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01. August 2008

Schwarzwälder Holzkohle für Feinschmecker

Dreimal im Jahr zündet der Hobbyköhler Siegfried Riesterer im Münstertal einen Meiler an und betätigt sich gerne als Geschichtenerzähler

  1. Siegfried Riesterer, Köhler und Alleinunterhalter

  2. Es raucht im Münstertal, wenn der Meiler kokelt. Foto: FOTOS: ROLF MÜLLER

Sommer- und Ferienzeit ist Grillzeit. Doch von der Holzkohle aus dem Bau- oder Supermarkt hält Siegfried Riester nichts. "Die wird im Hochofen bei 1000 Grad gemacht, die hat nur wenig Brennwert." Riesterer muss es wissen, ist er doch seit 35 Jahren Hobbyköhler. Mindestens dreimal im Jahr schichtet er im Münstertal zwischen Großer und Kleiner Gabel einen Kohlenmeiler auf und lässt ihn zehn Tage lang kokeln. Mit Buchenholz und bei 600 bis 700 Grad. "Die Holzkohle hat dann die fünfache Heizkraft des Buchenholzes", erklärt der Köhler stolz.

Der Holzfäller Riesterer ist seit mehr als 40 Jahren im Dienst der Gemeinde und kann sich bei seinem Hobby auf eine noch viel längere Tradition berufen. Die Köhlerei hatte im Schwarzwald im Zuge des Silber- und Eisenbergbaus und vor der Steinkohle Konjunktur. An mehr als 100 Plätzen rauchten im Münstertal die Meiler. Das hatte Folgen für den Wald, an dem erheblicher Raubbau betrieben wurde. Aufgrund des im Vergleich zur Steinkohle weitaus geringeren Brennwerts von Holzkohle wurden enorme Mengen Holz benötigt, der Südschwarzwald fast seiner Wälder beraubt. Erst mit dem Aufkommen der Steinkohle, dem Bau der Rheinbahn und vor allem dem Ende des Bergbaus 1864 erloschen die Kohlenmeiler.

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Nur der 61-jährige Siegfried Riesterer pflegt noch mit seiner Frau Krimhilde die alte Kunst der Köhlerei – zur Freude all jener Feinschmecker, die ihr Grillgut dieser besonderen Glut anvertrauen. Man schmeckt den Unterschied, versichert ein Experte und guter Kunde. Das Handwerk hat Riesterer bei seinem Onkel gelernt und seither macht er "Kohle zu Kohle". Seine Vorfahren, so erzählt er, kamen aus Österreich und brachten die Kunst der Köhlerei ins Münstertal.

Und es ist ein Kunst und vor allem viel Arbeit, einen solchen Meiler sachgemäß aufzuschichten und am verkohlen zu halten. Fünf Tage dauert der komplizierte Aufbau mit einem Dutzend verschiedener Werkzeuge. Ein Meiler besteht aus mehrere Holzstößen mit unterschiedlicher Neigung. In der Mitte wird ein Feuerungsschacht angelegt. Der Meiler selbst wird erst mit grünem Laub, Reisig, Moos und Stroh zugedeckt und anschließend mit einer Schicht Erde und Asche versehen. Die muss dicht sein und wird deshalb mit Wasser besprüht. Angezündet wird der Meiler durch den Feuerungsschacht. Doch damit ist die Arbeit noch lange nicht getan, denn von nun an muss Riesterer alle drei Stunden mit einer Stange neue Luftkanäle in den Meiler stoßen, damit das Holz gleichmäßig und vollständig verkohlt.

Auch nachts muss er ran, und da kommt es dann im einsamen Wald schon hin und wieder zu merkwürdigen Begegnungen, nicht nur mit Füchsen und einem Luchs   Und weil Riesterer nicht nur ein geschickter Handwerker, sondern auch ein begnadeter Alleinunterhalter ist und manche Besuchergruppe in die Geheimnisse der Köhlerei einweiht, pflegt er mit den nächtlichen Begegnungen seine Zuhörer mal launig, mal schaurig zu unterhalten.

Zehn Tage lang raucht der Meiler unter seinem schützenden Dach, eine Besonderheit von Riesterers Kohlenmeiler, der es schon bis auf die Wanderkarten geschafft hat. Gebrannt hat das Dach auch schon mal. Da zu einem Kohlenmeiler laut Riesterer auch ein Brunnen gehört und Köhler alle drei Stunden nach dem Rechten sehen und zur Eisenstange greifen muss, hielt sich der Schaden aber in Grenzen. Zwischen Brunnen und Meiler steht eine Infotafel, die der Naturpark Südschwarzwald spendiert hat. Hier erfahren Wanderer und Besucher alles über Geschichte und Technik der Köhlerei.

Der Kohlenmeiler muss nun noch abkühlen, ehe abgebaut werden kann. "Was übrig ist, ist reiner Kohlenstoff", erklärt Riesterer . Eine Woche dauert es, bis die Kohle eingetütet ist und verkauft werden kann. Der eine oder andere Sack mit Holzkohle geht übrigens an die Nachbarn im Tal, die nicht alle über den Rauch begeister sind. Der Meiler, der im Juli kräftig gedampft hat, war der dritte in diesem Jahr und soll der letzte gewesen sein. Der nächste steht erst an Ostern wieder auf dem Programm, so Riesterers Planung. Wenn nötig und die Kohle aus dem Südschwarzwald vorzeitig auszugehen droht, "macht der aber noch einen vierten", berichtet ein treuer Kunde.

Autor: Rolf Müller