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17. Januar 2012

Elvis im Altenheim

"Ich, Jonas, genannt Pille, und die Sache mit der Liebe".

Wie glücklich muss ein Junge wie Jonas sein, wenn er eine Mutter hat, die Zauberin ist und immer "weiß, was das Herz gerade braucht, wenn es wehtut". Und darüber hinaus noch einen Großvater Leo, der klug und weise ist, die richtigen Worte zur richtigen Zeit weiß und mit dem dennoch "Gar-nichts-sagen einfach klasse" ist. Der nach Jahrzehnten des Zusammenseins immer noch mit Oma Lucie turtelt, die er Bella nennt, und die zu seinem großen Leidwesen in den Großmutterhimmel entschwinden musste. Wer noch als alter Mann seine Gefühle so offen lebt, muss von Menschen wie der strengen Tante Berta für meschugge gehalten werden. Sie sorgt dafür, dass Leo ins Altenheim umziehen muss.

Autorin Brigitte Werner stattet ihren munteren zwölfjährigen Ich-Erzähler mit einer Sprache aus, die mit einfachen Worten Seelenzustände nachempfinden lässt. Zum Beispiel Opas Fremdsein in der ersten Nacht im Altenheim: "Das fühlt sich an, als ob man innen drin ganz falsch angezogen ist." Aber dabei bleibt es nicht: Wo Schatten ist, findet Werner auch immer ganz viel Licht. Wer Altenheim nur mit Siechtum und Tod in Verbindung zu bringen entschlossen ist, wird im Fall von Leo und Pille eines Besseren belehrt: Wo Menschen zusammenkommen, und seien sie noch so alt oder gebrechlich, können sich unerwartete Talente entfalten. Sie wollen nur entdeckt werden.

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Herr Skazlicz zum Beispiel, den alle für eine verrückte Elvis-Parodie gehalten haben, kann wirklich singen und einen öden Sonntagnachmittag in eine "Wundertüte" verwandeln, so dass über allem auf einmal so etwas wie Freude schwebt. Und sogar der schweigsame "Krümel", die kleine Frau im Rollstuhl, findet ihre Sprache wieder. Nicht nur zwischen ihr und Elvis bricht die Liebe aus, auch Jonas wird in diesem "besondersten Mai" seines Lebens von ihr ereilt in Gestalt von Lilli, die alle bezaubert.

Wem das alles zu "veilchenblau" daher kommt, möge sich an den Kleinen Prinzen von St.Exupéry erinnert fühlen. Werners Buch ist eine weitere Variation seiner Erkenntnis: "Man sieht nur mit dem Herzen gut." Und wer das tut, für den verlieren auch Tod und Sterben ihren Schrecken. Ebenso ein Vater, der sich wegen Spielschulden aus dem Staub gemacht hat und geläutert zur Familie zurückkehrt. Und wenn sie nicht gestorben sind…


– Brigitte Werner: Ich, Jonas, genannt Pille, und die Sache mit der Liebe. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2011. 308 Seiten, 15,90 Euro. Ab 11.

Autor: Anita Rüffer