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12. August 2017

Freiburgs Springer sind hier gelandet

Das neue Vereinsheim des "Breisgauvereins für Fallschirmsport" auf dem Gelände des Flugplatzes soll Ort der Begegnung werden.

  1. Fallschirmspringer Foto: Heinz siebold

  2. Karlheinz Debacher (li) und Helmut Lang-Dahlke Fallschirmspringer Foto: Heinz Siebold

LAHR. Freiwillig sind sie nicht nach Lahr gekommen, aber jetzt haben sie auf dem Flugplatzgelände einen Platz bekommen, auf dem sie sich wohnlich einrichten: Lange vor dem ersten Spatenstich für das neue Stadion des SC Freiburg mussten die Freiburger Fallschirmspringer umziehen.

Die neue Arena am Rande des Freiburger Sportflugplatzes lässt zwar mit kleinen Einschränkungen dem Flugbetrieb weiterhin Raum, aber den Fallschirmspringern mit dem sperrigen Namen "Breisgauverein für Fallschirmsport" nicht. Der 1963 gegründete Club steht in der Tradition eines bereits 1907 (in Straßburg) ins Leben gerufenen Breisgauvereins für Luftfahrt. Er hat rund 200 Mitglieder, gut zwei Drittel davon sind Springerinnen und Springer.

Der alte Name soll auch in der Ortenau weiter gelten. "Schließlich gehört Lahr ja auch weinmäßig zum Breisgau", schmunzelt der Vereinspräsident. "Wir sind froh, hier in Lahr nun eine feste Bleibe gefunden zu haben", sagt Helmut Lang-Dahlke. Bereits Anfang 2016 hatte man ein Provisorium in der Fritz-Rinderspacher-Straße bezogen, das sich aber als ungeeignet erwiesen hatte. Die neue feste Bleibe liegt an der Europastraße hinter der Diskothek Universal D.O.G. Das Gelände grenzt direkt an die Zufahrt zur Start- und Landebahn. Die Springer können durch ein Tor mit wenigen Schritten direkt zum Flugzeug gehen, das sie auf rund 4000 Meter Sprunghöhe bringt.

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"Das Gelände war unter anderem ein Sportplatz der kanadischen Streitkräfte", weiß Markus Ibert, Geschäftsführer des Industrie- und Gewerbezentrums Lahr (IGZ). Man sieht noch den Verlauf der früheren Aschenbahn und einen Tribünenrest. Der Breisgauverein hat das 3,5 Hektar große Gelände von der IGZ gepachtet – "zu einem überschaubaren Pachtzins", erklärt Ibert. Für eine Industrieansiedlung liege der Standort zu nahe an der Südspitze der Startbahn. Die Fallschirmspringer wollen die Flächen als Landeplätze für Tandem- und Zielsprünge nutzen.

Im nördlichen Teil des Geländes steht ein Gebäuderest, der sogenannte E-Bunker, früher Lager und Verteilstation für Elektrizität. Daraus soll zum Teil in Eigenleistung das neue Vereinsheim mit Aufenthalts-, Schulungsräumen und einem Bistro werden. In vier Containern wird derzeit Material wie Sprunganzüge und Fallschirme gelagert. Die Container sind Bestandteil einer Umzugshilfe der Stadt Freiburg. Seinen selbst gebauten Hangar in Freiburg hat der Verein verkauft und die vereinseigene Cessna Caravan C 208 B mit 18 Plätzen nach Lahr umgesiedelt.

"Wir freuen uns, dass die Fallschirmspringer zu uns gekommen sind", sagt Michael Erath, Betriebsleiter der Lahrer Flugbetriebs GmbH & Co. KG, die von Ingenieur Martin Herrenknecht mit Unterstützung des Europa-Parks und der Firma Hansgrohe betrieben wird. "Das ist eine Aufwertung des Lahrer Flugplatzes", sagt Erath. Die Fallschirmspringer brächten mit einem attraktiven Freizeitangebot mehr Leben auf den Platz. Natürlich ist das auch mit einem Anstieg des Flugverkehrs verbunden. Könnte das zu Beschwerden wegen Fluglärms führen? "Wir haben bisher keine Klagen gehört", sagt Markus Ibert.

Die Fallschirmspringer lassen ihre Transportmaschine unterschiedliche Routen fliegen, doch das geht nicht beliebig, denn darüber entscheidet letztlich die Luftaufsicht des Straßburger Flughafens. "Alle achten darauf, dass sich die Beeinträchtigungen im Rahmen halten", sagt Michael Erath und ruft in Erinnerung, dass Lahr nun mal einen Flugplatz hat. "Das haben vielleicht manche mittlerweile vergessen." Aktuell gibt es pro Jahr rund 13 000 Flüge, darunter die Geschäftsflieger, aber auch die Chartermaschinen für die Mannschaft des SC Freiburg und seine Gastmannschaften. "Standardflugzeit ist von acht Uhr bis 22 Uhr", betont Erath. Einschränkungen am Wochenende gebe es nicht, spätere Starts und Landungen – auch der Fußballteams – würden in aller Regel genehmigt.

"Wir sind nicht hergekommen, um Lärm zu machen", sagt Fallschirmspringer Lang-Dahlke, der die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Lahr und den Partnern am Flugplatz lobt. Letzte Woche war Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller vor Ort, um sich das neue Quartier der Fallschirmspringer anzuschauen. "Wir wollen unseren Sport betreiben und andere dafür interessieren", betont Helmut Lang-Dahlke. Sobald das Vereinsheim fertig ist, werde das Springer-Areal ein offener Ort der Begegnung mit der Bevölkerung werden.

Autor: Heinz Siebold