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10. März 2010 19:10 Uhr
Naturphänomen
Freiburger Forscher machen Babyfotos von Sonnenflecken
Freiburger Astrophysiker haben zum ersten Mal die Entwicklung von Sonnenflecken beobachten können. Ein Glücksfall, denn Sonnenflecken entstehen innerhalb von nur wenigen Stunden.
Forscher des Kiepenheuer-Institutes für Sonnenphysik um den Wissenschaftler Rolf Schlichenmaier haben im Juli mit einem Teleskop, das auf dem kanarischen Teneriffa steht, die Entstehung der dunklen Flecken auf der Sonnenoberfläche aufgezeichnet – so etwas gab es vorher noch nie. Die Ergebnisse haben die Forscher nun in einer Fachzeitschrift publiziert.
Sonnenflecken sind Stellen auf der Sonne, an denen ein sehr starkes Magnetfeld ist und die von einem strahlenförmigen Ring, der Penumbra, umgeben sind. Deshalb kommt an diese Stellen keine Energie durch und sie sind um 1500 Grad kälter als die restliche Sonnenoberfläche.
"Es ist eigentlich ein totaler Glücksfall, dass wir diese Entwicklung beobachten konnten", sagt Dirk Soltau, der in Freiburg das Teleskop entwickelt hat und im Institut Experte für adaptive Optik ist. Sonnenflecken entstünden nämlich innerhalb von nur wenigen Stunden. "Man muss also sozusagen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Und dazu hatten wir noch ein sehr gutes Teleskop, mit dem wir tolle Bilder in hoher Auflösung machen konnten."
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Immer fünf bis sechs Wissenschaftler und Techniker leben zwischen April und Weihnachten in Schichten von zehn Tagen in dem Observatorium, das in Teneriffa auf dem Teide, dem höchsten Berg Spaniens, steht. Dort sammeln sie Daten und arbeiten mit ihren spanischen Kollegen zusammen, die das Observatorium mitbetreiben.
Spanisch sprechen müssen die Freiburger aber nicht, denn die Arbeitssprache ist Englisch. Auf Teneriffa sind die Bedingungen für die Forschung ideal: viele Sonnenstunden, kaum Temperaturschichtungen in der Luft. Die gesammelten Aufzeichnungen werden dann in Freiburg ausgewertet.
Mit ihnen wird es nun möglich sein, die gängigen Theorien über die Entstehung von Sonnenflecken zu überprüfen. Der Universalgelehrte Galileo Galilei war vor 400 Jahren der erste, der die Flecken beobachtete. Er stellte auch fest, dass sie auftauchen und wieder verschwinden. Heute weiß man, dass Sonnenflecken in Zyklen von ungefähr elf Jahren auftreten. Manchmal gibt es oft monatelang keine Sonnenflecken, manchmal hunderte.
Sonnenflecken haben zudem Auswirkungen auf unser Klima. Denn auch wenn es logisch wäre, dass die Sonne nicht so hell scheint, wenn es viele dunkle Flecken auf ihrer Oberfläche gibt, so ist doch das Gegenteil der Fall: Je mehr Sonnenflecken auftreten, umso heller scheint die Sonne.
Ende des 17. Jahrhunderts gab es zum Beispiel eine Periode relativ kühlen Klimas. Dies lag daran, dass es in dieser Zeit kaum Sonnenflecken gab und die Sonne deshalb weniger stark schien. Man nennt diese Periode auch "Kleine Eiszeit". "Bis in die 1980er Jahre kann man einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Sonnenflecken und der globalen Erwärmung sehen", erklärt Soltau. Für die starke Klimaveränderung danach, ist der Forscher sicher, sei aber der Mensch selbst verantwortlich.
- Freiburg: So scharf war die Sonne noch nie
Autor: Jochen Geck
