Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
10. März 2010
"Ich bin eher eine Schmusekatze"
TICKET-INTERVIEW: Schauspieler Mel Gibson über Prügelszenen, seine Kinder und sein Image.
Betrunken am Steuer, antisemitische Äußerungen, Scheidung von der Frau, mit der er sieben Kinder hat– es waren vor allem negativen Nachrichten, mit denen Mel Gibson (54) in den letzten Jahren in die Schlagzeilen kam. Für vieles hat er sich entschuldigt – und festgestellt, dass es viel besser ist, Aggressionen vor der Kamera auszuleben. "Auftrag Rache" heißt sein Comeback nach siebenjähriger Leinwandabstinenz. Der Titel ist Programm. Markus Tschiedert traf den US-Star in Paris.
Ticket: Mr. Gibson, warum haben Sie sich als Schauspieler so viele Jahre zurückgezogen?Mel Gibson: Sie sagen es ja schon: als Schauspieler! Was nicht heißt, dass ich nur noch Löcher in die Decke geguckt habe. Ich war als Drehbuchautor und Regisseur aktiv und erlebte damit wahrscheinlich die beste Zeit meiner Karriere.
Ticket: Dann muss es einen Grund geben, warum Sie sich jetzt wieder vor der Kamera zeigen. . .
Gibson: Mir hing die Schauspielerei zum Hals heraus. Ich langweilte mich vor mir und dachte, dem Publikum muss das genauso gehen. Aber ich habe nie gesagt, dass ich ganz aufhöre. Es musste nur das richtige Projekt kommen, um mich wieder in den Sattel zu setzen.
Werbung
Gibson: Das mag daran liegen, dass Menschen, die Rache üben, vorher eine lange Leidensphase durchmachen müssen. Ihnen wurde das Wichtigste in ihrem Leben genommen wie in diesem Film, wo ich als Polizist den gewaltsamen Tod meiner Tochter überwinden muss.
Ticket: Privat mussten Sie in den letzten Jahren auch oft leiden. Suchen Sie etwa solche Situationen?
Gibson: Wer leidet schon gern? Ich überhaupt nicht, und könnte mir jedes Mal die Seele rausheulen. Andererseits gehört das Leiden zum Leben. Man muss daran wachsen und seine Lektionen lernen.
Ticket: Aber Sie sind schon eher der harte Typ. . .
Gibson: Das bin ich überhaupt nicht, eher eine Schmusekatze. Ich kann manchmal launisch und reizbar sein, das ist der Unterschied. Harte Typen beschweren sich nicht, und sie stören sich nicht an der Umwelt, während ich laut werden kann, wenn mir was nicht passt.
Ticket: Aber genau damit haben Sie in letzter Zeit öfter Ihrem Image geschadet. . .
Gibson: Image? Das wird von Tag zu Tag immer unwichtiger für mich.
Ticket: Aber nicht den Medien. . .
Gibson: Es ist schon traurig, dass man keine Nachrichten mehr liest, sondern nur noch über Skandale. Was wirklich auf der Welt los ist, kriegt keiner mehr mit.
Ticket: Als Sie kürzlich in einem TV-Interview nach Ihren "bösen Taten" gefragt wurden, betitelten Sie den Reporter zum Schluss als "Arschloch", weil Sie glaubten, die Kamera sei bereits aus. Sind Sie unverbesserlich?
Gibson: Danach wurde auch ich als "Arschloch" bezeichnet. In Amerika schien eine Art Wahlkampf auszubrechen, wer von uns beiden nun das echte "Arschloch" ist. 28 Prozent stimmten für mich, 72 für den Reporter. Die ganze Sache ist doch lächerlich.
Ticket: Hilft es eigentlich, wenn man als Actionheld Aggressionen vor der Kamera ausleben kann?
Gibson: Das mag helfen, obwohl Szenen zu drehen, in denen gekämpft und geprügelt wird, ziemlich langweilig sein können. Da ist ja jede Bewegung einstudiert, um den anderen nicht zu verletzen, und erst am Schneidetisch wird die Dynamik hergestellt.
Ticket: Wann haben Sie privat mal so richtig zugeschlagen?
Gibson: Das ist lange her. In der schule habe ich mich oft geprügelt, weil das jeder machte, der cool sein wollte. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich es immer gehasst, jemand wehzutun.
Ticket: Sie sind mit zehn Geschwistern groß geworden – und Ihre Freundin Oksana Grigorieva brachte letztes Jahr Ihr achtes Kind zur Welt. Fehlen nur noch drei, um mit Ihren Eltern mithalten zu können.
Gibson: Warum nicht, geben Sie mir noch ein bisschen Zeit (grinst).
AUFTRAG RACHE
Regie: Martin Campbell
Darsteller: Mel Gibson, Ray Winstone, Shawn Roberts, Danny Huston u.a.
117 Minuten, frei ab 12 Jahren
Die Story
Die Tochter des Polizisten Thomas reden (Mel Gibson) wird vor seinen Augen getötet. Zunächst sieht alles danach aus, dass es die Killer eigentlich auf ihn abgesehen hatten. Doch dann findet Thomas bei den Kleidungsstücken seiner Tochter einen Geigerzähler: Ihre Sachen sind radioaktiv verseucht. Als Umweltaktivistin hatte sich die junge Frau mächtige Feinde gemacht. Thomas beschließt, ihre Mörder selbst zur Strecke zu bringen.
Autor: bz
Autor: tsc
