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10. Dezember 2012

"Zeit für Kinder" erhält den Freiburger Integrationspreis

Es war eine berührende Feierstunde: Am Samstag fand im Historischen Kaufhaus zum sechsten Mal die Einbürgerungsfeier der Stadt Freiburg statt.

  1. Freuen sich über den ersten Freiburger Integrationspreis: Stifterin Sylvie Nantcha, Initiativengründerin Beate Campe, Sebastrijan Dalipovic, Gruppenleiterin Anna-Sophia Clemens und Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach (von links nach rechts) Foto: Michael Bamberger

Diesmal gab es eine Premiere. Zum ersten Mal wurde der Freiburger Integrationspreis "Für eine offene Stadt" verliehen.

Die aus Kamerun stammende Gemeinderätin Sylvie Nantcha (CDU) hatte die Verleihung des Preises angeregt. Sie hielt auch die Laudatio. Das Preisgeld in Höhe von 3000 Euro stammt zur einen Hälfte aus dem Preisgeld für den Helene-Weber-Preis für herausragende Kommunalpolitikerinnen, den Nantcha vergangenes Jahr erhalten hat, die andere Hälfte hat die Stadt draufgelegt.

Zunächst richtete Oberbürgermeister Dieter Salomon jedoch das Wort an die neu Eingebürgerten. 396 Freiburgerinnen und Freiburger haben im Jahr 2012 die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, 2011 waren es 300. Sie kommen aus 75 verschiedenen Ländern, die meisten aus dem Kosovo und aus der Türkei. Salomon sagte am Schluss seiner Ansprache, wie wichtig es sei, dass die Kinder, wenn sie in die Schule kommen, bereits Deutsch sprechen können. Das heiße aber nicht, dass die Menschen ihre eigene Sprache und Kultur aufgeben müssten.

Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach übernahm dann die Preisverleihung. Diesjährige Preisträgerin ist die Initiative "Zeit für Kinder". Ehrenamtliche Paten verbringen regelmäßig Zeit mit den Kindern aus dem Asylbewerberheim in der Hammerschmidtstraße in Littenweiler. Die ehemalige Lehrerin Beate Campe hatte die Initiative vor sechs Jahren ins Leben gerufen. Damals hat sie die ersten Kinder auf Spaziergänge mit ihrem Hund mitgenommen.

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Ein Appell, auch auf

deutsche Familien zuzugehen

Weil immer mehr Kinder kamen, suchte sie dann Menschen, die ebenfalls etwas mit den Kindern unternehmen wollten. "Wir haben die Initiative zuerst gelebt", sagte sie in ihrer Dankesrede, die Strukturen seien später gekommen. Heute gibt es 23 Paten. Sie treffen sich zweimal im Monat mit ihrem Kind. Dann machen sie Ausflüge, gehen ins Kino oder ins Schwimmbad. "Wir verstehen uns nicht als Bildungspaten", betonte Studentin Anna-Sophia Clemens, die inzwischen den größten Teil der Organisation übernommen hat. Bei "Zeit für Kinder" stehe das menschliche Miteinander im Mittelpunkt: "Die Familie von meinem Patensohn Sebastrijan hat mich wie eine Tochter aufgenommen." Eine Patenschaft sollte mindestens sechs Monate dauern.

Wie wichtig es für die Integration ist, dass man sich menschlich begegnet, betonte auch Aman Noor. Der studierte Mikrosystemtechniker aus Afghanistan hat im vergangenen Jahr die Staatsbürgerschaft erhalten und richtete ein Grußwort an die neu Eingebürgerten. Er selbst kam 1996 als Zwölfjähriger mit seinen Eltern als Asylbewerber nach Freiburg. In sehr bewegenden Worten schilderte er, wie die Familie eines deutschen Schulkameraden ihn auf seinem Weg unterstützte und richtete einen eindringlichen Appell an die neuen Staatsbürger, auch selbst auf deutsche Familien zuzugehen. An die Stadtverwaltung wandte er sich mit der Bitte, sich für die Verbesserung der Situation von Asylbewerbern einzusetzen.

Infos über die Initiative unter http://mehr.bz/kinder

Autor: Petra Völzing