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18. Januar 2012

Vogtsburg-Bickensohl

Gasthaus "Engel" wird Wohnhaus

Die traditionsreiche Bickensohler Winzerstube wurde verkauft / Wirtsehepaar Köster will sich neuen Betrieb in der Region suchen.

  1. Die Winzerstube „Engel“ in Bickensohl ist geschlossen. Foto: benjamin bohn

VOGTSBURG-BICKENSOHL. Neben Wein und Natur ist der Kaiserstuhl auch für gutes Essen bekannt. Das gastronomische Angebot in der Region ist jedoch um eine Einkehrmöglichkeit ärmer geworden. Die "Winzerstube Engel" in Bickensohl schloss vor Kurzem für immer ihre Pforten. Das Ehepaar Köster, das das Gasthaus betrieb, will aber auch künftig in der Gastronomie tätig sein.

Bereits seit über einer Woche ist die Küche kalt im Bickensohler "Engel". In den vergangenen Tagen wurde das Restaurant ausgeräumt. Mit dem "Engel" schließt ein traditionsreiches Gasthaus am Kaiserstuhl seine Pforten, dessen Geschichte bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückreicht.

"So, wie er heute dasteht, gibt es den ’Engel’ seit 1936", berichtet Hans Köster. Seit April 1987 betrieb er gemeinsam mit seiner Frau Sonja das Gasthaus. Zunächst hatten sie das Restaurant rund 10 Jahre lang gepachtet, bis sie es 1996 kauften. Außerdem unterstützten die Schwestern von Sonja Köster und ihre Kinder tatkräftig den Familienbetrieb. In der Gastronomie arbeitet das Ehepaar Köster sogar schon seit 1978.

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Hans Köster, der aus Oberbergen stammt, kann auf eine langjährige Erfahrung als Koch zurückblicken.

Als Gründe für die Betriebsaufgabe nennen die Kösters die schwierige wirtschaftliche Lage und die hohen Nebenkosten. "Während der Wintermonate ist es immer schlecht gelaufen", sagt Hans Köster. Gerade weil Bickensohl etwas abseits liege, habe die Winzerstube wenig von Laufkundschaft profitiert.

Daher wollten die Wirtsleute das Gasthaus verkaufen. "Wir hatten mehrere Interessenten", berichten sie. Einige wollte die Winzerstube sogar weiter betreiben. Leider hätten sich jedoch keine Banken gefunden, die den potenziellen Käufern einen Kredit für eine gastronomische Nutzung gegeben hätte, erläutert das Ehepaar. Daher sei das Haus an eine Großfamilie verkauft worden, die es künftig privat nutzen wird.

Die Kösters geben den "Engel" nicht ohne Wehmut auf. "Wir haben jede Menge Herzblut hineingesteckt", betont Hans Köster. Nach der Übernahme hätten sie das Restaurant von Grund auf renoviert und restauriert. Sie renovierten die Fassade und das Gebäudeinnere und bauten unter anderem auch eine Terrasse in mediterranem Stil an. "Unser Garten war auch sehr beliebt bei den Gästen", ergänzt Sonja Köster. Und der Blumenschmuck im Gastraum sei oft bewundert worden.

Zu wenig Laufkundschaft und hohe Nebenkosten

Die "Winzerstube Engel" bot 65 Sitzplätze in rustikalem Ambiente. Viele Familienfeiern und Gruppen seien in den vergangenen Jahren bewirtet worden, erinnern sich die beiden. Dabei habe Hans Köster nicht nur als Koch, sondern manchmal auch seine gesanglichen Qualitäten unter Beweis gestellt. "Unsere Küche war gutbürgerlich bis gehoben", erzählt Sonja Köster. So reichte die Palette vom deftigen Winzervesper bis zum kulinarischen Menü.

Dankbar ist das Ehepaar den Gästen, insbesondere den auswärtigen Stammgästen, die beispielsweise aus Breisach, Waldkirch oder Freiburg kamen und dem Gasthaus bis zuletzt die Treue hielten. Wer gerne im "Engel" zum Essen war, muss nicht traurig sein. In absehbarer Zeit gibt es wieder die Möglichkeit, die Küche von Hans und Sonja Köster zu genießen. Die beiden werden weiter in der Gastronomie in der Gegend tätig sein. "Wir wollen gastronomisch etwas Kleineres übernehmen", betont Hans Köster. Was genau stehe noch nicht fest.

Autor: Benjamin Bohn