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26. Januar 2012
Harte Zeiten für Gastronomie im Hotzenwald
Bei den Gaststätten im Hotzenwald haben vor allem Pächter zu kämpfen. Familienbetriebe laufen besser, werden aber immer weniger. Besondere Ideen und viel Einsatz sind gefragt.
HOTZENWALD. Gaststätten, die als Familienbetrieb geführt werden, sind weniger krisenanfällig als Wirtschaften mit Pachtvertrag. Diese Erfahrung hat Roland Baumgartner, Geschäftsführer der Hotzenwald-Tourismus-GmbH, gemacht. Und Anfang Januar wurde er in Herrischried gleich doppelt bestätigt, als die Gäste sowohl bei der Gaststätte "Ochsen" als auch beim Restaurant "Café Christophorus" vor verschlossenen Türen standen.
Auf Anfrage der Badischen Zeitung teilte der "Ochsen"-Wirt Jürgen Juretschke mit, dass zunächst nur eine vorübergehende Schließung geplant sei. Gleichwohl räumte er ein, dass sich das von seiner Frau vor zweieinhalb Jahren gepachtete Haus von Anfang an in einer schwierigen Ertragslage befindet. Derzeit würden mit der Sparkasse Hochrhein als Verwalterin des früher von der Familie Hauber bewirtschafteten Gasthauses Verhandlungen unter anderem über die Pachthöhe und über notwendige Investitionen im Gebäude geführt. "Trotz der Schwierigkeiten wollen wir weiter kämpfen", betonte Juretschke. Bei der Auswahl des neuen "Ochsen"-Personals seien wohl auch Fehler gemacht worden, die aber nicht allein die nicht zufrieden stellende Annahme des Gasthauses erklärten, sagte der Wirt.Werbung
Der Grund für die Schließung des Café -Restaurants "Christophorus" war der zum Jahreswechsel vollzogene Pächterwechsel. Inzwischen ist die Gaststätte wieder geöffnet und der neue Pächter und gelernte Koch Peter Maerländer sagte gegenüber der Badischen Zeitung, dass der Betrieb als Steakhaus neue Akzente setzen will.
Schon lange nicht mehr touristisch genutzt wird der leer stehende, traditionsreiche "Herrischrieder Hof". "Mit einer Wiedereröffnung durch die jetzige Eigentümerfamilie ist wohl nicht mehr zu rechnen", vermutete Herrischrieds Bürgermeister Christof Berger, der aber hofft, dass sich irgendwann eine Verpachtungslösung findet.
Für ihn, wie Roland Baumgartner sind funktionierende Gastronomiebetriebe in der Ferienregion äußerst wichtig. Nach Einschätzung Baumgartners hängt vieles von dem Ideenreichtum und dem Engagement der Betreiber und auch von der Höhe der Pacht ab. In dem in Rickenbach leer stehenden Willaringer Gasthaus "Drei König" hatten in der Vergangenheit mehrere Pächter auch wegen der nicht mehr bezahlbaren Pacht das Handtuch geworfen.
Von einer generellen Gastronomiekrise im ländlichen Raum reden Roland Baumgartner und Christof Berger noch nicht und liegen damit auf einer Welle mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga: "Es gab vor allem bei intelligent geführten Betrieben gleich welcher Größe im letzten Jahr sogar Wachstumsraten", sagte Daniel Ohl von der Dehoga der BZ. Er teilt aber die Sorge von Jürgen Juretschke wegen des Mangels an guten Servicekräften auf dem Land. Ursache für den Fachkräftemangel seien die demographische Entwicklung sowie die derzeit gute Konjunktur. "Es besteht jetzt wieder ein Wettbewerb um gute Fachkräfte." Letztendlich müsse aber jeder Wirt seinen eigenen Weg finden. Große Chancen böten heute Qualitätsangebote aus der Küche mit regionalem Zuschnitt. Wünschenswert wäre zudem die Unterstützung einer Dorfgaststätte durch die Gemeinde.
Dieser Ansicht stimmen Roland Baumgartner und Christof Berger sowie auch die Görwihler Gemeindeverwaltung grundsätzlich zu. Die Verlegung öffentlicher Veranstaltungen in Dorfgaststätten habe allerdings schon aus Platzgründen seine Grenzen. Verwaltungen könnten Vereine auch nicht dazu auffordern, ihre Proben wie in ganz früheren Zeiten in einer Gaststätte abzuhalten. Es bleibe nur die Empfehlung, die Situation der Dorfgastwirte bei Vereinsplanungen mit einzubeziehen, sagte Baumgartner als Rickenbachs Amtsverweser.
Schon länger werden vor allem in Görwihl und Rickenbach einige Traditionsbetriebe erfolgreich als Familienunternehmen geführt. Die Situation kann sich laut Dehoga aber bald ändern. "4000 von den rund 32000 Betrieben im Land stehen vor einem Generationswechsel, und dies vor allem im ländlichen Raum", informierte Ohl. Wenn es nicht gelänge, bessere Rahmenbedingungen, auch durch den erleichterten Zugang ausländischer Fachkräfte zu schaffen, dann bräche für ihn ein Teil der bislang noch guten Gastronomie-Infrastruktur zusammen.
Autor: Wolfgang Adam


