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30. Juni 2012

Kulturgeschichte to go

Die Kleinodientreppe ist das architektonische Glanzstück des zweiten Bauabschnitts.

  1. Die Kleinodientreppe im Modell Foto: Entwurf: Christoph Mäckler Architekten

  2. und eine Sonnenuhr von Nicolaus Rugendas III. Foto: Hans-Peter Vieser

  3. Kandidaten für die Kleinodientreppe: Chinesen mit Räucherfass von Johann Friedrich Lück Foto: Hans-Peter Vieser

Sie soll Höhepunkt und Herzstück des zweiten Bauabschnitts werden: In ihrer elliptisch ausgreifenden Form selbst ein architektonisches Kleinod, wird sich die so genannte Kleinodientreppe über sechs Etagen ziehen und damit zur vertikalen Hauptachse des Neubaus. Dabei ist sie keineswegs nur ein funktionales Element: In die Wände entlang des Stufengangs eingelassene Vitrinen sollen die Blicke der Besucher auf die vielen Preziosen aus den Schatzkammern des Augustinermuseums ziehen.

Nach den ursprünglichen Plänen von Architekt Christoph Mäckler sollte die Treppe unmittelbar an den Chorraum der Augustinerkirche anschließen und so den bestehenden Bau mit dem Neubau verbinden. Doch diese Idee fiel 2011 einer Revision der Baupläne zum Opfer. Nun wird die Treppe im hinteren Teil des Neubaus realisiert, an der Schnittstelle zum Klostergebäude, das im dritten Bauabschnitt renoviert werden soll.

Für Baumeister Mäckler ist die Verlegung der Treppe aber kein Problem, im Gegenteil: "Dadurch wird der Chorraum der Augustinerkirche freigelegt und nach außen sichtbar." Sechs Meter in der Länge und fünf Meter in der Breite windet sich die Treppe um ein offenes Oval, das den Blick freigibt vom zweiten Untergeschoss bis unter die Decke des zweiten Obergeschosses. Darüber liegen Funktionsräume, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

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Knapp 18 Höhenmeter können die Besucher auf den Stufen überwinden, die Christoph Mäckler in Analogie zur Skulpturenhalle in der Klosterkirche in beigefarbenem Beton halten will. Mit Naturstein versetzt und einer bestimmten Technik verarbeitet, erhält das Material seine raue Oberfläche und authentische Erscheinung, erläutert Mäckler. Eine wichtige Funktion der Kleinodientreppe im Gebäudekomplex des Museums ist der Niveau-Ausgleich: "Das Kloster und der Neubau haben ganz unterschiedliche Höhenverhältnisse", erklärt Museumsdirektor Tilmann von Stockhausen, "die Treppe schafft da einen sehr eleganten Ausgleich durch höhenversetzte Zugänge."

Wenn die Treppe mit dem zweiten Bauabschnitt im Jahr 2015 steht, wird sie zunächst nur den Zugang zur Graphischen Sammlung im ersten Obergeschoss herstellen. Ihre volle Geltung wird sie erst entfalten, wenn auch der dritte Bauabschnitt fertig ist.

Dann wird im historischen Gewölbekeller die Schatzkammer des Museums erstrahlen und viele jener Kleinodien zeigen, die der Treppe ihren Namen geben und bisher größtenteils im Depot liegen. Im zweiten Obergeschoss wird dann auch das frisch renovierte Klostergebäude angeschlossen sein, in dem vor allem historische Ausstellungen gezeigt werden sollen.

Die Vielfalt der angeschlossenen Räumlichkeiten bestimmt denn auch die künstlerische Funktion der Treppe. Sie soll als Wegweiser zu den verschiedenen Ausstellungen dienen: "Die Besucher sollen anhand der ausgestellten Stücke entlang der Treppe immer genau wissen, wohin sie gerade gehen", so Tilmann von Stockhausen. Wenn im alten Kloster also eine Ausstellung über die Bedeutung des Marktes für die Freiburger Stadtentwicklung läuft, könnten die Vitrinen im oberen Teil der Treppe mit Artefakten aus der Lebenswelt der Händler aufwarten. Druckstöcke oder einzelne Darstellungen könnten die Besucher in Richtung der Graphischen Sammlung lotsen. Und je weiter sie die Treppe hinabsteigen, desto mehr Uhren, Medaillen oder Porzellanteile bekommen die Gäste zu sehen: "Auf diese Weise kann die Treppe auch als Appetizer für die verschiedenen Sonderausstellungen fungieren", so von Stockhausen.

An sehenswerten Objekten mangelt es jedenfalls nicht, die Vitrinen könnten in kurzen Abständen immer neu bestückt werden: "Die Freiburger sollen schließlich immer wieder neue Anreize bekommen, ihr Haus zu erkunden."

Autor: Martin Küper


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