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02. Februar 2012

Das Spiel mit dem Doppeldeutigen

Die Ausstellung "Kühe und Wolken" im Rheinfelder Haus Salmegg zeigt Bilder des Malers Peter Bosshart aus Efringen-Kirchen.

"Kühe und Wolken": Der Ausstellungstitel wirft erstmal Fragen auf. Denn in Peter Bossharts Bildern sind weder Kühe noch Wolken zu entdecken. Nur einmal sieht man wolkenartige Formationen, die auch – wie es Tonio Paßlick in seiner Laudatio deutete – Luftschiffe, Lippen oder erotische Symbole sein könnten. Der Titel bezieht sich vielmehr auf ein Zitat des berühmten Malers Anselm Kiefer. Dieser hatte in einem Gespräch über seine Absicht gesprochen, den Kühlturm eines stillgelegten Atomkraftwerks zu kaufen, und gesagt: "Ich will auf alle Fälle keine Kühe und keine Wolken drauf malen".

Was hat das mit Peter Bossharts Ausstellung im Rheinfelder Haus Salmegg zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel, auf den zweiten schon. Denn Kühe und Wolken sind ein Synonym für idyllisierende und romantisierende Klischeemalerei. Wie hat es Anselm Kiefer in dem Gespräch ausgedrückt: Kunst ist nicht Unterhaltung, seine Bilder "schmücken" nicht. So sieht es sinngemäß wohl auch Peter Bosshart. Seine Bilder sind, wiewohl gegenständlich und figürlich im Stil, eine Absage an das Gefällige, an das Eindeutige. Auch wenn der Maler aus Efringen-Kirchen, der in einer liebevoll restaurierten alten Ölmühle lebt und arbeitet, vertraute Dinge und Motive aus dem Alltäglichen malt, sind es doch nie nur realistische Abbildungen der Wirklichkeit.

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Nicole Kurz vom Salmegg-Verein forderte die Betrachter auf, sich auf diese Bilder, die wie schnell dahin gemalt und scheinbar harmlos anmuten, einzulassen und hinter das Vordergründige zu blicken. Die Bilder lösten eine Mischung aus Anziehung und Unbehagen aus, man komme ins Grübeln, aber auch ins Schmunzeln. Denn Bosshart spielt mit dem Doppeldeutigen, der Uneindeutigkeit, dem Irritierenden. Hinter vielen Arbeiten steckt ein hintersinniger Humor, etwas Rätselhaftes, ja auch, wie es Paßlick sah, eine fast "kindliche" Entdeckungsfreude, mit der Bosshart Bilder von Wirklichkeit und Klischees verarbeitet .

Gefällig ist der Malstil von Peter Bosshart sicher nicht, manches mag provokant wirken und Irritationen auslösen. Der Künstler, der in Frankfurt unter anderem bei Martin Kippenberger studiert hat, malt kraftvoll, gegenständlich, einfach, oft reduziert auf Ausschnitte, und Nahsicht, auf nah heran geholte Details und Körperteile, beschränkt sich meist auf wenige Farben in einem Bild. Manche Szenen und Figuren sind bewusst unförmig und robust gemalt in der Vereinfachung, etwa die Frau, die in gebückter Haltung in einem Feld etwas anpflanzt. Manchmal haben Bossharts Bilder etwas Absurdes und Skurril-Surreales, wie die überkreuzten Beine mit Strümpfen, quasi körperlos im Bildraum, das behaarte Bein mit roter Brille oder der technisierte Kopf mit einem Auto als Mund. Aus dem gewohnten Kontext genommen, erhalten simple Motive wie eine Krawatte oder ein Eis mit besonderen Kugeln etwas Mehrdeutiges, Unvermutetes.

Gern spielt Bosshart mit realen Dingen, die er witzig-hintergründig verkehrt. So sieht der Fingernagel an der Hand, die eine Malerpalette hält, wie ein Farbklecks aus. Einmal macht er zwei Bilderrahmen zum Motiv; in "Vorschrift" malt er einen geometrischen Schilderwald aus rot-weißen Verkehrswarnschildern. Hinter dem Titel "Schwiegermutter" verbergen sich bedrohliche Spinnen-Finger mit spitzen Krallen. Und die schwarze Katze auf den Scheunenbalken erzählt ebenfalls eine Geschichte für sich. Der Maler treibt ein Versteckspiel, wenn er in seinen Bildern mit Verborgenem, Verdecktem, Verhülltem spielt. Ein gespensterhaftes Gesicht guckt aus einem körperlosen Mantel, der selbst zu einer Figur wird.

Zwei in Zusammenarbeit mit seinem Bruder, dem Fernsehjournalisten und Filmemacher Daniel Bosshart, entstandene Filme laufen in der Ausstellung: Nasentropfen-Fläschchen bewegen sich wie auf einem imaginären Förderband auf Entdeckungsreise in einem Künstlerhaus und ein Goldkettchen wird zu einem Fluss. Auch in diesen Videos verblüfft Bossharts Sicht der Dinge.

– Bis 11. März, Samstag und Sonntag 12-17 Uhr

Autor: Roswitha Frey