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01. Juni 2011

Interview

Duncan Jones: „Ich will nicht nur Special Effects“

TICKET-INTERVIEW: Regisseur Duncan Jones über Berlin, Science Fiction und seinen Vater David Bowie.

  1. Duncan Jones Foto: Kinowelt

Im Schatten seines legendären Vaters steht Duncan Jones (40) nicht mehr. Bereits mit seinem Regiedebüt "Moon" heimste der Sohn von David Bowie im letzten Jahr viel Lob und Preise ein. Auch mit seinem zweiten Kinofilm "Source Code" (Kinostart: 2. Juni 2011) geht er seiner Leidenschaft für das Science-Fiction-Genre nach. Markus Tschiedert traf den sympathischen Filmemacher in Berlin.

Ticket: Sie haben zur deutschen Hauptstadt eine ganz besondere Beziehung. . .
Duncan Jones: Ja, Ende der 70er lebte ich für einige Jahre mit meinem Vater in Berlin: eine aufregende, aber auch beängstigende Zeit, weil die geteilte Stadt Zentrum des Kalten Kriegs war und man sich wie auf einen Pulverfass vorkam. Heutzutage ist davon nichts mehr zu spüren. Meine neue Filmidee mit dem Titel "Mute" soll in Berlin so im Jahr 2030 spielen.
Ticket: Also schon wieder eine Science-Fiction-Geschichte. . .
Jones: Momentan gibt es etliche Regisseure, die das Genre neu entdeckt haben. Ich will mindestens noch zwei Zukunftsfilme drehen und mich dann anderen Genres widmen. Mir ist es wichtig, dass ich in Hollywood nicht als der neue Special-Effects-Typ wahrgenommen werde, denn bei mir stehen stets die Charaktere im Vordergrund. Und ich bin durchaus fähig, Schauspieler anzuleiten.

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Ticket: Warum sind Sie Regisseur geworden und nicht Musiker wie Ihr Vater David Bowie?
Jones: Das stand für mich nie zur Debatte, denn schon als Kind bin ich wahnsinnig gern ins Kino gegangen, was ich wiederum meinem Vater zu verdanken habe. Er war oft mit mir im Kino und zeigte mir all die Science-Fiction-Klassiker wie "2001", "Metropolis" und "Star Wars". Den schenkte er mir auf Video – und ich sah mir "Star Wars" so oft an, bis das Band ganz abgenutzt war.
Ticket: Wie ist es nun zu "Source Code" gekommen?
Jones: Ich traf Jake Gyllenhaal, der von "Moon" ganz begeistert war und nun unbedingt mit mir zusammenarbeiten wollte. So stellte er mir das Projekt "Source Code" vor, weil er im Drehbuch gewisse Ähnlichkeiten zu "Moon" sah. Wieder geht es um einen Mann, der in einer klaustrophobischen Situation auf sich allein gestellt ist. Bei mir war es genau andersherum. Ich sah die Unterschiede, dass ich es diesmal mit mehr als nur einen Schauspieler zu tun haben würde, dass der Film tricktechnisch aufwendiger sein würde und dass sogar eine kleine Romanze in der Story steckt.
Ticket: Glauben Sie, Sie haben Ihre Kreativität vom Vater geerbt?
Jones: Könnte auch davon kommen, dass ich sehr viel Zucker zu mir nehme (lacht). Nein, es ist ziemlich offensichtlich, dass auch mein Vater ein sehr kreativer Mann ist. Mir hat immer seine Begeisterungsfähigkeit und seine Leidenschaft für eine Sache sehr gefallen. Ich bin bei ihm groß geworden, und er hat sich wiederum mit Leuten umgeben, die auch kreativ waren.
Ticket: Was hält Bowie von Ihren Filmen?
Jones: Er lebt in New York, wo "Source Code" bereits in den Kinos läuft. Ich weiß, dass er ihn unbedingt sehen will. Er geht jedoch lieber inkognito ins Kino, um den Film mit einem normalen Publikum sehen zu können. Aber als ich auf dem Sundance Filmfestival "Moon" vorgestellt habe, hat er mich begleitet. Glauben Sie mir, es war mein erster Film, und mein Vater war aufgeregter als ich selbst (lacht).
Ticket: Bowie hat schon selbst in einigen Filmen mitgespielt. Würden Sie ihn gern mal als Hauptdarsteller engagieren?
Jones: Er ist ein großartiger Schauspieler, schon deshalb könnte ich es mir vorstellen. Aber bis es so weit ist, möchte ich mir einen Ruf als etablierter Regisseur aufgebaut haben, Ticket: Klingt, als wäre Ihr Vater in dieser Beziehung sehr streng. . .
Jones: Das ist es nicht, sondern ich fühle mich noch nicht so weit. Ich will erst meine ganz eigenen Erfahrungen gemacht haben, um meinem Vater vielleicht auch ebenbürtig gegenüber stehen zu können.
Ticket: Wären Sie der richtige Regisseur, um das Leben Ihres Vaters zu verfilmen?
Jones: Nein, ich wäre sogar die schlechteste Wahl dafür (lacht), weil ich gar nicht objektiv und kritisch sein könnte. Außerdem mag ich gar keine Musicals oder Musikfilme, und ich selbst höre auch nur selten Musik.

SOURCE CODE

Regie: Duncan Jones
Mit Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga und anderen
93 Minuten, frei ab 12 Jahren
Die Story
US-Soldat Colter (Jake Gyllenhaal) war eben noch im Kriegseinsatz, jetzt sitzt er im Zug und wird von Christina (Michelle Monaghan) angesprochen. Die beiden scheinen sich zu kennen, doch Colter weiß von nichts. Minuten später explodiert der Zug, und er ist wieder im Wrack seines Kampfbombers. Er gehört zu einem militärischen Geheimprojekt und befindet sich in einer Zeitschleife. Colter erinnert sich, er soll den Terroranschlag auf den Zug verhindern. . .  

Autor: bz

Autor: tsc


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