weniger Absolventen in technischen Berufen, deshalb bekommen wir auch weniger Bewerbungen zugeschickt", so Melanie Stock. Sie ist im HR-Marketing der Firma "Endress + Hauser" tätig. HR steht für "Human Resource" oder Personalmarketing. Das Schweizer Familienunternehmen ist auf Messtechnik und Automatisierung spezialisiert und sucht hauptsächlich Ingenieure im Bereich Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik. "Wir beschäftigen eindeutig mehr männliche Ingenieure. Das liegt einfach daran, dass sich keine Frauen bewerben", bedauerte Stock. Um mehr junge, gerade auch weibliche Mitarbeiter zu finden, versucht das Unternehmen vor allem im Netz präsent zu sein – mit Branding-Konzepten, Aktivitäten im Social-Media-Bereich oder Online-Werbeanzeigen.

Einige Aussteller beschrieben ihre Situation ähnlich, andere sprachen jedoch von einer wachsenden Frauenquote. "Bei uns trifft dieses Vorurteil nicht zu, gerade für die kommenden Monate haben wir viele Ingenieurinnen eingestellt", sagte Petra Philipowitz von der Firma "Auto-Kabel". Generell seien die Bewerberzahlen in den letzten Jahren recht konstant geblieben. "Wir schreiben unsere Stellen aus und fahren auf Messen, das reicht in der Regel, um neue Mitarbeiter anzulocken."

Eine Frau wird weniger angesprochen

Das Besondere an der Messe findet der künftige Bezirksvorsitzende Frank Gerlach die Lage, Aussteller und Bewerber kämen aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich. "Wir leben hier in einem sehr mittelständig geprägten Gebiet, das aber eine Menge zu bieten hat." Ziel der Messe sei, junge Absolventen aus Universität und Hochschulen hier zu halten. Doch aufgrund der Urbanisierung hätten dabei viele Unternehmen zu kämpfen.

Nikolas Braun ist einer dieser Absolventen. Er hat in Offenburg Medien und Informationswesen mit Schwerpunkt Medieninformatik studiert. "Ich will nach meinem Bachelor nun gerne in der Umgebung arbeiten, denn es gibt gute Jobs, entsprechendes Honorar und zudem ist der Schwarzwald einfach schön", so der 24-Jährige. Alena Kolb studierte an der TU Darmstadt und möchte nach Freiburg ziehen. "Die Messe will ich nutzen, um mich zu informieren, doch leider wird mein Partner von den Ausstellern vermehrt angesprochen. Dabei ist er Grundschullehrer und ich habe Maschinenbau studiert", sagte die 29-Jährige.

Rund 2000 Besucher waren bei der Messe im Konzerthaus zu Gast. Außer den Firmen war auch der VDI mit mehreren Ständen vertreten und bot an, Bewerbungsmappen zu prüfen. Nils Schmidt, Fachanwalt für Arbeitsrecht, hatte jede Menge zu tun. "Der größte Fehler ist, dass die Leute zu genau sind. Sie schreiben in den Lebenslauf, auf welcher Grundschule sie waren, das ist Platzverschwendung", erklärte er. Mitveranstaltet wurde die "Regio Career" von "Arisal", der elsässischen Partnerorganisation des VDI und der Ferchau Engineering GmbH.