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25. November 2009

Leute in der Stadt

Wulf Dasekings Arbeit ausgezeichnet

Leute in der Stadt: Wulf Daseking, Leiter des städtischen Planungsamtes, wurde für seine Arbeit international geehrt

  1. Planer Wulf Daseking Foto: Thomas Kunz

"Völlig bewegt" sei er gewesen, als die Stadt Freiburg vergangenen Freitag in London als "European City of the Year 2010", also als europäische Stadt des Jahres, ausgezeichnet wurde, sagt Wulf Daseking. Das darf er auch sein: Denn mit der Auszeichnung wird Freiburgs städteplanerisches Konzept als vorbildlich gewürdigt – und dieses Konzept mit Leben zu erfüllen, das ist seit 26 Jahren die tägliche Arbeit des Freiburger Planungsamtsleiters.

"Als Stadtplaner bist du Langstreckenläufer", davon ist Wulf Daseking überzeugt. Und einen langen Weg hat er schon zurückgelegt in dieser Stadt. 1984 wurde Daseking zum Leiter des Freiburger Stadtplanungsamtes gewählt; zuvor hatte er Architektur und Stadtplanung, unter anderem in Zürich, studiert, in einem freien Architekturbüro in Münster und als Stadtplaner in Müllheim an der Ruhr gearbeitet. "Der teuerste Lehrling, den wir haben", frotzelten manche Verwaltungsmitarbeiter im Rathaus über den damals 37-Jährigen – der nahm es als Ansporn.

Inzwischen kennt der heute 62-Jährige die Stadt wie seine Westentasche. Wahrscheinlich sogar besser, denn praktisch in jeder Ecke hatte oder hat er zu tun: ob der letzte Edeka in St. Georgen schließt, das Jugendprojekt Chummy einen Standort sucht, der Kiosk am Schwabentorring abgerissen wird, die Schloßbergnase einen Investor braucht oder das Baugebiet Gutleutmatten entwickelt wird. "Planung ist verwoben mit dem Leben in der Stadt" – auch das ein Credo Dasekings.

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Wenn Wulf Daseking über Stadtplanung redet, dann redet er über Nachhaltigkeit, kurze Wege, Märktekonzept, Vernetzung, soziale und kulturelle Bindungen, öffentlichen Nahverkehr – und spätestens jetzt kommt Daseking in Fahrt, seine Augen blitzen hinter der Hornbrille, er beugt sich vor und spricht geradezu beschwörend auf seine Gesprächspartner ein. Lauheit ist seine Sache nicht und auch nicht verzagtes Klein-Klein – er favorisiert den großen Wurf, wirft Leidenschaft, Erfahrung und Kompetenz in jede Schlacht, als wäre es die letzte, kokettiert dabei mit einem Schuss Verrücktheit. Er wäre übrigens der erste, der das gut findet: "Man muss auch spinnen können." Und städteplanerische Visionen haben.

Den Weg an die stadtplanerische Spitze in Europa hat Daseking natürlich nicht allein geschafft. Lange Jahre hat er mit dem damaligen Baubürgermeister Sven von Ungern-Sternberg zusammengearbeitet "und auch wahnsinnige Sachen gestrickt". Dann kam der wenig glückliche Baubürgermeister Matthias Schmelas, "und immer noch gab es den Zusammenhalt eines funktionierenden Planungsamts", so Dasekings Einschätzung. Dann aber wurde der Baubürgermeister abgeschafft und der einst so schlagkräftige Apparat auf verschiedene Dezernate zerteilt. Ein Umstand, den der Planungsamtsleiter für traurig und untragbar hält: "Es ist dringend notwendig, alles wieder zusammenzuführen." Wenn es nach der Wahl des Oberbürgermeisters wieder einen Baubürgermeister geben soll, wäre die Chance dazu – darauf hofft Daseking jetzt.

Mit seiner Frau, drei Söhnen und einem Hund, der ihm morgens die Brötchen trägt, wohnt Wulf Daseking in Waldsee/Littenweiler, direkt gegenüber vom Stadion. Als Achim Stocker noch lebte, sah man sich beim Bäcker. Als Daseking jetzt in London war, um den Preis der altehrwürdigen "Academy of Urbanism" entgegenzunehmen – übrigens in beeindruckend historischem Ambiente – war auch seine Frau dabei. Und manchmal kommt sie auch mit, wenn Wulf Daseking nach Minneapolis, Helsinki oder Istanbul reist, um einen Vortrag über nachhaltige Stadtplanung zu halten. Die Arbeit leidet übrigens nicht darunter: Für die Einladungen nimmt er zur Hälfte Überstunden, zur Hälfte Urlaub. Und trotz großer weiter Welt, aus Freiburg weg will er nicht: "Ich bin hier noch längst nicht durch."

Autor: Simone Lutz