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26. Januar 2012
So abgründig wie absurd
DRAMA: "Tage, die bleiben".
Gerade noch haben die Dewenters den Kulturpreis entgegen genommen, den die Stadt Anna Dewenter für ihren Debütroman verliehen hat, da schmeißt sie ihren verblüfften Ehemann mit resolutem Lächeln vor dem Haus seiner Geliebten aus dem Auto, biegt um die Ecke, ein Knall, der Wagen überschlägt sich, Anna ist tot.
Pia Strietmanns "Tage, die bleiben" macht keine Umwege. Der Debütfilm der Münsteraner Regisseurin (siehe BZ-Interview vom 17. Januar), die auch das Drehbuch schrieb, beginnt mit Szenen, die zu den bedrohlichsten Fantasien vieler Menschen gehören. Und es kommt noch schlimmer: Anna lässt eine desolate Familie zurück, in der das Fundament der Gemeinsamkeit durch Entfremdung und Lügen mehr als brüchig geworden ist. So tun sich Annas Mann Christian (Götz Schubert), ihr älterer Sohn Lars (Max Riemelt), der aus der kleinstädtischen Enge in ein urbanes Schauspielerleben geflüchtet ist, und die pubertierende Tochter Elaine (Mathilde Bundschuh, eine echte Entdeckung) nicht nur schwer mit dem Trauern, sondern auch miteinander: eine heillose Situation.
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Ein jugendlich-unbefangener und zugleich nachdenklicher Blick auf Trauer, Familie, Verbundenheit – ein quicklebendiger Film, der schon jetzt zahlreiche Festivalpreise bekommen hat. (Läuft in Freiburg)
Autor: Gabriele Michel
