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01. November 2011 18:53 Uhr

Günterstal

Zu laut und nicht rechtens? Ärger ums Umweltbildungszentrum Waldhaus

Das Freiburger Umweltbildungszentrum Waldhaus steckt in der Bredouille: Weil Einnahmen durch Vermietung fehlen, muss die Stadt Geld nachschieben. Zudem wird die Baugenehmigung hinterfragt. Hinter all dem steckt ein Nachbarschaftskonflikt.

  1. Das Waldhaus an der Wonnhalde hat Probleme. Foto: Michael Bamberger

Das Umweltbildungszentrum Waldhaus liegt idyllisch an der Wonnhalde im Stadtteil Günterstal. Doch ganz so friedlich, wie die Umgebung vermuten lässt, geht es hier nicht zu. Seit einiger Zeit liegt die Einrichtung mit einem Anwohner im Clinch. Ihm sind die Abendveranstaltungen zu laut, eine Klage ist eingereicht. Dadurch verliert das Waldhaus Einnahmen. Außerdem ist in diesem Zusammenhang herausgekommen, dass die Baugenehmigung für das Gebäude möglicherweise gar nicht rechtens ist. Das Regierungspräsidium prüft den Fall.

Mieteinnahmen in Höhe von 20.000 Euro fehlen

Das Waldhaus gibt es seit Ende 2008, die Einrichtung wurde auf Initiative der Stadt Freiburg konzipiert, sie wird aber von einer Stiftung betrieben. Grundlage der Baugenehmigung war eine Entscheidung der Stadtverwaltung: Sie hat das Gebäude als "privilegiertes Vorhaben" eingestuft und damit erlaubt, dass das Waldhaus im so genannten Außenbereich (also außerhalb eines Siedlungsverbunds) errichtet werden darf. Dagegen hat ein Anwohner Widerspruch eingelegt. Seiner Meinung nach entspricht das Waldhaus nicht dem geltenden Recht. Möglicherweise hätte ein Bebauungsplan für das Areal aufgestellt werden müssen. Das wird derzeit vom Regierungspräsidium geprüft, die Aufsichtsbehörde hofft, den Fall bis Ende November abzuschließen.

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Hintergrund der Baugenehmigungs-Diskussion ist jedoch der Lärm, von dem sich der Anwohner, der oberhalb der Wonnhalde in der Stephanienstraße wohnt, belästigt fühlt. Denn das Waldhaus wird am Abend vermietet, etwa für Geburtstagsfeiern oder für Hochzeiten. Diese dauern häufig bis spät in die Nacht und enden nicht immer leise. Zunächst hatte das Waldhaus versucht, sich mit dem Anwohner gütlich zu einigen. Das sei jedoch nicht gelungen, berichtet Hans Burgbacher, Leiter des städtischen Forstamts und stellvertretender Vorsitzender der Stiftung, die das Waldhaus betreibt. Auch ein gerichtlicher Vergleich kam nicht zustande. Deshalb ist jetzt eine Verhandlung vor dem Landgericht angesetzt, ein Termin steht jedoch noch nicht fest.

CDU kritisiert städtischen Zuschuss

Seitdem es die Beschwerden gibt, hat das Waldhaus seine Räume am Abend nicht mehr vermietet. Doch das bringt die Bildungseinrichtung ganz schön in die Bredouille. Ihr sind bisher schon Einnahmen von gut 20.000 Euro entgangen, die im Budget von rund 160.000 Euro jährlich fehlen. Deshalb ist jetzt die Stadt Freiburg in die Bresche gesprungen und hat das Geld aus dem städtischen Haushalt zugeschossen. Das jedoch missfällt der CDU-Gemeinderatsfraktion. Denn sie hatte damals dem Bau des Waldhauses nur unter der Prämisse zugestimmt, dass sich dieses unabhängig von städtischen Zuschüssen rechnet. Deshalb müsse schnell ein Weg gefunden werden, wie die Einrichtung auch ohne private Abendveranstaltungen über die Runden kommt, sagt Daniel Sander, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Denn sowieso habe er "erhebliche Zweifel" daran, ob es "die Aufgabe eine Bildungseinrichtung ist, Hochzeiten zu veranstalten". Auch das Waldhaus selbst sucht derzeit schon fieberhaft nach neuen Einnahmequellen, "aber das ist ein mühsames Geschäft", sagt Hans Burgbacher.

Die Unruhen am Waldhaus stehen im Zusammenhang mit einem anderen Streit an der Wonnhalde: Im Frühsommer musste die Stadt Freiburg dort drei offene Feuerstellen abbauen, hier ging es ebenfalls um die Lärmbelästigung. Seither gelten auch für die dortigen Grillhütten strenge Auflagen: Sie dürfen nur noch an Kindergruppen vermietet werden, ab 20 Uhr ist Schluss. Geklagt hatte der gleiche Anwohner, der sich nun auch über das Waldhaus beschwert.

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Autor: Jelka Louisa Beule