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10. Februar 2012

Die Stadt als Instrument

"Sound of Noise": Schwedische Musikkomödie im Koki.

Man nehme eine Handvoll Musiker mit krimineller Energie und das Mobiliar einer Spießerwohnung. Heraus kommt der Kurzfilm "Music for one apartment and six drummers"- ein auf youtube millionenfach angeklicktes, absurdes Lehrstück für alle Perkussionisten. Mit Klo- und Zahnbürste, Schlaftabletten, Mixer, Eieruhr und Staubsauger schichten die Eindringlinge Rhythmen, erschaffen Kleinode zwischen Küchen-Funk und Toiletten-Drum'n'Bass. Doch Haushaltmusik war gestern: Regisseur Ola Simonsson hat seine Truppe erneut zusammengetrommelt und wagt nun mit einem kompletten Feature-Film den Sprung zum denkbar größten Instrument: eine Stadt.

Seine sechs Helden sind sämtlich vom herzlosen und eingefahrenen Musikbetrieb enttäuscht, sie verdienen ihre Brötchen etwa als Schlagzeuger einer bräsigen Showband, als gelangweilter Paukenschläger für die berühmte Haydn-Symphonie. Und so greift das Sextett um den nerdigen Komponist Magnus Börjeson und die herrlich unterkühlte Sanna Persson zum äußersten Mittel: Mit gezielten musikalischen Terroranschlägen auf Malmö unterminieren sie das Establishment. Und realisieren dabei eine groteske Partitur in vier Sätzen mit punkiger Energie, technoidem Flair und Industrial-Anleihen: Sie entern ein Krankenhaus und machen den OP-Saal inklusive Patient zum Schlagwerk. Mit dem Schlachtruf "Hands up, this is a gig!" wird groovend eine Bank überfallen. Der Aufführung einer Symphonie fahren sie mit Bulldozer und Presslufthammer in die Parade. Und schließlich hämmern sie gar aus dem städtischen Stromnetz eine monströse Klang- und Lichtshow.

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Ein Jahr lang haben Simonsson und seine Perkussionisten nach Objekten und Gebrauchsgegenständen gesucht, die sich für ihre Zwecke verwenden ließen. Aus einer Bibliothek von sage und schreibe 23.000 Soundfiles, vom Aktenvernichter bis zum Absaugrohr, von der Planierraupe bis zum Bauchspeck wurde diese unorthodoxe "Symphonie der Großstadt" dann zusammengesetzt. Geholfen hat der französische Klangkünstler Nicolas Becker, der auch für den Sound der Harry Potter-Filme verantwortlich ist. Verwöhnt durch die handwerkliche Dichte des vorangegangenen Kurzfilms hätte man sich als Zuschauer/-hörer natürlich noch mehr und längere Klangattacken gewünscht. Doch es muss ja auch Platz bleiben für einen Gegenspieler der Musikterroristen, verkörpert durch den komplett unmusikalischen Ermittler Amadeus (!) Warnebring (Bengt Nilsson). Mit Minderwertigkeitskomplexen gegenüber seinem Bruder, einem Stardirigenten, behaftet, will er nicht nur die Musiker, sondern die Musik überhaupt zur Strecke bringen. Ob ihm das gelingt, zumal er sich in die Perkussionistenchefin Sanna verliebt? So viel sei verraten: Warnebring, der von einem "Sound Of Silence" träumt, wird am Ende Zeuge einer veritablen "Electric Love".

– Termine: 10.2., 11.2., 21.30 Uhr, 18.2., 19.30 Uhr, 19.2., 19.45 Uhr.

Autor: Stefan Franzen