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01. Februar 2012
"Karriere? Das ist so eine Sache. . ."
TICKET-INTERVIEW: Schauspieler Gary Oldman über Spione, seine Jugend und die Oscar-Nominierung.
Gary Oldman (53) lief in Berlin gerade durchs Brandenburger Tor, als er die Nachricht erhielt, dass er für den Oscar nominiert wurde. Ein besseres Omen kann es für ihn nicht geben, denn in seinem neuen Film "Dame, König, As, Spion" geht es um den Kalten Krieg in den 1970ern, und da war Berlin das Mekka der Spionage. Oldman gilt als einer der besten Schauspieler seiner Generation, ist aber durch seine wiederkehrenden Rollen in "Batman" und "Harry Potter" jedem ein Begriff. Markus Tschiedert sprach mit dem charmanten Briten.
Ticket: Sie spielen in "Dame, König, As, Spion" John le Carrés berühmten Geheimagenten George Smiley. Träumten Sie in Ihrer Jugend davon, Spion zu werden?Gary Oldman: Ich bin wie so viele andere natürlich mit James Bond groß geworden. Aber ich hatte nie den Berufswunsch Spion. Nicht mal als Schauspieler wäre es mir in den Sinn gekommen, eine Art James Bond spielen zu wollen. Ursprünglich wollte ich sogar was ganz anderes werden: Fußballspieler.
Ticket: Was hat Sie daran gehindert, als Fußballer Karriere zu machen?
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Ticket: Und nun treten Sie als George Smiley in andere große Fußstapfen...
Oldman: Ja, in die von Alec Guinness, der zum Ritter geschlagen wurde, enorme Beliebtheit genoss und noch heute als einer der größten britischen Schauspieler aller Zeiten verehrt wird. Er war das Gesicht von George Smiley, den er 1979 zum ersten Mal spielte. Fragt man Leute auf der Straße, wer George Smiley ist, antworten sie sofort: Alec Guinness. Deshalb sagte ich auch nicht gleich zu, sondern überlegte einen Monat lang, ob ich wirklich in den Schatten von Sir Alec treten möchte. Das hat mich wirklich eingeschüchtert.
Ticket: Und was hat Sie überzeugt, sich dieser Herausforderung trotzdem zu stellen?
Oldman: Letztendlich das Drehbuch! Ich fand es sehr befriedigend, dass es nicht mit Autoverfolgungsjagden oder anderen Actionelementen aufgemotzt wurde, um sich den heutigen Sehgewohnheiten im Kino anzupassen. Immerhin befinden wir uns mit "Dame, König, As, Spion" in der Welt von Bond und Bourne, wo man so etwas wie schnelle Schnitte und lautes Getöse erwarten würde. Aber so ist unser Film nun mal nicht, er spielt in der Vergangenheit, es herrscht zwischendurch viel Ruhe, aber er lebt von einer sehr guten Story.
Ticket: Inwieweit war der Kalte Krieg in den 1960ern und 1970ern für Sie als britischer Jugendlicher spürbar?
Oldman: Hin und wieder wurde man daran erinnert, weil in den Nachrichten oder in den Zeitungen darüber erzählt wurde. Aber man darf nicht vergessen, dass ich ein Teenager war, und da macht man sich über ganz andere Dinge Gedanken. Das bemerke ich auch an meinem eigenen Sohn, der fast 15 ist, und was gerade auf der Welt los ist, liegt nicht in seinem Fokus. Als ich in seinem Alter war, interessierte ich mich auch mehr für David Bowie, Motown-Musik und Mädchen.
Ticket: George Smiley taucht in mehreren Romanen von John le Carré auf. Heißt das, man wird Sie in der Rolle noch öfters erleben?
Oldman: Das ist gut möglich, denn soweit ich weiß, will Regisseur Tomas Alfredsen nach "Dame, König, As, Spion" nun auch den Roman "In eigner Sache" verfilmen – wieder mit dem gleichen Team, und das bedeutet, dass ich als Smiley auch wieder mit von der Partie wäre, was mich sehr freuen würde.
Ticket: Für Ihre Darstellung ernten Sie viel Lob und sind sogar für den Oscar nominiert. Sind Sie jetzt auf dem Höhepunkt Ihrer Karriere?
Oldman: Das mit der Karriere ist immer so eine Sache. Mal steht man im Rampenlicht, mal daneben. In den letzten zehn Jahren habe ich mit den "Harry Potter"- und "Batman"-Filmen schon sehr das Fantasy-Kino bedient, was vor allem von Kindern gesehen wurden. Als junger Schauspieler war ich gewiss ambitionierter und energischer, aber mit dem Alter ändern sich auch Prioritäten und Verantwortungen.
DAME, KÖNIG, AS, SPION
Regie: Tomas Alfredson
Mit Gary Oldman, Colin Firth, John Hurt, Tom Hardy, Toby Jones u. a.
127 Minuten, frei ab 12 Jahren
Die Story
England, Anfang der 1970er: Hochalarm beim Britischen Geheimdienst! In den eigenen Reihen soll es einen Maulwurf geben, der mitten im Kalten Krieg wichtige Dokumente an den KGB weiterleitet. Der ehemalige Mitarbeiter George Smiley (Gary Oldman) wird aus dem Ruhestand geholt, um dem Verräter das Handwerk zu legen. Beweismaterialien verschwinden, Zeugen werden liquidiert, um ihn zu behindern. Doch so schnell gibt der Meisterspion nicht auf.
Autor: bz
Autor: tsc
