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09. Juni 2011

Kino

"Beginners" - Ewan McGregor als Sohn eines Homosexuellen

DRAMA: Ewan McGregor beeindruckt in "Beginners" als Sohn eines Homosexuellen.

  1. Christopher Plummer, Ewan McGregor Foto: up

Absolute Beginners, das sind Erwachsene ohne jegliche Erfahrung mit Liebesbeziehungen. Doch im Grunde ist jeder mit jeder neuen Liebe wieder ein Anfänger. Das ist das Schöne und manchmal auch das Leidvolle. Für Hal Fields ist es geradezu eine Befreiung, das große Glück, als er mit 75 Jahren kurz nach dem Tod seiner Ehefrau seinem Sohn Oliver offenbart, dass er mit einem sehr viel jüngeren Mann zusammen ist. Oliver, selbst in Sachen Beziehungen nicht gerade ein Held, ist verwirrt und muss seinem Vater hier und da Nachhilfe geben, lernt für sich aber – wenn auch nur zögerlich – umso mehr die Liebe zu genießen. Das Drama "Beginners" von Mike Mills vereint zwei sehr unterschiedliche Liebesbeziehungen auf herrlich skurrile, romantische und teils todtraurige Weise.

Oliver, großartig gespielt von Ewan McGregor, erwacht einige Monate nach dem Krebstod seines Vaters aus seiner Starre. Er räumt die Wohnung des Vaters auf, übernimmt dessen Hund Arthur, der sein engster Vertrauter wird, und beginnt, sein Leben mit der etwas verrückten Mutter und einem meist abwesenden Vater und dessen spät errungenen Leichtigkeit Revue passieren zu lassen und zu hinterfragen. Ausgerechnet da taucht die mysteriöse Französin Anna auf. Die ersten Stunden ihrer Begegnung spricht die junge Frau kein Wort, und das scheint nicht ihr einziges Geheimnis zu sein.

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Und während sich zaghaft eine Beziehung zwischen Oliver und Anna entwickelt, versucht Oliver aus dem Leben seiner Eltern, die immerhin 44 Jahre verheiratet waren, dem seines Vaters und seinem eigenen einen Sinn zu machen. Dabei wird sehr deutlich, wie nahe er seinem Vater erst in den letzten Monaten gekommen ist, der ihm während dieser Zeit gezeigt hat, wie schön die Liebe und das Leben sein können.

Mike Mills, der in dem Film in Teilen seine eigene Geschichte erzählt, lässt die Bilder aus der Gegenwart und der Erinnerung abwechseln, wobei den Erinnerungen Olivers nicht immer zu trauen ist. Hatte der Vater einen lila Pullover oder doch einen Morgenmantel an, als er ihm von seinem Schwulsein erzählt? Was hat es mit der Szene aus seiner Kindheit auf sich, in der sich sein Vater fast nüchtern von der Mutter mit einem Kuss verabschiedet? Gerade die Kindheitserinnerungen streut Mills immer wieder ein.

Es sind viele Fragen, die der Film aufwirft – und leider oft auch offen lässt, zum Beispiel, warum Anna stets in Hotelzimmern wohnt, nie mit ihrem Vater telefonieren will, aber die Nähe zu Oliver sucht, der der Liebe nicht so recht zu trauen scheint. Warum ahmt die Mutter plötzlich im Museum die Figur eines Kunstwerkes nach und wird von ihrem peinlich berührten, kleinen Sohn weggezerrt? Oliver wandelt traumwandlerisch wie in eine Wolke gehüllt todtraurig und zugleich glückstaumelnd durch dieses Leben und seine Erinnerungen. Sein Vater scheint da noch die normalste und vor allem glücklichste Figur. Er stürzt sich mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit und Freude in das bunte Schwulen-Leben Kaliforniens.

"Beginners" entwickelt auf eine seltsame, ruhige Art eine ganz eigene Faszination, die ständig wächst und sich fast zu Spannung entwickelt. Die Geschichte ist so melancholisch und doch so schön, dass man sich nicht sattsehen kann, an den gefühlvoll inszenierten Turbulenzen, die die Liebe mit sich bringt. Das ist vor allem den hervorragenden Schauspielerin zu verdanken: McGregor in seiner verletzlichen, etwas unbeholfenen Traurigkeit und Verliebtheit, Christopher Plummer als lebensfroher alter Schwuler und Mélanie Laurent als Anna, die mysteriös immer ein wenig aufgesetzt nachlässig gestylt ist. Ein teils urkomischer, tieftrauriger und mitunter sehr romantischer Film, der noch dazu musikalisch großartig unterlegt ist.
– "Beginners" (Regie: Mike Mills) läuft in Freiburg im Friedrichsbau.

Autor: Britta Schmeis