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10. Februar 2010
OB-Wahl Freiburg 2010
OB-Wahl Freiburg: Zuhören und kümmern
OB-Kandidat Ulrich von Kirchbach sucht in "Zukunftsgesprächen" den Dialog mit den Wählern .
Müsste man Ulrich von Kirchbachs Wahlkampf in einem Satz zusammenfassen – er würde wohl klingen wie dieser: "Sie können meine Zusicherung mitnehmen, dass ich mich um die Sorgen und Ängste der Bürger kümmern werde." Von Kirchbach steht im Gasthaus "Goldener Sternen", rund 60 Besucher warten an den Holztischen mit Bier oder Apfelschorle, was der Kandidat zu sagen hat. Doch der sagt erst einmal gar nichts; nach seinen Begrüßungsworten lässt er die Bürger reden, fast eine Stunde lang.
Zuhören, um sich später kümmern zu können – das ist das Motto, unter dem der Freiburger Sozial- und Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach (SPD) Wahlkampf macht. In alle Viertel der Stadt will er damit gehen, direkt zu den Wählern. "Zukunftsgespräche" nennt er die Veranstaltungen; in der Wiehre und in Munzingen war er schon, auch in Zähringen, Kappel und Weingarten. So will der Sozialdemokrat sich absetzen von Amtsinhaber Dieter Salomon und die Stimmen sammeln, um am 25. April selbst zum Oberbürgermeister gewählt zu werden.Auf diesen Veranstaltungen hat von Kirchbach den Moderator Hans-Gerd Leonhardt dabei. Im "Goldenen Sternen" will der von den Besuchern wissen, welche Stärken die Stadt besitze. Einen Moment herrscht Stille; erst als ein älterer Herr "eine Brauerei!" in den Saal ruft, ist der Bann gebrochen. Leonhardt fragt nach Schwächen, nach Chancen und Risiken – vor allem für den Stadtteil Brühl-Beurbarung, in dem das Gasthaus steht. Meist sind es Stichworte, die die Menschen in den Raum werfen: Güterbahngelände, Verkehr, Sozialarbeit an Schulen. Leonhardt pinnt Themen-Zettel an eine Tafel, auch von Kirchbach schreibt mit. Es dauert nicht lange, bis im "Goldenen Sternen" die hohen Mieten zur Sprache kommen; in Brühl-Beurbarung gehören viele Wohnungen der Stadtbau, "der versuchte Verkauf sitzt einigen hier noch im Kreuz", sagt ein Mann.
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Eine Woche später, Rieselfeld. Ulrich von Kirchbach hat in die Maria-Magdalena-Kirche geladen, auch hier sind 60 Bürger gekommen. Jede Veranstaltung sei anders, sagt der Kandidat; tatsächlich herrscht im Gemeinderaum eine nüchternere Atmosphäre als im Gasthaus. Mobilfunk-Kritiker haben einen Info-Tisch aufgebaut; Themen der Fragerunde sind zum Beispiel die Weiterentwicklung des Rieselfelds oder der Ausbau der Rheintalbahn. Auch hier werden die hohen Miet- und Immobilienpreise genannt.
Nach einer Stunde ist dann wieder Ulrich von Kirchbach an der Reihe. Vor sich hat er kleine Zettel ausgebreitet. Beim Thema Mobilfunk wolle er "die Sorgen und Ängste der Menschen ernstnehmen", versichert er, dort könne man "deutlich mehr machen als bisher". Nur manchmal legt sich von Kirchbach fest – zum Beispiel, dass es mit ihm als OB kein öffentliches Geld für einen Stadionneubau geben werde; häufig verspricht er, mit den Bürgern gemeinsam nach Lösungen suchen zu wollen.
Nur ein paar Mal erwähnt er "Doktor Dieter Salomon", auf den dritten Kandidaten Günter Rausch geht er gar nicht ein. Der lustvolle Angriff ist von Kirchbachs Sache nicht. Und wenn er attackiert, greift er schon mal zu gewagten Bildern: den geplanten Stadtbau-Verkauf nennt er "die dümmste Entscheidung seit dem Turmbau von Babel – auf Freiburg runtergebrochen." Für sich selbst wirbt er eher zögerlich, so als sei ihm seine Rolle noch nicht ganz geheuer. Seine Kandidatur nennt er "ein richtiges Signal", weil "die Bürger eine Alternative" bräuchten. Doch mit seinem Zugehen auf die Basis scheint er eine Stimmung zu treffen: "Ich habe das Gefühl, er stellt wirklich den Menschen in den Mittelpunkt", sagt eine Frau im Rieselfelder Gemeindesaal.
Politik sei "Kärrnerarbeit von früh bis spät – zum Wohle der Bürger", sagt von Kirchbach zum Abschied im "Goldenen Sternen" und lächelt tapfer. 13 "Zukunftsgespräche" hat er schon hinter sich, 15 kommen noch. Auch Wahlkampf kann harte Arbeit sein.
Autor: Thomas Goebel
