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01. August 2012
Ein Gang durch die Kunstgeschichte
Die Ausstellung "Bild vom Bild" im Lörracher Museum am Burghof interpretiert Altes neu.
Wie sich die Zeiten ändern. Die Renaissance-Schönheit von Hans Holbein streckt einladend und fordernd die rechte Hand aus, vor ihr liegt ein Häufchen Münzen. Fast 490 Jahre später malt Marga Golz ihre Version dieses altmeisterlichen Bildnisses: eine junge Frau, verlockend im tief ausgeschnittenen prächtigen Renaissancegewand, aber mit Kondomen statt Geldmünzen. "Nur mit" heißt diese anspielungsreiche Neuinterpretation des Holbein-Gemäldes.
Alte Meister neu gesehen und neu interpretiert aus Sicht heutiger Künstler: So könnte man die Ausstellung "Bild vom Bild" im Lörracher Museum am Burghof auf einen griffigen Nenner bringen. 33 Künstlerinnen und Künstler des Vereins Bildende Kunst Lörrach haben sich von Meisterwerken der Kunstgeschichte oder von Fotografien aus den Medien inspirieren lassen. Entstanden sind überraschende und ideenreiche Umsetzungen der ausgewählten Vorbilder. Durch diese von den Kuratorinnen Gabriele Menzer, Sigrid Schaub und Nana von Wolff überzeugend gestaltete Schau zu gehen, ist ein anregender Gang durch die Kunstgeschichte aus aktuellem Blickwinkel – da sieht man manche Ikonen der klassischen Malerei völlig neu und anders gedeutet.
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Ein berühmtes Bild der Schule von Fontainebleau hat Marga Golz aufgegriffen: Gabrielle und ihre Schwester. Golz überzieht die Frauenakte mit dem Raster einer Temperaturtabelle als Sinnbild weiblicher Fruchtbarkeit und Erotik. Dasselbe Ausgangsmotiv der Frauen im Bad hat Günter Ruf in einem Fotodruck zu mechanischen Holzfiguren surreal verfremdet. Gleich in vierfacher Variation erscheint das Amerbach-Porträt von Holbein auf den technisch aufwändig bearbeiteten Kalksteinplatten von Cornelia Dietrich, die über die farbigen Konterfeis den Grundriss des Basler Kunstmuseums legt – ein Brückenschlag über Jahrhunderte.
Goyas "La Gallina Ciega", ein Reigen spielender Damen und Herren der feinen Gesellschaft war Anregung für Eloisa Florido Navarro. In einem Gespinst luftig zarter, skizzenhafter Striche auf weichen Erdpigmenten löst sie diese Figuren zu einem Bild schwereloser Heiterkeit und tänzerischer Bewegung auf. Mit hintersinnigem Humor hat Max Sauk in seinem Reliefbild nach Tintoretto sein Selbstporträt eingebracht: ein älterer Herr, der aus der schützenden Hecke einen Blick auf eine junge Badende wirft. Julia Moll-Rakus dreht in ihrer bemerkenswerten Neuschöpfung von Manets "Olympia" die Rollen um: Bei ihr wird eine schwarze Olympia von einer weißen Dienerin bedient, unterlegt mit Martin Luther Kings legendärem Ausspruch: "I have a dream". Ein starkes Bild, das diesen Traum von der Gleichberechtigung aller Menschen visualisiert.
Schier unmöglich, auf alle 59 gezeigten Arbeiten näher einzugehen. Aber einige seien doch stellvertretend für die enorme Vielfalt herausgegriffen: etwa Hanna Benndorfs wunderbar frei abstrahiertes Mutter-Kind-Motiv nach einer Madonna von Raffael oder Jürgens Unselds weitreichende Interpretation von Spitzwegs "Der arme Poet" als Sinnbild für den von Einsamkeit, Existenzangst und Zweifel geplagten Künstler. Als Hommage an die legendäre Pelztasse der Surrealistin Meret Oppenheim hat Bettina Bohn einen weiblichen Torso aus Fell geschaffen. Gleich zwei Künstler haben sich mit Paul Klee auseinandergesetzt: Christoph Geisels 3D-Variante von Klees "Zwitschermaschine" ist eine filigrane Skulptur in der Art einer mechanischen Maschine mit vogelzarten Figürchen und spielt auf das digitale Twittern an – Verweis auf unsere von Nachrichten überflutete Welt. Heike Mages" mit Gold überzogener Schaumschläger nimmt sehr frei Bezug auf eine Figur von Klee.
– Bis 2. September, geöffnet Mittwoch bis Samstag 14-17, Sonntag 11-17 Uhr
Autor: Roswitha Frey



