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21. Januar 2014 21:47 Uhr

Rothaus-Arena

Zitate: Debatte um den Stadion-Standort Wolfswinkel

Redeschlacht in der Freiburger Rothaus-Arena: Bei der Diskussion um den potenziellen Stadion-Standort im Wolfswinkel kamen alle zu Wort – Gutachter, Bürger, Kommunalpolitiker. Wir fassen die prägnantesten Zitate zusammen.

  1. Dicht besetzt ist die Rothaus-Arena bei der Bürgerinformation – zumindest im vorderen Teil. Witer hinten blieben viele Stühle leer. Foto: Michael Bamberger

Natur und Umwelt

Dirk Niethammer, Nabu Freiburg: "Bei der Feldlerche ist es wie beim Magerrasen – es gibt keine Ausgleichsfläche. Zudem müssen hier Ausgleichsflächen ausgeglichen werden. Wenn Sie Pech haben, dann zieht die Feldlerche das Ganze in die Länge. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie in fünf Jahren noch nicht angefangen haben, zu bauen."

Gisela Maass, Schutzgemeinschaft Freiburger Mooswald: "Ich empfehle dem Gemeinderat, sich von einem Fachmann, der keinen städtischen Maulkorb verpasst bekommen hat, die Straßen mal durchrechnen zu lassen."

Gerd Jendritzky, Honorarprofessor Meteorologie und Klimatologie: "Das Simulationsergebnis ist quantitativ nicht belastbar. Der Gutachter hat eine regionale Klimasimulation nicht berücksichtigt, weil die genau was anderes zeigt."

Gerd Jendritzky: "Ich warne vor Simulationsgläubigkeit."

Torsten Nagel, Meteorologe: "Wir haben das Glück, ein unabhängiges Ingenieurbüro zu sein. Wir lassen uns keinen Maulkorb geben."

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Gerda Stuchlik, Bürgermeisterin: "Sie haben recht, wir brauchen einen langen Atem."

Ein Bürger zum Stand der Diskussion Stadionstandort Wolfswinkel: "Ich frage mich schon lange: Wo liegt eigentlich der Hase im Pfeffer begraben? Ich glaube, der Hase ist schon längst tot und liegt in der Pfanne. Ich glaube, die Stadt hat sich schon lange festgelegt."

Ein Mooswald-Anwohner: "Lerchen und Dohlen kann man vertreiben. Ich wohne dort, ich habe dort ein Haus. Ich muss das alles ertragen."

Flugplatz

Herbert Lehner, Experte für Flugsicherheit: "Es gibt ein Risiko von 1:339.000.000, dass bei einem Spiel ein Flugzeug auf das Stadion stürzen könnte, also dass Ihnen ein Flugzeug auf den Kopf fällt. Da ist die Wahrscheinlichkeit eines Sechsers im Lotto ist größer."

Karl-Heinz Krawczyk von der BI Pro Flugplatz: "Normalerweise macht man einen Flugplatz sicherer – nicht so die Stadt Freiburg. Die geplanten Maßnahmen verwandeln den Flugplatz in einen Flugzeugträger. Wer übernimmt die Verantwortung, wenn ein Unfall passiert?"

Otto Neideck, Erster Bürgermeister: "Derzeit prüfen wir, ob der Stadionkörper um 18 Meter nach Nordwesten verschoben werden kann, um einen Parallelbetrieb von Motorflug, Segelflug und Fallschirmspringer zu möglich ist, dann prüfen wir einen seriellen Betrieb. Und wenn das nicht geht, dann bleibt die Option Bremgarten. Das wäre dann tatsächlich das Aus am Standort Freiburg - aber das ist die letzte alles Varianten."

Marc Palm, Lehrer für Fallschirmspringer in Freiburg: "Unter diesen Bedingungen ist doch Fallschirmspringen in Freiburg nicht mehr möglich. Ich sag's jetzt mal so: Die Zielspringer würden sich über einen Zielkreis im Stadion freuen." Dazu Fritz Keller, SC-Präsident: "Ich lade Sie dazu recht herzlich ein, bei uns gibt es ja schon einen Zielkreis, so ist das im Stadion."

Ein Bürger meldet Zweifel daran an, dass sich der Flugplatz ohne Segelflieger noch wirtschaftlich rechnet – und damit überhaupt eine Zukunft hat. Dazu Otto Neideck: "Der Flugplatz ist kein Wirtschaftsbetrieb im eigentlichen Sinn. Dann hätten wir in dieser Stadt auch nicht elf Schwimmbäder – von denen trägt sich nämlich auch keins. Das ist für uns überhaupt kein Thema. Der Flugplatz hat eine Betriebsgarantie bis 2034."

Herbert Lehner, Experte für Flugsicherheit: "Verlassen Flugzeuge unfreiwillig die Landebahn, dann gibt es Möglichkeiten wie einen Fangzaun oder auch eine Auslauffläche. Man muss was machen, um die Stadionbesucher und die Flieger zu schützen. Das steht für mich ganz klar fest."

Robert Staible, Projektleiter Stadtentwicklung: "Es kommt nur eine sichere Nutzung in Frage. Wir hätten das Buch auch zuklappen können. Aber genau das ist es, was wir nicht wollen."

Karl-Heinz Krawczyk von der BI Pro Flugplatz: "Gibt es Probleme für die Organflieger?" Lehner: "Ich kann nicht für die Firmen sprechen. Das müssen die entscheiden. Aber die Jet-Flieger setzen weiter nördlich auf der Landebahn auf und sind nicht so von den Luftverwirbelungen betroffen."

Verkehr und Lärm

Dirk Serwill, Verkehrsplaner: "Der SC Freiburg spielt in der zweiten Liga unter der Woche um 17.30 Uhr im Derby gegen den VfB Stuttgart – das ist jetzt verkehrstechnisch keine so gute Zeit."

Dirk Serwill, Verkehrsplaner: "Wir wissen, dass Fußballfans gerne nah am Stadion parken wollen. Daher muss es in der Wohnsiedlung etwa zwei Stunden vor Anpfiff eine Zugangskontrolle geben, zum Beispiel mit Parkausweisen."

Guido Kohnen, Beratungsbüro Schallschutz: "Radfahrer sind als Lärmquelle weniger relevant. Die Reden nicht so viel und müssen müssen auch noch treten, um voranzukommen."

Kristian Raue, BI Pro Mooswinkel: "Ein Vorrundenspiel der Europa-League ist genauso wenig herausragend wie ein Spiel der Bundesliga. (..) Die Gerichte sind, was eine Ausnahmeregelung beim Lärmschutz angeht, sehr restriktiv. Keine Bundesligaspiele, keine Europa-League-Spiele: Ein SC Stadion im Wolfswinkel ist nicht genehmigungsfähig."

Guido Kohnen, Gutachter Lärm: "Die Europa League ist von herausragender Bedeutung. Wir haben das rechtlich abgeklärt. Und ich wünsche dem SC Freiburg alles Gute, aber sind wir mal ehrlich: Der SC ist nicht Bayern München, wo man jedes Jahr damit rechnen muss."

Kristian Raue: "Alle haben überzogen, also überziehe ich auch."

Martin Haag, Baubürgermeister: "Ich bin kein Jurist, ich kann das rechtlich nicht einschätzen. An diesem Punkt sind wir noch nicht. Wir nehmen das alles ernst und werden dem auch nachgehen. Am Schluss wird alles gerichtsfest sein."

Martin Haag, Baubürgermeister: "Die Gutachter gehen von einer echten Belastungssituation für die Anwohner aus. Wir reden davon, dass der SC im DFB Pokal bis ins Halbfinale kommt und lauter Heimspiele zugelost bekommt. Das Gleiche in der Europa-League. Wenn wir im nächsten Jahr an dem Punkt sind, dass das alles passiert, dann bin ich mir sicher, dass sich die ganze Stadt und auch die Menschen im Mooswinkel freuen werden."

Matthias Schenek, Kanzler der Uni Freiburg: "Der Radverkehr, der über das Uni-Gelände führen soll: Da sind wir nicht so glücklich, da führen wir Gespräche. Eine Mantelnutzung können wir uns vorstellen, etwa Studentenwohnungen, eine Mensa oder etwas Kongressartiges."

Matthias Günter, Initiative Stadion in Freiburg: "Wir gehen davon aus, dass Sie (die Anwohner, die Red.) keine großen Einschränkungen haben werden. Wir haben eine gepflegte Familienkultur in Freiburg. Es wird keine Hooliganströme geben, kein Fans, die in Ihre Vorgärten pinkeln."

Moderatorin Antje Grobe: "Ich bin mir nicht sicher, haben wir noch Zeit?" OB Dieter Salomon: "Ich habe heute nix mehr vor."

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Autor: Alexandra Sillgitt