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02. August 2012
Sylvain Estibals Regiedebüt
„Das Schwein von Gaza“ - ein allegorisches Schelmenstück
Als Fischer Jafaar ein Schwein ins Netz geht, hat er ein Problem: Die Borstenviecher gelten in Palästina als unrein. Auf einer irrwitzigen Odyssee versucht er, das Tier loszuwerden.
Badelatschen, Turnschuhe, ein Haufen Müll und gerade einmal sieben kleine Fische zieht Jafaar (Sasson Gabay) mit dem Netz aus dem Meer. Nur vier Kilometer dürfen palästinensische Fischer vor der Küste des Gaza-Streifens mit ihren Booten hinausfahren. Da ist für Jafaar nicht viel zu holen. Aber das Leben des passionierten Pechvogels gerät rasant in Bewegung, als er mit seinem Netz ein leibhaftiges Schwein aus dem Wasser zieht. Was macht man mit einem Schwein in Gaza?
Bei den Muslimen gilt der stinkende Allesfresser mit den kurzen Beinen als unreines Tier, und auch die Juden dürfen die Tiere weder essen noch mit ihnen handeln. Zuerst versucht es Jafaar bei den Blauhelmen der UNO. Aber der deutsche Stützpunktleiter (Ulrich Tukur) hat für ein ganzes Schwein keine Verwendung und einen Haufen andere Sorgen. Der Fischer versteckt das Tier im Laderaum, bis er erfährt, dass im nahegelegenen Kibbuz die russischstämmigen Siedler heimlich Schweine züchten. Er will den Eber an die Juden verkaufen, aber Yelena (Myriam Tekaïa), die junge russische Außenseiterin der Siedlung, ist zunächst nur an dem Sperma des Zuchttieres interessiert.
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In seinem Regiedebüt "Das Schwein von Gaza", einer auf Malta gedrehten Koproduktion, entwirft der französische Journalist und Buchautor Sylvain Estibal ein allegorisches Schelmenstück, in dem ein ungeliebtes Schwein zwischen die verhärteten politischen und religiösen Fronten im Nahen Osten gerät. Seine durchaus originelle Prämisse lotet Estibal jedoch etwas zu tief aus, wenn er so ziemlich alles mit dem armen Schwein anstellt, was die absurde Konstellation so hergibt. Das führt zwischendrin zu deutlichen dramaturgischen Ermüdungserscheinungen, weil die politische Burleske mit ihren typisierten Figurenzeichnungen dann doch etwas zu simpel daherkommt.
In der letzten halben Stunde, wenn sich "Das Schwein von Gaza" weniger um gefällige Komik als um die bittere politische Realität kümmert, fängt der Film sich jedoch noch einmal, treibt die festgefahrenen Verhältnisse des israelisch-palästinensischen Grabenkrieges ins Groteske und findet in der Schlusswendung einen sehr vagen Schimmer der Hoffnung.
– "Das Schwein von Gaza" (Regie: Sylvain Estibal) läuft in Freiburg.
Autor: Martin Schwickert



