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28. November 2013 15:28 Uhr

Lärm-Debatte

Zoff im Freiburger Gemeinderat: Sind Ruhestörer "asozial"?

CDU-Stadtrat Daniel Sander hat Nachtschwärmern in Freiburg "asoziales Verhalten" vorgeworfen – und damit für Empörung gesorgt. Bereut er das im Nachhinein? Was sagen Kritiker wie Timothy Simms?

Es war der große Triumph des Daniel Sander. Der Gemeinderat stimmte am späten Dienstagabend mit hauchdünner Mehrheit für den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) und brachte damit ein Projekt auf den Weg, für das der CDU-Politiker seit vielen Jahren leidenschaftlich eintritt. Doch in seiner Rede schoss Sander nach der Auffassung vieler Räte übers Ziel hinaus. Im Zusammenhang mit nächtlichen Störenfrieden verwendete er mehrfach den problematischen Begriff "asozial". Die Vokabel war ihm nicht rausgerutscht, er hielt sich während seines Beitrages streng an das Manuskript. Abgeordnete von Grünen und Linken reagierten aufgebracht. "Asozial" – das geht gar nicht.

Daniel Sander kann die Aufregung auch mit zwei Tagen Abstand nicht verstehen. "Wenn es Leute lustig finden, nachts um vier in der Innenstadt Klingelstreiche zu spielen oder in Briefkästen zu pinkeln, dann ist das asoziales Verhalten", sagt er der Badischen Zeitung am Donnerstag. Mit den teils heftigen Reaktionen im Gemeinderat hat er nicht gerechnet. "Ich wollte kein Öl ins Feuer gießen", beteuert Sander und räumt ein: "Im Nachhinein hätte ich auf den Begriff lieber verzichtet." Auf der anderen Seite wirft er seinen lautesten Kritikern künstliche Empörung vor: "Wenn behauptet wird, für mich seien alle Jugendlichen asozial, dann ist das Polemik."

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Unsensible Äußerung

Sanders Wortwahl sei unsensibel gewesen, meint Grünen-Stadtrat Timothy Simms: "Das war ein ganz klarer Fehlgriff." Der Terminus "asozial" verpasse einer sozialen Gruppe ein Stigma und grenze diese aus. An Sanders Stelle hätte er das Verhalten der Krawallmacher "rücksichtslos" genannt – und dem CDU-Mann wäre eine Diskussion um politische Korrektheit gewiss erspart geblieben.

An einer Gesinnungsdebatte will sich Simms nicht beteiligen. "Mann sollte die Kirche im Dorf lassen", sagt er. Zuspitzungen, Zerrbilder gehörten halt auch in Freiburg zum politischen Geschäft. Manchmal kommt es Simms allerdings so vor, als verwechselten Ratskollegen den Gemeinderat mit dem Bundestag.

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Autor: Florian Kech