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21. Februar 2009
KRIMINALROMANE: Von Ratten und Wespen
Uta-Maria Heims neuer Krimi knüpft an ihren ersten an
Achtzehn Jahre nach ihrem Krimi-Debüt "Das Rattenprinzip" schrieb Uta-Maria Heim die Fortsetzung der Geschichte. Echtzeit kann grausam sein: "Das Wespennest" übertrifft und unterläuft alle Erwartungen. Um es vorneweg zu sagen: Die Romane entfalten ihre volle Wirkung nur im Doppelpack. Dann wird aus großem Vergnügen ein perfider Spaß. Nur verhält es sich anders als sonst: Kein gutes Haar lässt Heim an ihren Helden. Oder ist es der Lauf der Dinge, das Leben, das so etwas mit einem macht?
Das vom rührigen Meßkircher Gmeiner-Verlag 2008 wieder aufgelegte "Rattenprinzip" erschien erstmals 1992 und erhielt gleich den Deutschen Krimipreis. Obwohl an den Schauplätzen Stuttgart und Nordschwarzwald oft geredet wird, wie der Schnabel gewachsen ist, hat "Das Rattenprinzip" mit einem Regiokrimi nicht viel gemein. Lokalkolorit kann ätzend sein. Die Schwäbischen Motorenwerke ziehen die Fäden in Kultur- und Verkehrspolitik. Politiker, Journalisten und Kulturschaffende sind ihre Marionetten.
Eine Art Held ist Udo Winterhalter. Der Schwarzwälder Lokalchef des "Stuttgarter Tagblatts" entdeckt, dass seine Kollegen mit am Kuchen naschen. Als Theaterkritiker Götzberg ungebremst gegen eine Wand rast, tun sich Abgründe auf, die selbst der LKA-Beamte Ossi Oswald nicht zu durchschauen scheint. Das Rätsel bleibt ungelöst. Was verbirgt sich hinter den Machenschaften? Anders gefragt: "Wem nützt es?" Das fragt sich der rote Karle sein ganzes Leben. Nicht nur der streitbare Alte taucht wieder auf. Fast alle Figuren handelt Heim ab – Tote wie Lebende: Deren Werdegang wirkt so verblüffend wie glaubwürdig. Spannender kann Desillusionierung kaum sein. Tatsächlich ließen der knapp skizzierende Stil des Debüts und die Momentaufnahmen der Figuren Leerstellen. Die Fortsetzung liefert neue Puzzleteile, der Leser muss sein Bild revidieren. Fabelhaft: Aus Ratten werden Wespen. Es liegt in der Natur der Sache. Aus Nazi-Terror, RAF-Terrorismus und Lokalpolitik ist das Nest gebaut, Verschwörungstheorien allerorten, die für Verwirrung sorgen.
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Zwar machen die Ermittler Anita Wolkenstein und Timo Fehrle, die schon im 2007er Krimi "Totschweigen" schnüffelten, ordentliche Arbeit, doch Respekt verdient nur der mittlerweile 86-jährige rote Karle. Seine bissigen marxistischen Weisheiten treffen ins Schwarze – wie das Motto dieses hochliterarischen Krimis: "Wo die Geschichte aus ist, bleiben uns nur noch Geschichten". Viel besser kann man es nicht umsetzen. Nicht nur deshalb ist "Wespennest" krimipreis- verdächtig.
– Uta-Maria Heim: Das Rattenprinzip. 231 Seiten, "Wespennest", 279 Seiten. Beide im Gmeiner Verlag Meßkirch, 9,90 Euro.
– Die Autorin liest am 3. April um 20 Uhr in der Freiburger Buchhandlung am Schwarzen Kloster.
Autor: Joachim Schneider
