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02. Oktober 2009

KRIMINALROMANE: Sadistisches Superhirn

Serienkiller unterwegs: Don Winslow, Chris Mooney

Don Winslows Roman "Frankie Machine" erzählt die Geschichte eines Ex-Mafia-Killers glaubhaft, während "Scream" von Chris Mooney das Serienkiller-Genre einmal mehr ad absurdum führt.


"SCream"

Es gibt solche und solche, die töten. Die einen erledigen ihren Job, die anderen reitet der Teufel. Letztere haben in den vergangenen Jahren traurige Berühmtheit erlangt im Genre: Was Grau-samkeit und Absurdität der Morde anlangt, entfachte sich um den Serienkiller ein Autorenwettbewerb mit sportlichem Ehrgeiz – leider zu Ungunsten von Erzählkunst und Wahrhaftigkeit.

"Scream" – das aus dem Jahr 2000 stammende Debüt von Chris Mooney, hierzulande bekannt mit seinen Krimis um die Polizistin Darby McCormick – zeigt die Serienkillerhorror-Abteilung auf einem traurigen Höhepunkt: Der "Sandman" schlitzt nicht nur reihenweise Hälse auf, sondern lässt mithilfe hochkomplizierter Sprengsätze gleich noch die Umgebung mit in die Luft fliegen. Ein sadistisches Superhirn mit Hang zum Hobbyfilmer und Bombenbastler, mehr geht kaum. Und es übermenscht noch mehr: Sein Widersacher ist ein posttraumatisierter ehemaliger Profiler, der den Mord an seiner Frau durch einen anderen Serienkiller mit ansehen musste. Dass ein Menschen-Versuchslabor des FBI Mitschuld am Wahnsinn trägt, setzt dem Ganzen die politisch korrekte Krone auf. Kein Wunder, dass sich der Autor im Dickicht voller Zitate und pompöser Bilder schwer verzettelt. "Was sich vor wenigen Stunden zugetragen hatte, war wie eine unscharfe Filmsequenz, in der er sich selbst nicht wiederfinden konnte", merkt der Held gegen Ende. Wie wahr.

"Frankie Machine"

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An Präzision und Schärfe kaum zu überbieten ist dagegen Don Winslows "Frankie Machine". Man muss ihn einfach mögen, diesen Frankie, der zwar seinen besten Jahren ein wenig hinterherhechelt, aber sich eine hübsche Welt zusammengebastelt hat: Zwischen Angelladen, Hausverwaltung und Fischhandel – das Studium des Töchterchens will finanziert sein – frönt der allseits Beliebte der italienischen Lebensart, klempnert bei seiner Ex, vergnügt sich mit seiner neuen Herzensdame und geht Surfen. Und plötzlich von einem Tag auf den anderen geht es ihm an den Kragen.

Man weiß es (es steht auf dem Buchdeckel!), will es aber nicht wahrhaben: Frankie Macchianno hat ein paar Leichen im Keller. Wie Don Winslow den Leser an die Hand nimmt und ihn ganz selbstverständlich in die dunklen Ecken dieses Kellers führt, das zeugt von hoher Erzählkunst. Frankie bekam seinen Spitznamen, weil er tötete wie eine Maschine. Sauber, glatt und effektiv. Für die Mafia in San Diego ein Segen. Selbst Frankie ist mit sich im Reinen, weil er sich innerhalb dieser Gemeinschaft stets korrekt verhalten hat. Tief muss der Ex-Killer in seiner Vergangenheit graben, um herauszufinden, wer aus welchem Grund ihn töten will. Und wo die Moral auf der Strecke geblieben ist. Für nächstes Jahr ist eine Verfilmung geplant mit Robert De Niro in der Hauptrolle und Michael Mann als Regisseur.
– Don Winslow: Frankie Machine. Deutsch von Chris Hirte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2009. 365 Seiten, 8,95 Euro.
– Chris Mooney: Scream. Deutsch von Michael Windgassen. Rowohlt Verlag, Reinbek 2009. 509 Seiten, 9,95 Euro.

Autor: Joachim Schneider