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08. Januar 2010
Das riecht nach Maroni und Nostalgie
LEUTE IN DER STADT: In der kalten Jahreszeit röstet Axel Schwendemann fünf Monate lang auf dem Münsterplatz Esskastanien.
Das beste Verkaufsargument ist, wenn es dampft und duftet. Wenn der Wind günstig steht, wirft Axel Schwendemann Maronischalen ins Feuer, und deren Rauch zieht rüber bis auf die KaJo. "Dann strömen die Leute", sagt Schwendemann und grinst. Dann riecht es nämlich unwiderstehlich beim Maronimann auf dem Münstermarkt – nach Esskastanien und Nostalgie.
"Ich hätte gerne eine Tüte", signalisiert ein Herr im Wintermantel und hat das Entgelt dafür schon in der Hand. "Alle Generationen mögen Maroni", weiß Axel Schwendemann aus Erfahrung. "Die Älteren erinnert es an die Nachkriegszeit, wenn es kalt wurde, die Kinder kennen Maroni aus dem Buch ’Die kleine Hexe’ – manche rufen schon von weitem ’Maroni, Maroni’."Von September bis Februar steht Schwendemann, der Maronimann, in einiger Entfernung vor dem Hauptportal des Münsters und verkauft seine gerösteten Ess- oder Edelkastanien, wie sie auch heißen. "Das macht schon Spaß", sagt er zwischen Rühren, Tütenfüllen und Geldkassieren.
Eigentlich ist der 40-Jährige, der in Niederrimsingen wohnt, Heilpraktiker. Im normalen Leben arbeitet er als Ayurveda-Yoga-Therapeut und Jin Shin Jyutsu-Praktiker in einer Praxis. Zur kalten Jahreszeit jedoch verwandelt er sich in den Maronimann, von Ende September bis Ende Februar, von Montag bis Samstag, von 9 bis 19 Uhr. Na gut, im Januar, wenn der größte Kundenansturm vorbei ist, geht er schon mal nachmittags um fünf heim – immerhin ist es ganz schön kalt den ganzen Tag, trotz soliden Schuhwerks ("meine Maronibräterstiefel"), dicker Jacke und warmer Mütze.
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"Vor Jahren hab’ ich mal ausgeholfen, das hat mir gefallen" – so unspektakulär kam er ins Geschäft. Aus der Aushilfe wurde irgendwann der Chef, und Schwendemann kaufte sich in Basel den stilechten Handwagen, auf dem "Heisse Maroni" steht und mit dem er perfekt ausgerüstet ist. Gut hundert Jahre ist die Waage darauf alt.
Etwa 15 riesige Pfannen mit Maroni bereitet Schwendemann jeden Tag zu. Zuerst werden die Esskastanien über der Glut geröstet, dann werden sie ins Warmhaltebehältnis daneben geschaufelt. Seine Maroni kommen aus Italien, "mal aus dem Piemont, mal aus dem Appenin oder mal aus Kalabrien", aber Maroni – auf französisch marrons und auf italienisch marroni – kennt man auf der ganzen Welt, als Püree, als Mehl, als Nachtisch oder als Suppe, in der Schweiz sogar als Bier. Nichts für Axel Schwendemann: Beim Maroniverkaufen ist ihm ein heißer Tee lieber.
Autor: Simone Lutz
