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04. März 2010 00:01 Uhr

Satire mit George Clooney

Der Geist als einzige Waffe

Die Möglichkeiten der paranormalen Kriegsführung: Grant Heslovs mit Stars besetzte Militärsatire "Männer, die auf Ziegen starren" ist eine durchgeknallte Replik auf den Irakkrieg.

Star-Wars-Fan Ronald Reagan hätte die Idee einer "Jedi-Armee" sicher gefallen. Tatsächlich soll es Anfang der achtziger Jahre hochdekorierte Soldaten im amerikanischen Militär gegeben haben, die sich mit den Möglichkeiten paranormaler Kriegsführung befassten. Der britische Journalist Jon Ronson hat darüber vor einigen Jahren ein Buch mit dem Titel "The Men Who Stare at Goats" geschrieben. Wem diese Prämisse nicht schon absurd genug erschien, hatte wahrscheinlich nur darauf gewartet, dass sich Hollywoods liberale Posterboys des Themas annehmen würden. Da der "War against Terror" längst Eingang in die amerikanische Populärmythologie gefunden hat, blieb es nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Idee kam, ihn mit anderen populären Mythen zu kreuzen. Star Wars war eine naheliegende Wahl.

Regisseur Grant Heslov dienen Ronsons durchaus ernsthafte Recherchen lediglich als Steilvorlage ("inspired by") für eine durchgeknallte Replik auf den amerikanischen Einsatz im Irak: Seine starbesetzte Militärsatire "Männer, die auf Ziegen starren" kommt als halluzinogen-induzierter Remix der beliebtesten amerikanischen Kriegstraumata der vergangenen dreißig Jahre daher. Dabei spinnt der Film Ronsons Theorien einfach ein paar frei flottierende Gedanken weiter. Was also, hätte es im amerikanischen Militär tatsächlich eine Spezialeinheit gegeben, die für den parapsychologischen Kriegseinsatz trainiert wurde? Eine Armee von waffenlosen Soldaten, die ihren Feind allein mit der Kraft ihres Geistes bezwingen können. Keine posttraumatischen Belastungsstörungen mehr. Amerikanische Jedi-Ritter. Enter George Clooney.

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Clooney ist derzeit der einzige Hollywood-Star, der sich regelmäßige Ausflüge in die niederen Sphären der Selbstentgrenzung leisten kann, ohne dass sein Image Schaden nehmen könnte. In "Männer, die auf Ziegen starren" wird er mit einer frappierenden Erweiterung seines Haupthaars und einem ausgewählten Classic-Rock-Soundtrack zurück in die achtziger Jahre geschickt. Er ist Heslovs Obi-Wan Kenobi: Lyn, der talentierteste Kämpfer der geheimnisumwitterten "New Earth Army", deren ehemalige Mitglieder nach einer Intrige der dunklen Seite (in Person von Kevin Spacey) in alle Winde zerstreut sind. Im Irak der Gegenwart begibt Lyn sich auf die Suche nach seinem Yoda Bill Django (Jeff Bridges), einem Vietnamveteranen und dem Gründer der New-Age-Armee. Im Schlepptau hat er einen Reporter (Ewan McGregor), in dem selbst ungeahnte Jedi-Kräfte schlummern. Auf ihrer Mission müssen sie sich unter anderem mit privaten Sicherheitsfirmen herumschlagen, die sich beim ersten Hinterhalt gegenseitig massakrieren. Als größtes Hindernis aber stellen sich immer wieder ihre vermeintlichen paranormalen Fähigkeiten heraus.

Bei der amerikanischen Kritik fiel "Männer, die auf Ziegen starren" gnadenlos durch. An ihrem Vorwurf, der Film sei zu unausgewogen und zahnlos, ist schon etwas dran. Aber Heslov hatte auch keine Antikriegssatire vom Kaliber des Mike-Nichols-Klassikers "Catch 22" (1970) im Blick. Das mag man angesichts des Themas bedauern – den Unterhaltungswert schmälert es kaum.
– "Männer, die auf Ziegen starren" (Regie: Grant Heslov) läuft flächendeckend.

Autor: Andreas Busche