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09. Februar 2012
Überleben in der Kanalisation
KRIEGSDRAMA: "In Darkness".
Lemberg 1941: Die polnische Stadt an der ukrainischen Grenze, die 1939 von der Roten Armee und jetzt von den Nazi-Truppen okkupiert wurde, ist am Ende. Hunger. Plünderungen. Jeder bestiehlt jeden. Für die Juden gibt es nur noch eine Richtung zur Flucht: nach unten in die Kanalisation. Wer in dem Labyrinth überleben will, braucht fachkundige Hilfe. Keineswegs aus idealistischen Gründen bringt der polnische Kanalarbeiter Leopold Socha (Robert Wieckiewicz) die Verfolgten in Sicherheit. Der wohlhabende Jude Ignacy Chiger (Herbert Knaup) verspricht Entlohnung. Neben seiner Familie gehört der Gauner Mundek (Benno Fürmann) zur Gruppe, dann die junge Klara (Agnieszka Grochowska), die ihre Schwester im Ghetto zurücklassen musste, ein orthodoxer Jude, der sich am Rande hält, und ein Mann, der mit seiner Geliebten die Razzia im Ghetto dazu genutzt hat, seine Familie im Stich zu lassen. In den dunklen, feuchten Gängen müssen die unterschiedlichen Menschen zusammenhalten, wenn sie überleben wollen.
Mit "In Darkness" zeichnet die polnische Regisseurin Agnieszka Holland ("Hitlerjunge Salomon"/"Washington Square") ein komplexes Gruppenporträt, in dem die dramatische Anspannung der Verfolgten, die klaustrophobischen Ängste in der Enge und Dunkelheit der Kanalisation, ihre vollkommene Abhängigkeit und die daraus resultierenden Vertrauenskrisen zu dem einzigen Menschen, der ihnen hilft, intensiv und glaubwürdig dargestellt werden. Dabei ist Holland nicht an einem humanistischen Heldengemälde gelegen. Der Kanalarbeiter Socha ist eine Figur, die sich zunächst aus rein egoistischen Interessen für die Verfolgten engagiert und erst zögernd an der Situation über sich hinaus wächst. Auch die moralischen Zerwürfnisse innerhalb der Gruppe der Juden werden deutlich herausgearbeitet.
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Visuell wagt sich der Film ebenfalls tief in die Dunkelheit hinein, lässt in spärlich ausgeleuchteten Bildern die Düsternis und Feuchtigkeit der Kanäle förmlich am Publikum hoch kriechen und zu einer bedrückenden, aber eindringlichen Kinoerfahrung werden. (Läuft in Freiburg)
Autor: Martin Schwickert
