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27. September 2016

Deutscher Lehrerpreis

Die innovativsten aller Lehrer

Das ist spitze: Patrick Bronner und das Team vom Friedrich- Gymnasium gewinnen den Deutschen Lehrerpreis.

  1. Smart und frisch ist der Unterricht am humanistischen Gymnasium, für das Medien- und das Mint-Konzept gab’s Preise für Schulleiter Stefan Gönnheimer, Patrick Bronner, Jutta Winnes-Goller und Kollegen. Foto: Thomas Kunz

Beim Deutschen Lehrerpreis haben Patrick Bronner und seine Kollegen vom Friedrich-Gymnasium am Montag den ersten Platz gemacht: Die Jury fand ihr Projekt "Smartphones im Unterricht" am innovativsten. Vor wenigen Tagen wurde die Schule für "Mint-Freundlichkeit" ausgezeichnet. Auch sonst tut sich bei Herderns Humanisten einiges.

"Ich bin total geflasht", sagte Patrick Bronner am Telefon, noch bei der Preisverleihung. "Es ist ein Schulerfolg und eine schöne Bestätigung." Der Projektleiter war mit Schulleiter Stefan Gönnheimer nach Berlin gereist, sie wussten vorher nicht, auf welchem Platz sie mit ihrem Smartphone-Projekt und Medienkonzept landen. Ihre Pionierarbeit werde landesweite Überlegungen beeinflussen, meinte die Kultusministerin des Landes, Susanne Eisenmann. Der Preis von Vodafone-Stiftung und Deutschem Philologenverband ist mit 5000 Euro dotiert. Die fließen in den Ausbau des innovativen Unterrichts und ins erste Tablet, sagte Bronner, der am Dienstag wieder zur ersten Stunde in seiner Klasse steht.

In anderen Schulen ist es verboten, das über hundert Jahre alte humanistische Friedrich-Gymnasium wird gerade dafür ausgezeichnet: Smartphones im Unterricht, weg vom Verteufeln, hin zum Lernwerkzeug, das gefiel der Jury. Dahinter stecken moderne Schule, ein Medienkonzept und anfangs die Idee: Die Schüler sollen nicht heimlich auf dem Handy rumdrücken, sondern herausfinden, was damit in Physik möglich ist.

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Der Leistungskurs von Patrick Bronner hat die Flugbahn von Schokoküssen berechnet, die Beschleunigung beim Motorradfahren gemessen und andere abgefahrene Dinge mit Apps untersucht. 60 Experimente veröffentlichten die Schüler im Internet. Das Schülerprojekt für forschendes Lernen bauten Bronner und Kollegen zum FG-Medienkonzept aus. Smartphones wurden auch in anderen Fächern genutzt, Schüler drehten in Deutsch Videos, testeten in Gemeinschaftskunde den Wahlomaten, nutzten GPS zum Messen.

Die Schule musste vieles bedenken, Geräte kaufen, Apps bezahlen, W-Lan installieren. Und sie musste die Schulordnung mit neuen Regeln erweitern. Das W-Lan wird weiter ausgebaut: Jedes Klassenzimmer soll dieses Schuljahr Zugang und Beamer erhalten, die Stadtverwaltung hat am Freitag mit dem Umbau angefangen und wird sich die Kosten mit der Schule teilen. Die Lehrer schalten das Netz für den jeweiligen Zweck frei. Die Lehrer sollen mehr Tablets nutzen, am besten ihre eigenen, die Schüler irgendwann auch. Das FG hat beim Kultusministerium Geld für ein Modellprojekt beantragt. "Wir müssen unsere Kinder fit für die Zukunft machen", sagte Jutta Winnes-Goller.

W-Lan in jedem Klassenzimmer

Die FG-Vizerektorin gehört mit zum ausgezeichneten Team, ebenso Vertreter der Pädagogischen Hochschule und des EU-Projekts Mascil, das lebensnahen Unterricht fördert. Winnes-Goller hat am Freitag die Auszeichnung als Mint-freundliche Schule für die Schwerpunktsetzung in Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik abgeholt. Die Humanisten haben ein naturwissenschaftliches Profil. Dabei lernen alle Schüler Latein. Ab kommendem Schuljahr können sie das auch erst ab Klasse 6 und Englisch ab Klasse 5. Bisher geht’s nur andersrum, was aber kaum jemand will.

Neu an der Schule ist seit Mai eine Vorbereitungsklasse mit vielen Flüchtlingskindern – 10 bis 17 Jahre alt, "vom Analphabeten bis zur Amerikanerin", sagt Winnes-Goller. Begleitet wird die Klasse von der neuen Schulsozialarbeiterin, die für alle Schüler, Lehrer und Eltern da ist.

Die Experimente mit Smartphones unter http://mehr.bz/smarteschule.

Autor: Simone Höhl