Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. September 2009

Ein totes Ohr in der Sommersonne

Wolfgang Bortliks Basel-Krimi "Fischer hat Durst"

Die Sonne brennt vom Himmel. Fischer schwitzt, das Hemd klebt, die Augen brennen. Es ist brütend heiß in diesem Jahrhundertsommer, eine Hitze wie lange nicht. Fischer giert nach einem kalten Getränk, während er in den Vorort zum Haus seiner Ex-Frau radelt, um dort die Blumen zu gießen und die Katze zu füttern. Doch dann entdeckt er etwas Merkwürdiges: Im Gras liegt ein Ohr, ein wachsbleiches menschliches Ohr... "Fischer hat Durst", der vierte Roman und erste Krimi von Wolfgang Bortlik, ist ein Basler Krimi. Das Ende August erschienene und bei einer Lesung im Literaturhaus Basel vorgestellte Buch fängt die Stimmung und Atmosphäre eines drückend heißen Basler Sommers ein. Es sind Tage ähnlich wie die Hitzetage in diesem August, wo die Temperaturen fast an die 40 Grad-Marke heranreichten. Der Roman hat viel Lokalkolorit, spielt in einem Quartier in Kleinbasel, das der Autor gut kennt. Hat er doch dort einmal gewohnt. Der gebürtige Münchner und Wahl-Basler Bortlik lebt schon lange in der Schweiz, vor einigen Jahren ist er nach Riehen gezogen, hat ein Buch über den Schweizer Fußball herausgebracht und ist auch durch seine Sportgedichte, Kolumnen und Satiren bekannt.

Werbung


Sein Basler Sommerkrimi ist kein klassischer traditioneller Kriminalroman mit Detektiv oder Kommissar als Hauptfigur. "Ich würde nie einen Krimi schreiben, in dem ein Polizist der Held ist", meint Bortlik dazu, "was mich interessiert, ist mehr das Ausweglose". Fischer, die Titelfigur seines Krimis, ist eher ein Antiheld, ein Getriebener, ein gescheiterter Schriftsteller, erfolglos, völlig abgebrannt, der von seiner Frau und den beiden Kindern getrennt lebt, aber mit seiner Familie zusammen sein möchte.

Er streift durch die Stadt wie ein einsamer Wolf
Doch es läuft ihm alles aus dem Ruder, er streift durch Basel und durch diese Geschichte wie ein einsamer Wolf. Der seltsame Fund eines Ohrs im Garten ist der Anfang eines verzwickten Kriminalfalles, in den Fischer verwickelt wird. Im Hafengelände am Rheinhafen, das überbaut werden soll, werden Spuren keltischer Siedlungen entdeckt. Ein emeritierter Professor spielt eine Rolle bei diesen archäologischen Kelten-Ausgrabungen. Der Bösewicht, ein Messermörder, der in dem Roman umgeht, wirft biblische Fragen von Schuld und Sühne auf.

Auch bringt Bortlik Anspielungen auf den Literaturbetrieb und die musikalische Popkultur ein. "Ich bin durch die Rolling Stones und Beatles sozialisiert worden, die waren wie Frisch oder Dürrenmatt für mich", erklärt Musikfan Bortlik, warum in seinem Krimi viel Musik vorkommt. "Es ist ein Krimi, der die Grenzen des Genres auslotet", beschreibt er sein Buch. Und es ist, wie Peter Burri betont bei der Buchvorstellung, auch keine Hansjörg-Schneider-Kopie, "es ist kein Hunkeler, es ist ein Bortlik". Hunkeler bleibt Hunkeler und Kultkommissär im Basler Krimi-Genre, und mit Fischer betritt eine neue und ganz andere Figur dieses Terrain.
– Wolfgang Bortlik: "Fischer hat Durst", Salis Verlag, 224 Seiten, 16,90 Euro

Autor: Roswitha Frey