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11. März 2010

"Agora"

HISTORIENFILM: Der Himmel über Alexandria

Wie in "Abre los Ojos", "The Others" und "Das Meer in mir" erschafft Alejandro Amenábar auch in seinem eben mit sieben spanischen Goyas ausgezeichneten Historienfilm "Agora – Die Säulen des Himmels" wieder eine in sich geschlossene Welt. Dem Alexandria des Jahres 391 nähert er sich dabei mit einem sehr modernen Blick. Mischt sich unter die debattierenden Philosophen und konkurrierenden Lager der Heiden, der Juden und der militant christlichen Parabolani, lässt sich mitreißen wie ein berichtendes Fernsehteam, in gleitenden Kamerafahrten und mit intimer Handkamera. Immer wieder sucht er dabei auch eine in diesem Genre ungewohnt große Distanz, indem er den Blick von der Weite des Alls auf die kleine Erde wagt: So wichtig sich die Menschen auch nehmen, schrumpfen sie doch im großen Ganzen auf das unbedeutende Nichts einer Ameise. Allein dieser irritierende und relativierende Wechsel der Perspektive verleiht "Agora" eine ganz eigenartige Aura.

Entsprechend wird die Geschichte ganz untypisch für die Zeit aus der Perspektive einer weiblichen Heldin erzählt, die das episch historische Drama mit intimen Momenten ausbalanciert: Hypatia, einer Wissenschaftlerin, die sich mit Mathematik und Astronomie beschäftigt, also mit der Stellung des Menschen im Weltengefüge. Dieser einer historischen Gestalt nachempfundenen Ausnahmefrau verleiht Rachel Weisz ihre ganz besondere Mischung aus Selbstbewusstsein, Intelligenz und Sinnlichkeit. Rings um sie entzündet sich der Glaubenskrieg zwischen den erstarkenden Christen, den Heiden und den Juden, dem mit dem Römischen Reich auch die legendäre Bibliothek von Alexandria zum Opfer fällt.

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Das Chaos der rivalisierenden Gruppierungen ordnen Amenábar und Kostümbildnerin Gabriella Pescucci durch eine ausgeklügelte Farbdramaturgie, während sich zugleich in der Palette von Hypatias Garderobe, im Wandel von den hellen Farben über Burgunderrot zu fahlen Grautönen, ihre wachsende Bedrohung spiegelt. Natürlich legt es Amenábar bei der Rekonstruktion der Historie darauf an, eine Brücke zu schlagen von der fernen Vergangenheit zu den Religionskriegen unserer Zeit: Nicht zufällig erinnern die militant christlichen Parabolani mit ihren langen schwarzen Gewändern und dunklen Bärten an die religiösen Fundamentalisten der Taliban. (Läuft flächendeckend)

Autor: Anke Sterneborg