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02. Juli 2012 19:49 Uhr

Komödie

Freiburger Kunstfälscher: Beltracchi soll ins Kino kommen

Luxus, Gier und Korruption: Der Skandal um Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi gilt als einer der größten in Europa. Jetzt soll sein Fall verfilmt werden – als Komödie. Doch der Fälscherfürst ist alles andere als begeistert

  1. Der Skandal um Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi gilt als einer der größten in Europa. Foto: dpa

Was haben wir gelacht. Damals. Als Professor Fritz Knobel alias Uwe Ochsenknecht an den Tagebüchern des "Führers" Tag und Nacht arbeitete, geistig-körperlich ebenso inspiriert von seiner arisch blonden Beischlaf-Muse Veronica Ferres wie von einer schweren Erkältung. "Schtonk", Helmut Dietls Kinoerfolg von 1992, rückte den ein knappes Jahrzehnt älteren tatsächlichen Skandal der gefälschten Hitler-Tagebücher im Magazin Stern zu dem zurecht, was er wirklich war: eine unglaubliche Posse.

Heute muss alles schnell, schneller am schnellsten gehen – Geld stinkt nicht, der Euro jedoch schon. Der Fall Wolfgang Beltracchi soll nun nicht nur im Dokumentarfilm aufgearbeitet werden, sondern im Kino Kasse machen. Immerhin hatte der Kunstfälscher nicht nur ein Medium geprellt, sondern über Jahre hinweg den ganzen europäischen Kunstmarkt. Das schreit nach einem neuen "Schtonk", meinen die Produzenten Ulrich Lenze (Cinecentrum) und Ulrich Limmer (Collina Film). Letzterer war 1992 auch Dietls Ko-Drehbuchautor, beste Aussichten für eine erfolgreiche Beltracchi-Komödie. Über die man noch wenig weiß.

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Titelvorschläge werden entgegengenommen. "Klecks"? Zu banal. Wie wär’s mit "Joop"? Schon besser, der Modeschöpfer gleichen Namens hat sich erst geoutet mit seinen abgekupferten, für gutes Geld verkauften alten flämischen Meistern, die einmal mehr eines zeigten: Dass sich Kunstfälschung lohnt. Auch für Filmemacher.

Vielleicht stünde Wolfgang Joop ja gar für die Hauptrolle bereit, die Besetzung scheint dem Vernehmen nach noch offen zu sein. Allerdings müssten er und Herr Limmer sich erst mal mit den Beltracchis einigen. Die finden die Idee nämlich gar nicht gut und betonen, dass die Komödie gegen ihre Zustimmung entstehen würde. Warum wollen sie wohl den Filmproduzenten den Spaß verderben? Fürchten sie gar gefälschte Details, vulgo künstlerische Freiheit? Obwohl: Dass auch andere am Fälschen verdienen, ist manchmal gar nicht so leicht nachvollziehbar.
INFO: Beltracchi

Im Herbst 2011 war Beltracchi vom Landgericht Köln zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hatte zusammen mit seiner Frau und einem Komplizen gestanden, jahrelang Fälschungen als Werke von Künstlern wie Max Ernst, Max Pechstein und Heinrich Campendonk in den Markt geschleust zu haben. Dafür kassierte er mindestens 16 Millionen Euro und führte ein Luxusleben.

INFO: Filmprojekt II

Auch ein Dokumentarfilm über den Fall Beltracchi ist geplant. Das Projekt von Arne Birkenstock, dem Sohn des Verteidigers von Wolfgang Beltracchi, wird von der Film- und Medienstiftung NRW und vom Bund gefördert.

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Autor: Alexander Dick


2 Kommentare

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Ilse Schmidt

Registriert seit: 31.07.2010

Kommentare: 305

03. Juli 2012 - 09:58 Uhr

Beltraccis sollten das mit innerer Größe sehen: Sie haben Bilder gemacht. Mutmaßlich gegen den Willen der Künstler, wenn sie sich hätten wehren können. Okay. Nun will sich das Publikum davon eben ein Bild machen. Zur Not auch gegen den Willen der Beltraccis. Also, was soll die Aufregung?

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Hans Müller

Registriert seit: 06.01.2012

Kommentare: 40

03. Juli 2012 - 10:36 Uhr

"Fälscherfürst"?! Moral wie ein Straßenköter ist wohl zuviel des Guten, aber ein Verbrecher ist er allemal.
Meine Oma konnte auch die Großen perfekt kopieren, ist aber deswegen nicht zum A.......h mutiert.
Was soll an dieser Person so interessant sein?

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