Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. April 2011

"Ohne Limit"

Zoom aus Großstadtstraßen direkt ins Hirn hinein

THRILLER: Neil Burgers "Ohne Limit" kann sich zwischen buntem Drogentrip und scharfem Wirtschaftskrimi nicht entscheiden.

  1. Robert de Niro, Bradley Cooper Foto: Concorde

Angeblich liegen vier Fünftel unserer Gehirnkapazitäten brach. Wie kann man die auch noch bewirtschaften und maximal ausbeuten? Die Pharmaindustrie arbeitet daran. Her mit dem chemisch angeknipsten und auf reine Effizienz gepolten Turbo-Verstand für gestresste Schüler, Studenten, für jedermann!

Der amerikanische Regisseur Neil Burger ("The Illusionist") hat diese Zeichen der Zeit erkannt und ihnen ein rasantes Styling gegeben. Sein Spielfilm "Ohne Limit" beginnt mit einem unaufhaltsamen, soghaften Zoom aus Großstadtstraßen, durch alle materiellen Hindernisse hindurch, geradewegs hinein in ein menschliches Hirn. Synapsen funken, dann geht die Fahrt ebenso schnell wieder zurück ins umfassende Netzwerk: Es ist eine psychedelisch aufgemotzte Street-View-Sequenz und gleichzeitig das rauschhafte Modell von Intelligenz als ein Verschaltungsvorgang nach Computerart. Das fiktive chemische Wundermittel, das eine solche Verschaltung möglich macht, heißt im Film NZT. Für einen auserwählten Testpiloten wird es zum potenten Denk- und Leistungsverstärker und obendrein zur ultimativen Spaßdroge: Das hochtourig laufende NZT-Cleverle Eddie (Bradley Cooper), ehemals ein jämmerlicher Möchtegern-Schriftsteller, bekommt jetzt nicht nur im Handumdrehen alle Geheimnisse der Finanzindustrie, sondern fortan auch jede Frau geknackt. Ein paar grobe Nebenwirkungen der Droge wird Eddie dank Superhirn und frisch geraffter Dollarmillionen wohl ebenfalls in den Griff kriegen. Dann winkt dem mentalen Supermann das Präsidentenamt – auf dem Weg zur Macht muss er nur noch ein paar lästige Gegenspieler ausschalten. . .

Werbung


Im Drehbuch von "Ohne Limit", nach einem Roman von Alan Glynn, gibt es beim logischen Hergang durchaus heftige Durchhänger. Was aber wirklich nervt, ist Unentschlossenheit. Burger konnte sich offenbar nicht entscheiden, welchen Film er machen wollte. Oder, bei ein paar unvermittelten Brüchen drängt der Verdacht sich auf, die Studio-Gewaltigen haben ihm mächtig reingepfuscht, um ganz unterschiedliche Erwartungen abzuschöpfen.

"Ohne Limit" soll alles zugleich sein – ein Drogentrip mit knallbunten Effekten, ein actionscharfer Verschwörungsthriller und dazu noch irgendwie ein Kommentar zum Leistungswahn einer entfesselten Konkurrenzgesellschaft. Satire also? Letztendlich läuft es eher auf eine männliche Wunscherfüllungsfantasie hinaus, und bei der würden mehr als die berühmten zwanzig Prozent Denkvermögen ohnehin nur stören. Bradley Cooper ("The Hangover") ist dabei allerdings genau das richtige Identifikationsangebot: Sein Eddie wirkt wie ein überdurchschnittlich teuer gegelter Ballermann-Kumpel, der überm Sangria-Trog plötzlich anfängt, dir haarklein die neueste Weltformel zu verklickern.
– "Ohne Limit" (Regie: Neil Burger) läuft flächendeckend, siehe "Ticket".

Autor: Jürgen Frey


0 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.



Weitere Artikel: Kino