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05. Juni 2010

KRIMINALROMANE: Und gespielt wird auch

Krimiliteratur und Fußball – eine schwierige Kombination.

Die Auswahl an Krimis zur Fußball-WM ist dünn: Der Anlass allein macht offenbar weder einen Thriller noch eine gute Geschichte. Zwei Titel haben sich dennoch gefunden: Edi Grafs "Bombenspiel" spielt am Kap, in "Grobes Foul" von Kurt Lanthaler gerät ein Fußballstar auf Abwege.
"BOMBENSPIEL"
Edi Graf, der schon einige Afrika-Krimis veröffentlicht hat, erzählt in einer Art szenischen, pseudo-dokumentarischen Protokoll-Form, wie eine Terrorgruppe namens Sub Africa einen Anschlag vorbereitet, bei dem sämtliche weißen Zuschauer während des Eröffnungspiels der deutschen Mannschaft in Durban durch eine biologische Bombe sterben sollen. Der Griff in die Klischee-Kiste ist tief: Ein schlauer Inder, Computerfachmann, ein gerissener Araber, Statiker und ein böser Shona, der Sicherheitsingenieur haben sich zusammengetan, um die Bomben in der Stahl-Konstruktion des Stadiondaches zu platzieren, doch ein weißes, rassistisches Superhirn benutzt Sub Africa wiederum als seine Handlanger und lässt heimlich das Serum in den Sprengsätzen austauschen, das nun alle Schwarzen im Stadion umbringen soll. Ein deutscher Ingenieur kommt aber dem Anschlag auf die Spur und wird ermordet, als er sich in Stuttgart mit der Journalistin Linda Roloff treffen will, um seinen Verdacht loszuwerden. Die riecht trotzdem den Braten und macht sich auf nach Südafrika. Recht brutal geht es zu, ganz ernsthaft fliegen Labore in die Luft, werden Leute niedergemetzelt und geliebt wird auch noch. Und zuletzt wird Fußball gespielt, Deutschland gewinnt. Puh!

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Wer auf ein haarsträubendes Verschwörungsszenario steht, garniert mit Reiseführer-Impressionen, der hat Spaß am "Bombenspiel". Wer etwas über Südafrika erfahren will, der greife lieber zum düsteren Roger Smith oder zum Krimi-Preisträger Deon Meyer.
"GROBES FOUL"

Ähnlich bescheiden sieht es bei Fußball-Krimis aus, so hat der Haymon-Verlag die Gunst der Stunde genutzt und einen von Kurt Lanthalers Tschonnie Tschenett Romanen wieder in die Läden gebracht, die zwischenzeitlich bei Diogenes erfolgreich waren. "Grobes Foul", im Original von 1993, hat nur indirekt mit Fußball zu tun, ist aber immer noch eine große Freude. In diesem, zweiten Roman der Reihe trifft Tschenett, Truckfahrer und Hobby-Detektiv, lebensmüder Quartalsäufer und großmäulige Labertasche mit großem Herz, einen zugedröhnten italienischen Fußballstar von AS Roma nachts auf der Straße, als ihm - böser Zufall – der Sprit ausgeht. Und ehe er sich versieht, steckt er in einer üblen Geschichte um Mord, Erpressung, Drogenhandel und alten faschistischen Verstrickungen. Und das alles inszeniert von den Dorfhonoratioren in einem Touristenörtchen unweit des Brenners, wo sich Tschenett für ein paar Jahre niedergelassen hat.

Klar trägt Lanthaler dick auf, aber die Ironie ist unverkennbar, Chandlers Marlowe wird hemdsärmelig verwurstet. Dazu strotzt "Grobes Foul" nur so von witzigen Details: Jener römische Fußball-Star namens Paolo Canaccia, der in Südtirol aufgrund eines Trainingslagers weilt, berlinert, weil er bei der Hertha groß geworden ist. Das waren noch Zeiten.
– Edi Graf: Bombenspiel, Gmeiner
Verlag, Meßkirch 2010, 326 Seiten,
11,90 Euro.
– Kurt Lanthaler: Grobes Foul. Haymon Verlag, Innsbruck, 268 Seiten, 9,95 Euro.

Autor: Joachim Schneider