Verkehr in Freiburg

Zur ersten Sozialticket-Bilanz hatten Stadträte viele Fragen

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Sa, 24. Februar 2018 um 18:00 Uhr

Freiburg

Die erste Bilanz zum Sozialticket hat viele Fragen aufgeworfen. Was tut die Verkehrs-AG gegen die Schlangen am Schalter? Verkauft sie jetzt mehr Regiokarten? Gibt es weniger Schwarzfahrer?

Und: Was ist das Problem mit dem Papier und was ist mit der halben Million Euro, die übrig blieb? Das Interesse der Stadträtinnen und Stadträte war groß im Sozial- und im Migrationsausschuss, die am Donnerstagabend zusammen tagten.

Die Zahl der Sozialticketnutzer beschäftigte sie weniger, obwohl dieses Thema "unheimlich kompliziert" ist, wie Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach meinte. Sozialamtsleiter Boris Gourdial erläuterte, dass sich die Zahl nicht genau feststellen lässt. Denn Berechtigte bekommen sechs Coupons, mit denen sie Monatskarten oder Mehrfachtickets billiger kaufen können. Fest steht: Sie lösten gut 54 000 Coupons ein – ein Drittel davon, was die Verwaltung im Vorfeld dachte. Statt der 1,5 Millionen Euro, die für 2017 im Etat standen, wurde nur eine Million ausgegeben. Dennoch bewertet das Rathaus die Nachfrage als gut.

"Über zehn Jahre erkämpft und jetzt ein Erfolg", meinte Ulrike Schubert von den Unabhängigen Listen. Sie fragte, ob es weniger Schwarzfahrer gab, ob die Differenz zwischen geplanter und tatsächlicher Ausgabe das Sozialticket vergünstigen und die Berechtigten von Tariferhöhungen verschont werden könnten.

Nicht ausgegebenes Geld fließt zurück in den Haushalt. Dorothee Koch von der VAG zufolge gibt es keine belastbare Zahl zu Schwarzfahrern und bei verschiedenen Regiokarten ein Auf und Ab, aber sie schätzt: "Ein Teil der positiven Entwicklung liegt am Sozialticket." Schlangen seien zum Monatswechsel nicht vermeidbar und inzwischen alle Schalter besetzt. Das Problem mit den Coupons wird gelöst: "Je dünner die Zettel sind, um so leichter fliegen sie weg und umso schwerer sind sie zu zählen." Gourdial sagte zur Tariferhöhung, dass der Gemeinderat das beschließen könne, erinnerte aber daran, dass für Verkehr-Leistungen eigentlich der Bund verantwortlich sei. Der Gemeinderat soll am 24. April über die Bilanz beraten.
Sozialticket

Der Gemeinderat hat 2016 beschlossen, dass die Stadt bei der nicht übertragbaren Regiokarte, die regulär 54 Euro kostet, 20 Euro zuschießt und für eine 2x4-Fahrten-Karte (16,60 Euro) gut 8 Euro. Berechtigt für den Kauf von Sozialtickets sind Bezieher von Hartz IV, Arbeitslosengeld II und Wohngeld sowie Asylbewerber.