Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

24. September 2011

Zum Geburtstag gibt’s ein College

Symbolischer Spatenstich in der Kartaus an Robert Boschs 150.

  1. Christof Bosch, Enkel von Robert Bosch, enthüllte den Namen – „ein Versprechen“. Foto: Ingo Schneider

  2. Das Architekturmodell für den Umbau des ehemaligen Klosters. Foto: Ingo Schneider

Gestern wäre Robert Bosch 150 Jahre alt geworden und zum Jubiläum gab’s von seiner Firma und seiner Stiftung ein wahrhaft großes Geschenk – auch für Freiburg: den Spatenstich zum Deutschen United World College. Der symbolische Akt war der Grundstein für das internationale Internat, für das die Robert-Bosch-Stiftung und die Firma Bosch 40 Millionen Euro ins ehemalige Kloster Kartaus investieren. Es soll den Namen "Robert Bosch College" tragen.

United World Colleges (UWC) gibt es bereits 13 auf der Welt, aber: "Hier entsteht etwas einmaliges", sagte Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Stiftung vor dem feierlichen Spatenstich. Die Oberstufenschule soll ab 2014 auch in Freiburg Schüler aus aller zu Verständigung, Toleranz und sozialer Verantwortung erziehen. Der Schwerpunkt des Colleges am Hang über der Dreisam wird auf den Gebieten Natur und Technik sowie Nachhaltigkeit liegen. "Diese Schule macht zukunftsfähig", sagte Hamm. Die Stiftung mit Sitz in Stuttgart setzt sich im Sinne Robert Boschs für Völkerverständigung und Bildung ein, eines ihrer großen Projekte ist der Deutsche Schulpreis. Und das neue College ist das größte Einzelprojekt in der Geschichte der Stiftung. Die und die Deutsche Stiftung UWC wollen eine Gesellschaft gründen, "um diese Schule in alle Ewigkeit gemeinsam...", versprach Hamm, die mit Jens Waltermann von der UWC-Stiftung vor dem Altar der Klosterkirche stand, der Rest ging in Lachen und Applaus unter. Im Publikum saßen auch Angehörige der Familie Bosch mit ihrem Sprecher Christof Bosch, Konzern-Chef Franz Fehrenbach, der ehemalige Uni-Rektor Wolfgang Jäger, Alt-OB Rolf Böhme, dessen Tochter Hanna einst das UWC in Singapur besucht hat, und Christian Hodeige, BZ-Herausgeber, UWC-Absolvent und derjenige, der den Standort Freiburg ins Spiel gebracht hatte.

Werbung


Wie er besuchte Jens Waltermann das College in Kanada. Er nannte Eckdaten: "Nur 200 Schüler in zwei Jahrgängen, aber aus 80 Nationen, 16 bis 19 Jahre alt – da entsteht etwas Magisches." Teil der Magie: Vier Jugendliche, möglichst von verschiedenen Kontinenten, teilen sich ein Zimmer und organisieren ihr Zusammenleben. Zum Konzept der renommierten Schulen gehört, dass die Jugendlichen sich fürs Gemeinwohl einsetzen und einen Sozialdienst übernehmen. Von 250 Bewerbern werden im Durchschnitt 25 an einem der Colleges aufgenommen – nach dem Motto: "Es kommt nicht darauf an, wo du herkommst, sondern wo du hinwillst." Ein Stipendiensystem soll garantieren, dass Geld keine Rolle spielt.

Einen Beitrag für das Freiburger Internat leistet auch Baden-Württemberg. "Das Land wird sich an den Betriebskosten beteiligen", sagte Staatsministerin Silke Krebs. Zugesagt sind bis zu 2,5 Millionen Euro im Jahr, das soll in etwa der Hälfte der Betriebskosten entsprechen. Die Landesregierung habe sich gerne dazu bereiterklärt – "wir hatten auch keine andere Chance", sagte die Freiburgerin. Überzeugungsarbeit wollte auch ihr Parteifreund, Oberbürgermeister Dieter Salomon, leisten. War nicht notwendig, versicherte Krebs: Man sei gleich vom Projekt überzeugt gewesen.

Nicht nur in Stuttgart. "In Freiburg geht normalerweise nix ohne Diskussion über die Bühne – das aber schon", sagte Salomon. Mit dem College werde ein langgehegter Traum wahr – für Freiburg und für die UWC-Bewegung.

Die 40-Millionen-Investition für Um- und Ausbau teilt sich die Robert Bosch Stiftung mit der GmbH. Die Firma hat ebenfalls Jubiläum, sie besteht seit 125 Jahren. "Es gibt viele Gründe, dieses Projekt zu unterstützen", sagte Konzern-Chef Franz Fehrenbach, auch unternehmerische. Bildung, Wissen, Toleranz und Verständigung seien keine abstrakten Begriffe, sondern wichtig im Arbeitsalltag – auch für das global agierende Unternehmen. "Seien sie Impulsgeber, solche Themen bei den jungen Menschen schon früh zu wecken und zu verankern."

Robert Bosch war ein Menschenfreund. Er unterstützte einzelne Menschen in Not und große Vorhaben, wirkte für Völkerverständigung und Bildung. "Dabei war er offen für neue Ideen", sagte Kurt Liedtke vom Kuratorium der Bosch-Stiftung. Er kam in Kontakt mit Reformpädagoge Kurt Hahn und traf sich mit ihm in England. "Das war Robert Boschs letzte Auslandreise." Seine Stiftung trat sein Erbe an. Hahn, der die Internate in Salem und den Birklehof in Hinterzarten mitgegründete hatte, eröffnete in Wales das erste UWC.

Vor der Eröffnung in Freiburg stehen aber erst Umbau und Neubau. Wann der echt Spatenstich ist, steht noch nicht fest. Die Büros "Hotz + Architekten" aus Freiburg und "Peter Kulka Architektur" aus Köln haben ein Konzept entwickeln, das Altes erhalten und Modernes schaffen will. Ihr Modell wurde gestern erstmals vorgestellt.

Präsentiert wurde auch der Name des Colleges. "Das ist keine Gedenktafel, sondern eine Vorausdenktafel und ein Versprechen an die Jugend", sagte Christof Bosch, Enkel von Robert Bosch. Das College sei ein Ort, wo die Schüler ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen können, so Bosch. Seine Mutter Irmgard hat einst in Freiburg Musik und Deutsch studiert – und wohnte damals nicht weit von der Kartaus weg in der Hansjakobstraße.

Autor: Simone Höhl