Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. August 2012

Schnelles Leben, wilde Partys

KOMÖDIE: Soderbergs "Magic Mike" ist gute Unterhaltung.

Die Stripperin ist eine im amerikanischen Kino fest etablierte Figur. Mal ist sie herzensgut, mal die bemitleidenswerte alleinerziehende Mutter, mal die hinterhältige Gangsterbraut und oft genug einfach nur Staffage für den Hintergrund, vor dem die Männer ihre Geschäfte abwickeln. Von männlichen Strippern war dagegen bislang eher wenig zu sehen, allenfalls tauchten sie als Partygag auf Junggesellinnen-Abschieden auf.

"Magic Mike" wirft nun einen sehr kurzweiligen Blick hinter die Kulissen des Geschäfts. Channing Tatum zeigt dabei in seiner Rolle als Mike, dass es auch Stripper mit Herz gibt. Nach seinem Ausflug ins Comedy-Fach mit "21 Jump Street" beweist der Amerikaner erneut, dass er mehr kann als nur gut auszusehen – wobei das bei der aktuellen Rolle natürlich auch hilfreich ist. Zudem stammt die Inspiration für den Film aus seinem eigenen Leben: Als 19-Jähriger arbeitete er selber in einem Stripladen. Im gleichen Alter ist im Film auch der College-Abbrecher Adam (etwas blass: Alex Pettyfer), der bei seiner Schwester Brooke (Cody Horn) wohnt und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Bei einem solchen Einsatz lernt er Mike kennen, der die Hauptattraktion im "Xquisite Strip Club" in Tampa ist. Bald steht auch Adam als "Kid" auf der Bühne und lernt das schnelle Leben mit gutem Geld und wilden Partys zu schätzen. Der ältere Mike hat dagegen größere Pläne im Leben – und ein Auge auf Brooke geworfen.

Werbung


Aus der Geschichte hätte leicht das männliche Gegenstück des zum schlechtesten Film der 1990er Jahre gewählten Stripperinnen-Schwachsinns "Showgirls" werden können. Regisseur Steven Soderbergh garantiert aber dafür, dass der Film zwar gut bekömmlich aber auch nicht ganz ohne Tiefgang ist. Mancher mag in "Magic Mike" gar eine Abhandlung über den Körper als Ware im Kapitalismus entdecken. Durch die Umkehrung der Hollywood-üblichen Geschlechterverhältnisse – auch Mikes Freundin sieht ihn primär als schönen Körper – werden solche Aspekte zwar herausgearbeitet. Die meisten Zuschauer dürften sich aber eher über die sehr gut choreographierten Einlagen der Stripper und einige witzige Momente freuen. Besonderes erfreulich ist Matthew McConaughey als schmieriger Stripclub-Betreiber Dallas.

Zwar werden auch die Schattenseiten des Gewerbes gezeigt, doch hier wirkt der Film eher geschönt. In erster Linie bietet "Magic Mike" gute Unterhaltung – und Zuschauerinnen, die sich nie in einen realen Stripclub trauen würden, eine Alternative. Vielleicht erklärt dies auch den Überraschungserfolg in den USA; der Film kostet gerade mal sieben Millionen Dollar, spielte aber mehr als 100 Millionen ein. Channing Tatum ließ auch schon wissen, dass er für eine Fortsetzung jederzeit bereit steht.
– "Magic Mike" (Regie: Steven Soderbergh) läuft flächendeckend.


Autor: Stefan Rother


0 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.



Weitere Artikel: Kino