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22. Mai 2012
Zu viel Schmutz für die Delfine
Hélène Rajcaks und Damien Laverdunts Sachbuch über ausgestorbene Tierarten.
Umweltverschmutzung verdarb das Happy End. Vor langer Zeit wollte ein chinesischer Fürst seine Tochter verheiraten – gegen ihren Willen! Die Prinzessin wehrte sich. Voll Zorn ersäufte der Vater das Mädchen im Fluss Jangtsekiang. Doch aus der Seele der Widerspenstigen gingen die Flussdelfine hervor, in denen sie fortan weiterlebte, bis der moderne Mensch den Jangtsekiang verpestete. Suchexpeditionen fanden 2006 in der Dreckbrühe keine Spur der Delfine mehr.
Ein trauriges Märchen. So richtig traurig ist das wundersame, prachtvolle Buch "Unglaubliche Geschichten von ausgestorbenen Tieren" aber gar nicht. Die ausgelöschten Kreaturen kommen bei Hélène Rajcak und Damien Laverdunt sogar noch selbst zu Wort. "Hat man Ihnen denn keine anderen Begrüßungsformen beigebracht?", empört sich einer der letzten europäischen Löwen angesichts des Keulen schwingenden Herakles. Der Falkland- Fuchs bettelt bei Charles Darwin um Fressen. Schon bei seinem Besuch 1833 sieht der Naturforscher schwarz für die Zukunft der zutraulichen Tiere. 43 Jahre später war kein Fuchs mehr übrig. Mit fast ganzseitigen, farbigen Zeichnungen, Comics, Fakten, Histörchen und Legenden stellen Rajcak und Laverdunt auf je einer Doppelseite 27 Artenschicksale vor. Alle verschwunden, auf immer und ewig! Im Kern ist jedes Beispiel betrüblich. Damit Kinder den Verlust verstehen, muss trotzdem nicht dauernd der übliche Jammer-Knüppel her. Der Mensch hat sich ja schließlich auch mehr als nur Schlagwaffen einfallen lassen, um Arten vom Antlitz der Erde zu tilgen: Fallen, Speere, Gewehre, Umweltgifte, Lebensraumzerstörung. Der ulkige, scheinbar unpassende Humor des Autoren- und Zeichnerduos überrascht. Die Nachdenklichkeit tapst aber von allein hinterher.
– Hélène Rajcak, Damien Laverdunt: Unglaubliche Geschichten von ausgestorbenen Tieren. Jacoby & Stuart, Berlin 2012, 77 Seiten, 18.95 Euro. Ab 10.
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Autor: Jürgen Schickinger



