Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
16. März 2009 17:58 Uhr
Grenzfund
Zoll liefert Dutzende Vogelspinnen in Freiburger Tierheim ab
44 geschützte Vogelspinnen sind Zollbeamten bei einer Routinekontrolle in der Nähe von Inzlingen ins Netz gegangen. Die knapp zehn Zentimeter großen Achtbeiner kamen erst einmal ins Freibruger Tierheim. Was jetzt aus ihnen wird, ist noch unklar.
Gegen den Spinnenbesitzer aus der Schweiz, der bereits vor zwei Jahren 945 Spinnen über die Grenze schmuggeln wollte, wird nun nicht nur wegen eines Verstoßes gegen das Naturschutzgesetz ermittelt, sondern auch wegen Steuerhinterziehung: Der Verkaufswert der Ware dürfte sich auf rund 100 Euro pro Stück belaufen.
"Jetzt habe ich ein Problem", schmunzelt Tierschützer und Tierheim-Chef Manfred Aust: Keine seiner Mitarbeiterinnen traue sich mehr, das Zimmer zu betreten, in dem die Spinnen aufbewahrt werden. Ganz auf die Schnelle mussten Aust und sein Team am Freitagnachmittag Plastikboxen besorgen, um die haarigen Krabbeltiere einzeln unterzubringen und sie anschließend mit Insekten zu füttern: "Die Spinnen waren in mehreren Kartons eng aneinander gelagert und einzeln noch mal in Plastik verpackt", schildert Aust die Situation. Bei den eingelieferten Tieren handle es sich um erwachsene Weibchen, wie sie auf Tierbörsen gerne zum Verkauf angeboten würden.
"Diese Art des Transportes, bei der die Tiere einzeln in Plastik verpackt sind, ist mit gänzlich unbekannt", sagt Spinnenexpertin Tessy Albonetti vom Zoologischen Institut der Universität auf BZ-Anfrage. Gleichwohl könne man daraus nicht schließen, dass die Spinnen schlecht behandelt worden seien: "Sie sind in einem guten Ernährungszustand und auch nicht ausgetrocknet", erläutert die Biologin, die selbst 30 erwachsene Vogelspinnen bei sich zu Hause hält. Es handle sich um drei mittelamerikanische Arten, die früher in ihrer Heimat vielfach gefangen und verkauft worden seien. "Sie fallen daher unter das Washingtoner Artenschutzabkommen", so Albonetti. Heutzutage hätte man es allerdings meist mit europäischen Nachzuchten zu tun, in jedem Fall müsse aber ein Herkunftsnachweis vorliegen.
Werbung
Lörrach: Schmuggler mit 164 Vogelspinnen erwischt
Info: VOGELSPINNEN
Weltweit gibt es rund 900 bekannte Vogelspinnen-Arten, die vorwiegend in den Tropen und Subtropen vorkommen und je nach Art eine Beinspannweite von bis zu 30 Zentimeter erreichen. Der Name geht vermutlich auf eine Illustration aus dem 18. Jahrhundert zurück, die eine vogelfressende Spinne zeigt. Meist ernähren sich die Tiere jedoch von größeren Insekten. Dabei bauen sie keine Fangnetze, sondern lauern ihrer Nahrung auf. Der Biss einer Vogelspinne ist zwar sehr schmerzhaft, für Menschen aber kaum giftig. Viel eher besteht die Gefahr einer Blutvergiftung durch Bakterien, die von den Beißwerkzeugen übertragen werden. Auch sind allergische Reaktionen möglich. Die Weibchen der in Terrarien gehaltenen Vogelspinnen können bis zu 30 Jahre alt werden.
Autor: Andreas Braun


