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14. Januar 2012

"Wahnsinniges Werk hinterlassen"

Der Nachlass des 1965 verstorbenen Wehrer Malers Willi Böhler wird aufgearbeitet / Ausstellung im Stadtmuseum geplant.

WEHR. Mit einem Aufsehen erregenden Projekt will die Stadt Wehr auch in diesem Jahr ihrem Image als "Kulturstadt" gerecht werden: Ab März soll im Stadtmuseum eine Gedächtnisausstellung zu sehen sein, die sich der Aufarbeitung des umfangreichen Nachlasses des Wehrer Malers Willi Böhler (1913 bis 1965) verschrieben hat.

Das gaben Bürgermeister Michael Thater, Margot Richter vom Förderkreis Stadtmuseum sowie Michael Munding, Professor an der Kunstakademie in Nürnberg, in einem Pressegespräch bekannt. Sie zeigten sich entschlossen, der Publikationsreihe über Wehrer Künstler wie Adolf Glattacker, Georg Richter, Adolf Lamprecht, Gustel Fricker oder Erich Felber ein bedeutendes Mosaiksteinchen hinzuzufügen. Auch Böhlers Werdegang müsse im Zusammenhang mit der in Wehr ansässigen Textilindustrie begriffen werden, betonte Richter. Mit seiner Tätigkeit in einem Designeratelier der Wehra AG von 1939 an befand sich Böhler in so prominenter Gesellschaft wie Georg Richter und Erich Felber.

Dass das Ausmaß seines künstlerischen Nachlasses bisher unterschätzt wurde, erklärte Munding, Patenkind des 1965 verstorbenen Malers und Kusin dessen Tochter Edith Böhler, wie folgt: Der eher geringe Bekanntheitsgrad der Werke sei auch auf die Trauerarbeit der Witwe Erika Böhler zurückzuführen. Sie habe die Pflege des Nachlasses in sehr privatem Rahmen betrieben, so dass der im "Böhlerhus" im Bergweg aufbewahrte Bestand fast in Vergessenheit geraten wäre.

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Inzwischen ist Edith Böhler in eine Altersresidenz gezogen. Jetzt zeigt sich: Willi Böhler "hat ein wahnsinniges Werk hinterlassen. Wir waren selbst überrascht", begeisterte sich Margot Richter. Für die Ausstellung kann auf rund 100 Bilder zurückgegriffen werden, die eine Vorliebe Böhlers für Pastell- und Ölmalerei verraten. In qualitativer Hinsicht kündigen die Organisatoren höchstes künstlerisches Niveau an. "Ein Freiluftmaler reinsten Wassers", sagte Kunstexperte Munding über seinen Patenonkel und dessen "kompaktes, abgeschlossenes, homogenes Werk", das eine "naturbelassene Haltung und heimatliche Verbundenheit" verrate. Konzeptionelle Strömungen seien Böhler fremd gewesen, so Munding. Den Naturlandschaften hafte vielmehr eines gewisse Naivität an, die nicht auf der Suche nach "abstrakten Welten" sei, sondern eine geradezu naive Anschauung von Ordnung widerspiegle.

Das Kuratorenteam will sich nicht auf den im "Böhlerhus" gefundenen Bestand beschränken, sondern den Nachlass des Malers möglichst umfassend dokumentieren. Daher bittet es um Hinweise auf in Privatbesitz befindliche Werke. "Ganz Wehr soll sich beteiligen", hoffte Richters. Sie ist sich sicher, dass es weitere Werke gibt. Die geplante Ausstellungsdokumentation soll erst im Laufe des Jahres entstehen, wenn die Hinweise ausgewertet sind und ein genaueres Bild vom Gesamtnachlass erlauben.

Hinweise nimmt Margot Richter entgegen, Telefon 07762/809451.

Autor: Hrvoje Miloslavic