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19. Januar 2010 21:07 Uhr

Besonderer Einsatz

Techniker sucht mit Bio-Radar nach Verschütteten

Der Ingenieur Marc Loschonsky vom Institut für Mikrosystemtechnik an der Universität Freiburg hat mit einem speziellen Radargerät in den Ruinen nach Überlebenden gesucht.

  1. Das neue Radargerät im Einsatz Foto: imtek

Am Montag wurde in Port-au-Prince die Suche nach Überlebenden eingestellt, bereits am Dienstag kam der 30-Jährige wieder in Freiburg an. "Die Wahrscheinlichkeit jetzt noch jemanden lebend zu bergen, geht gegen Null", bedauert Loschonsky.

Er war als Mitglied des 22-köpfigen Rettungsteams von @fire Internationaler Katastrophenschutz und dem Medizinischen Katastrophenhilfswerk Deutschland in Haiti. Vergangenen Donnerstag flog Loschonsky in die Dominikanische Republik und fuhr über den Grenzort Jimani am Samstag nach Port-au-Prince. Mitten ins Chaos. Wut und Dankbarkeit, Verzweiflung und Hoffnung schlugen dem Helfer aus Freiburg entgegen.

"Leichengeruch hing über den Straßen, Menschen gruben mit bloßen Händen nach Angehörigen", berichtet Loschonsky. Die Koordinierungsstelle der Vereinten Nationen teilte dem ersten deutschen Rettungsteam vor Ort Straßenzüge zu, die es nach Überlebenden absuchen sollte.

Aus Sicherheitsgründen begleiteten zwei bewaffnete Militärpolizisten den Trupp. Doch Loschonsky stellt klar: "Hunger und Durst treiben die Menschen in der Stadt an, von Gewalt und Plünderungen habe ich nur sehr vereinzelt gehört."

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Systematisch durchkämmte das Team mit sechs Spürhunden Straße um Straße. Bei Trümmern, unter denen Überlebende vermutet wurden, kam das Bio-Radar zum Einsatz, das unter anderem an der Universität Freiburg entwickelt wurde. "Dabei sendet eine Antenne elektromagnetische Wellen aus, die bis zu fünf Metern Tiefe in den Boden dringen", erklärt der Ingenieur. Kleinste Bewegungen wie Herzschlag oder Atmung könnten so ausgemacht werden.

Am ersten Tag konzentrierte sich die Suche der Helfer vor allem auf eine Textilfabrik. Zum Zeitpunkt des Erdbebens befanden sich offenbar 150 Näherinnen darin. Sieben kamen nicht rechtzeitig raus. "Zwei Frauen zog der Fabrikbesitzer aus den Trümmern, fünf blieben vermisst", berichtet Loschonsky. Für deren Familie sei der Gedanke, dass Angehörige unter den Trümmern eingeklemmt sein könnten, grauenvoll.

Das Bio-Radar brachte Gewissheit. Es ortete keine Lebenszeichen. "Und den Hinterbliebenen blieb nur noch, mit der Trauerarbeit zu beginnen." An Tag zwei durchleuchtete Loschonsky die Ruine einer Schule. Erfolglos. Dass dort Kinder ums Leben gekommen sind, den Gedanken lässt er nicht an sich heran. "Das würde mich zerfleischen." Doch die Bilder von Leichenbergen und Leichenteilen kann der 30-Jährige nicht ohne Weiteres abschütteln. "Meine Frau hilft bei der Bewältigung, auch gibt es Hilfe beim Medizinischen Hilfswerk." Erholung wolle er sich nur einen Tag lang gönnen. Am Donnerstag kehre er an den Schreibtisch zurück. "Das lenkt ab."
  • Spenden auch Sie: Caritas international, Konto Nummer 202, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, Bankleitzahl 660 205 00, Kennwort "Südbaden hilft"

Autor: Alexandra Sillgitt