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12. Februar 2009 18:00 Uhr
Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik
Freiburger Astrophysikerin sucht außerirdisches Leben
Sie hat den ersten Planeten außerhalb des Sonnensystems entdeckt. Und sie ist, mitten in Freiburg, auf der Suche nach einer zweiten Erde. Die Rede ist von Svetlana Berdyugin, Astrophysikerin der Weltklasse.
FREIBURG. Sie hat es als Erste geschafft, einen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems sichtbar zu machen. Und sie ist auf der Suche nach einer zweiten Erde. Auf anderen Planeten Leben zu finden, das sei realistisch, sagt Svetlana Berdyugina. Seit September forscht die 44-jährige gebürtige Russin am Freiburger Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik und lehrt an der Freiburger Universität.
Auf anderen Planeten Leben zu finden, das sei realistisch, sagt Svetlana Berdyugina. Seit September forscht die 44-jährige gebürtige Russin am Freiburger Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik und lehrt an der Freiburger Universität.Dort ist sie der Sonne schon ein ganzes Stück näher gekommen. "Schließlich bin ich in die deutsche Stadt mit den meisten Sonnenstunden gezogen", sagt die Frau mit den langen braunen Haaren und lacht. Auch in ihrer Arbeit nähert sich Berdyugina der Sonne: Sonnenflecken sind eines ihrer Spezialgebiete. Exoplaneten – also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems – ein anderes. Und außerdem wird Berdyugina in Freiburg Astrobiologie lehren, jenes Arbeitsfeld zwischen Astronomie und Biologie, das sich mit der Möglichkeit außerirdischen Lebens beschäftigt.
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"Noch vor 20 Jahren war das Science- Fiction", sagt Berdyugina. Heute aber glaubt man ernsthaft, in naher Zukunft Leben, zumindest in mikroskopischer Größe, auf anderen Planeten zu entdecken. Wichtige Voraussetzungen: Auf dem Planeten muss es flüssiges Wasser geben und er muss in idealer Entfernung um seinem Stern kreisen. Außerdem braucht der Planet eine sauerstoffreiche Atmosphäre. Die gibt es nur, wenn er groß genug ist und damit seine Gravitationskraft die Atmosphäre halten kann. Voraussetzungen, die HD 189733b nicht erfüllt, jener Planet außerhalb unseres Sonnensystems, den Berdyugina und ihr Team erstmals wahrnehmbar gemacht haben. Denn er ist seiner Sonne einfach so nah, dass auf der ihn umgebenden Wolkenschicht 800 Grad Celsius herrschen.
Diese Nähe zum Zentralstern ist auch der Grund, warum es so schwierig ist, den Planeten zu sehen: Die Sonne überstrahlt ihn bei weitem. Aber Berdyugina und ihr Team haben eine Methode gefunden, den Planeten doch ans Licht zu bringen. Wie mit einer Polaroid-Brille haben sie das Licht gefiltert, das der Planet von seinem Stern reflektiert. Ein Planet von der Größe des Jupiters kam zum Vorschein, 60 Lichtjahre von der Erde entfernt. Die aufgefangenen Reflexionen sagen aber noch viel mehr über das Fundstück. Denn jeder Stoff, der auf dem Planeten vorkommt, wirft das Licht auf unterschiedliche Weise zurück.
So haben die Physiker unter anderem herausgefunden, dass es auf dem Planeten Wasser gibt – wegen der hohen Temperaturen allerdings als Wolken. Jetzt beobachten die Physiker ihren Planeten und hoffen, dass sich diese Wolkendecke öffnet. Ein Teleskop auf der Kanareninsel La Palma liefert die Daten. Für den störungsfreien Blick in den Himmel sei es in Freiburg dann doch nicht sonnig genug, sagt Berdyugina.
Die Russin fühlt sich in Südbaden unter den neuen Kollegen am Kiepenheuer-Institut inzwischen sehr wohl. In Freiburg ist sie nicht mehr nur Forscherin und Professorin, sondern auch stellvertretende Direktorin des Kiepenheuer-Instituts.
Natürlich stehen Forschung und Lehre weiter im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Svetlana Berdyugina lehrt als erste Physikprofessorin an der Freiburger Universität. "Die Physik ist noch immer eine Männerdomäne." Bei den Studenten halten sich Frauen und Männer noch die Waage, aber sobald die Zeit der Familienplanung komme, blieben meist nur die Männer der Forschung erhalten. Berdyugina selbst hat Kind und Karriere unter einen Hut bekommen: Ihre Tochter ist inzwischen 19 Jahre alt und studiert in den USA.
Währenddessen hat sich Berdyugina Freiburg mit einem Zickzackkurs durch Europa genähert: Ursprünglich kommt sie aus dem südrussischen Wolgograd, sie studierte in St. Petersburg, arbeitete anschließend in einem Observatorium auf der Halbinsel Krim, dann in Finnland und zuletzt an der ETH in Zürich.
Schon dort schaffte sie es, bei vielem die Erste zu sein: Mit einem Forschungsprojekt zu Sonnenflecken gewann sie den European Young Investigator Award – den ersten in Astrophysik und den ersten für die ETH Zürich. Den Sonnenflecken wird auch in Freiburg ihre Hauptarbeit gelten. "Sonnenflecken sind starke magnetische Felder", erklärt die Physikerin. Durch Magnetismus werden große Explosionen ausgelöst – und es gibt ein großes wirtschaftliches Interesse an diesen Explosionen herrscht, denn sie können Satelliten schwer beschädigen. "Wir wollen versuchen, vorauszusagen, wann diese Perioden am stärksten sind", sagt Berdyugina. Vielleicht wird sie auch da die Erste sein.
Autor: Silke Kohlmann
