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01. August 2012
Flucht auf die rettende Insel Chiloé
Anlässlich ihres 70. Geburtstags am Donnerstag veröffentlicht Suhrkamp Isabel Allendes neuen Roman "Mayas Tagebuch".
Ihr erster Roman ist gleich ein sensationeller Erfolg: "La Casa de los Espiritus" erscheint 1984 auf Deutsch unter dem Titel "Das Geisterhaus" und macht die Journalistin Isabel Allende, Nichte des ehemaligen chilenischen Präsidenten Salvador Allende, quasi über Nacht weltbekannt. Seither war die Schriftstellerin, die seit über 20 Jahren in Kalifornien lebt, überaus produktiv: Nach Angaben des Suhrkamp-Verlags schrieb sie 19 Bücher, die in 35 Sprachen übersetzt wurden und von denen mehr als 57 Millionen Exemplare verkauft wurden.
Anlässlich ihres 70. Geburtstags an diesem Donnerstag kommt Allendes neuer Roman in den Handel: "Mayas Tagebuch" erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das bei seinen Großeltern in Kalifornien behütet und glücklich aufwächst. Erst als der Großvater stirbt, bricht für Maya die Welt zusammen. In seiner Trauer gefangen, gerät der Teenager auf die schiefe Bahn, nimmt Drogen, schmeißt die Schule, büxt aus einer Klinik aus, erfährt Gewalt, Verbrechen, Verelendung. Im letzten Moment wird Maya gerettet – doch weil Kriminelle und die Polizei hinter ihr her sind, schickt die Oma sie ins Exil auf eine kleine chilenische Insel.
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Der Roman macht sich, wie der Titel es nahelegt, Mayas Geschichte in der Ich-Perspektive zu eigen. Anfangs beschreibt die 19-Jährige, wie sie auf die Insel Chiloé kommt und bei Manuel, einem alten Freund ihrer Großmutter, einzieht. Rückblickend schildert Maya ihre friedliche Kindheit und den grausamen Absturz in die Trauer, aus der Einsamkeit und Weltverlorenheit hervorgehen.
Anders als in den Romanen "Inés meines Herzens" oder "Die Insel unter dem Meer" ist Allendes Sprache in "Mayas Tagebuch" heutig, schlank und klar. Wie in so vielen Geschichten der Chilenin spielt eine starke, jedoch vom Schicksal arg gebeutelte, Frau die Hauptrolle. Liebevoll nimmt sich Allende der Figur ihrer Maya an – sie gibt auch zu, dass das junge Mädchen "viele Züge der sechs Halbwüchsigen aus meiner eigenen Familie trägt, die ständig ungezählten Gefahren ausgesetzt sind". Doch nicht nur sind Mayas Wesen und Handeln real existierenden Menschen nachempfunden – die Großmutter Nini erinnert an die Schriftstellerin selber: Exilchilenin, Familientier, temperamentvoll, leidenschaftlich, an übersinnlichen Phänomenen interessiert und doch bodenständig.
Das Buch liest sich flott und hat einen gut komponierten Spannungsbogen. Die Zeitwechsel sind mühelos nachzuvollziehen. Wer sich für die chilenische Kultur interessiert, der erfährt viel über Land und Leute, über Bräuche, Aberglauben und Einstellungen. Isabel Allende hat ihren Lesern ein schönes Geburtstagsgeschenk gemacht.
– Isabel Allende: Mayas Tagebuch. Roman. Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012. 447 Seiten, 24,95 Euro.
Autor: Heidi Ossenberg



