Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

26. Februar 2016 17:18 Uhr

Streit mit der Universität

Freiburger Doping-Kommission droht mit Rücktritt

Die Kommission zur Aufklärung der Freiburger Doping-Vergangenheit droht geschlossen mit Rücktritt. Kommt im Streit mit der Universität bis Montag keine Einigung zustande, hört sie auf.

  1. Seit neun Jahren kämpfen Anti-Doping-Experten damit, die Geschichte der Freiburger Sportmedizin zu erhellen. Foto: dpa

Nach Informationen der Badischen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat die Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin in einem Schreiben an ihren Auftraggeber, die Albert-Ludwigs-Universität, ihren Rücktritt für den Montag, 29. Februar angekündigt. Die sechsköpfige Wissenschaftlergruppe protestiert gegen die angebliche Einschränkung ihrer Unabhängigkeit durch den Rektor der Universität, Hans-Jochen Schiewer.

Die Kommission will unabhängig bleiben

Schiewer soll sich geweigert haben, dem Gremium die im Jahr 2007 bei der Gründung gewährte Unabhängigkeit ausdrücklich zu bestätigen. Die Kommission war vor neun Jahren mit dem Ziel ins Leben gerufen worden, die Geschichte der skandalumwitterten Freiburger Sportmedizin unter ihren ehemaligen Professoren Joseph Keul und Armin Klümper zu untersuchen. Auslöser war am 30. April 2007 die Titelgeschichte des Nachrichtenmagazins "Spiegel" über systematisches Doping beim früheren Radsportteam Telekom/T-Mobile – gesteuert durch Ärzte der Freiburger Universitätsklinik.

Werbung


Sechs führende Anti-Doping-Experten

Die Kommission besteht aus sechs führenden Anti-Doping-Experten dreier Länder: Letizia Paoli (Belgien), Hans Hoppeler (Schweiz), Perikles Simon (Mainz), Gerhard Treutlein (Heidelberg), Hellmut Mahler (Düsseldorf) und Fritz Sörgel (Nürnberg). Das Gremium hatte unter Leitung der Kriminologin Paoli von der Universität Leuwen in Belgien wiederholt massive Behinderungen durch die Uni Freiburg beklagt. Diese hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Universität macht ein Schiewer-Schreiben öffentlich

Die Universität reagierte am Freitagabend auf die Nachricht von der Rücktrittsdrohung, indem sie einen Brief von Uni-Rektor Schiewer an die Kommission öffentlich machte. In dem Schreiben, so ein Uni-Sprecher, habe Schiewer erst an diesem Freitag "sein Gesprächsangebot an die Kommissionsvorsitzende und alle Kommissionsmitglieder erneuert".

Die Uni will weiter aufklären

Ziel der Uni sei nach wie vor "die fundierte, unabhängige und wissenschaftsgeleitete Aufklärung zur Freiburger Sportmedizin". Die Uni habe "die inhaltliche Unabhängigkeit der Kommission stets gewahrt" und werde sie stets sicherstellen. Daher suche sie den Dialog, um im Raum stehende Fragen der Kommissionäre "einvernehmlich zu klären".

Doch noch ein Gespräch am 17. März?

In dem Brief bot Schiewer der Wissenschaftlergruppe ein Gespräch am 17. März an. Darüber hinaus lud er sie ein, ihre Anliegen dem Senat der Universität auf dessen nächster Sitzung am 23. März vorzutragen, damit dieser darüber beraten könne.

"Die Universität beantwortet unsere Fragen nicht" Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel
Schiewer fügte hinzu, er appelliere an die Bereitschaft der sechs Kommissionäre "zu einer konstruktiven und sachorientierten Zusammenarbeit".

Sörgel kritisiert die Uni-Leitung scharf

Der Pharmakologe Fritz Sörgel meldete sich ebenfalls noch am Freitagabend zu Wort. "Ich bin erst ein Jahr mit dabei, aber auch mir geht schon die Geduld mit der Uni-Leitung verloren", erklärte der renommierte Anti-Doping-Experte aus Nürnberg dem "Sportinformationsdienst". "Ich kann vor allem die Verständnislosigkeit der Kollegin und Kollegen verstehen, die schon länger dabei sind", fügte er hinzu. Einen konkreten Auslöser des Ultimatums habe es nicht gegeben: "Die Universitätsleitung geht fortgesetzt nicht auf unsere Wünsche ein und beantwortet Fragen nicht."

Autor: Andreas Strepenick, aktualisiert um 18.39 Uhr