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19. April 2017 00:00 Uhr

Ausgezeichnet

Freiburger Firma Leaserad: Erfolgsmodell Jobrad

Leaserad hat beim Wettbewerb Jobmotor zum vierten Mal in Folge gewonnen. Seit das Dienstfahrrad mit dem Dienstwagen steuerlich gleichgestellt wurde, geht es bei der Firma steil bergauf.

  1. Beratung der Kunden ist bei der Dienstleistung Foto: Thomas Kunz

  2. das Entscheidende. Foto: Thomas Kunz

Welche Firma hat in Südbaden die meisten Stellen geschaffen? Wer bindet seine Mitarbeiter am besten an den Betrieb? Beim Wettbewerb Jobmotor haben die Badische Zeitung und ihre Partner außergewöhnliche Unternehmen ausgezeichnet. In einer Serie stellt die BZ die Gewinner vor. Die Freiburger Firma Leaserad gewann den ersten Preis in der Kategorie Arbeitsplätze für Firmen mit 20 bis 200 Beschäftigten.

Vor weniger als einem Jahr ist die Firma Leaserad in großzügige Büroetagen umgezogen, jetzt wird es schon wieder eng. "Wir haben unsere alten Büroräume zum Glück nicht aufgegeben und jetzt wieder aktiviert", sagt Geschäftsführer Holger Tumat und lacht. Zum vierten Mal in Folge hat das junge Unternehmen den Jobmotor-Wettbewerb gewonnen. 2014 hatte sich die Firma von fünf auf 12 Mitarbeiter vergrößert. In der Bewerbung für 2017 hat Tumat im Januar ein Wachstum von 49 auf 83 Mitarbeiter angegeben, aber aktuell hat der Dienstleister für Dienstfahrrad-Leasing bereits die Hunderter-Marke geknackt. Am 1. April haben wieder sechs neue Mitarbeiter angefangen, damit sind jetzt 103 Beschäftigte an Bord.

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Zusammenarbeit mit lokalen Händlern in ganz Deutschland

Leaserad gibt es bereits seit zehn Jahren. Gegründet hat die Firma Ulrich Prediger am heimischen Schreibtisch. Richtig erfolgreich wurden sie aber erst 2012, als das Dienstfahrrad mit dem Dienstwagen steuerlich gleichgestellt wurde. Jobrad nennen die Gründer ihr Geschäftsmodell. Unternehmen schließen mit Leaserad einen Rahmenvertrag, der die Mitarbeiter des Unternehmens dazu berechtigt ein Dienstfahrrad zu leasen, die Leasingrate wird vom Gehalt abgezogen – der Mitarbeiter spart Steuern, das Unternehmen Sozialbeiträge. Die Zahl der Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern über Leaserad ein Jobrad anbieten, ist von 200 im Jahr 2014 auf inzwischen 3500 angestiegen, darunter große Unternehmen wie die Lufthansa oder SAP. "Es gibt inzwischen mehr als eine Million Jobrad-Berechtigte in Deutschland", sagt Tumat, wie viele tatsächlich ein Jobrad nutzen, möchte er nicht sagen.

Inzwischen gibt es bei Leaserad eine klar definierte Führungsstruktur. "Wir haben drei Führungsebenen eingeführt, das ist für junge Firmen wie unsere schon etwas Besonderes, aber das Wachstum sollte gut organisiert sein", sagt Tumat. Er bekennt sich zu einer hierarchischen Struktur. Wichtig ist ihm aber die Durchlässigkeit der Ebenen: "Bei uns kann jeder mit jedem reden." Das ist um so wichtiger, als Tumat sehr stark auf die Kreativität seiner Leute setzt. Zahlreiche Abteilungen kümmern sich um die unterschiedlichen Belange der recht komplexen Dienstleistung, von der Vertragsgestaltung bis zum Telefonsupport. Ganz neu eingerichtet wird aktuell eine Vertriebsabteilung, die sich nur um die Fahrradfachhändler kümmert, bei denen die Mitarbeiter der Leaserad-Kunden ihr Jobrad beziehen. Auf dieser Ebene arbeitet Leaserad mit lokalen Händlern in ganz Deutschland zusammen. Diese müssen betreut und vor allem auch geschult werden: "Für Jobradinteressierte und die Nutzer ist der Händler der Ansprechpartner, das heißt, dieser sollte zum Beispiel auch Fragen zur Steuerersparnis beantworten können", erklärt Rita Leusch, bei Leaserad zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Hoher Anteil an E-Bikes

Auch der Fahrradhändler-Verband VSF (Verbund Service und Fahrrad) in Aurich unterstützt die Idee des Dienstfahrrades und informiert seine Mitglieder regelmäßig über neue Entwicklungen auf dem Fahrradleasing-Markt. Neben Leaserad tummeln sich dort inzwischen noch an die zehn weitere Anbieter mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Für die Händler haben sich damit neue Absatzmöglichkeiten eröffnet: "Uns liegt das Qualitätsfahrrad am Herzen", sagt Verbandssprecherin Claudia Pirsch, das Steuersparmodell, die Ratenzahlung und natürlich auch die regelmäßige Nutzung bringe die Jobradler dazu, eher zu einem hochpreisigen, komfortablen High-End-Rad zu greifen. Auch der Anteil von E-Bikes ist in diesem Segment sehr hoch. Er liegt bei Leaserad bei 50 Prozent, in Deutschland insgesamt sind es nur 15 Prozent.

Eine so rasch wachsende Firma braucht Chefs, die Ruhe ausstrahlen. Die suchen die beiden Geschäftsführer Tumat und Prediger auch in ihrem Glauben. Beide sind in Freikirchen aktiv. In Tumats Büro hängt eine Abbildung vom Isenheimer Altar. Am Firmensitz gibt es für die Beschäftigten die Möglichkeit, täglich an einem offenen Gebetskreis teilzunehmen. Zwischen fünf und 20 Mitarbeiter sind dabei.

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Autor: Petra Völzing